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Barbara Rittner im Gespräch : „Nächstes Jahr kommt die Stunde der Wahrheit“

  • Aktualisiert am

Eine glückliche Teamchefin der deutschen Tennisfrauen: Barbara Rittner Bild: dpa

Mit Andrea Petkovic, Julia Görges und Sabine Lisicki sind seit Montag drei Deutsche unter den besten dreißig Tennisspielerinnen. Im FAZ.NET-Interview spricht Barbara Rittner über den Erfolg der Deutschen und ihre „Luxusposition“ als Fed-Cup-Chefin.

          3 Min.

          Seit diesem Montag stehen erstmals seit 1996 mit Andrea Petkovic, Julia Görges und Sabine Lisicki drei deutsche Tennisspielerinnen unter den besten dreißig der Welt. Sie müssen eine sehr glückliche Fed-Cup-Chefin sein.

          Das war ich vorher auch schon. Ich habe immer gesagt in den vergangenen Wochen und Monaten, dass wir drei Weltklassespielerinnen haben. Bei Sabine Lisicki war es nur eine Frage der Zeit, wann und wie stark sie zurückkommt. Wie weit es nach oben geht, diese Frage ist noch offen. Alle sind noch am Anfang ihrer Reise. Aber sie stehen jetzt schon auf den Plätzen 28, 16 und 13, und ich glaube, es geht noch weiter nach vorne.

          Was hat Sabine Lisicki im Halbfinale von Wimbledon gegen Maria Scharapowa für den ganz großen Coup gefehlt?

          Ich denke, die mentale Frische hat ein wenig gefehlt, und das greift dann auch auf das Körperliche über. Dann mangelt es etwas an der Reaktionsgeschwindigkeit, und sie hat dadurch Chancen liegen lassen - etwa das 4:0 im ersten Satz gegen eine wirklich angeschlagene Scharapowa, die gewackelt hat und sichtlich verunsichert war. Sabine konnte das leider nicht nutzen. Natürlich hat auch die Erfahrung gefehlt. Sie wird daraus lernen. Der Kopf und der Körper müssen sich daran gewöhnen, dass sie sehr weit bei großen Turnieren kommt.

          Viele große Stars vergangener Tage trauen ihr den Sprung in die absolute Weltspitze zu. Ist das ein großer Ansporn - oder wird das zur Hypothek?

          Ich weiß gar nicht, ob sie so sehr darauf hört, was andere über sie sagen. Sie macht schon ihr eigenes Ding und hat selbst einen großen Anspruch an sich. Die ersten Reaktionen nach dem Match waren schon Enttäuschung und ein paar Tränchen, aber dann auch die Erkenntnis: Ich bin auf einem guten Weg, meine Zeit wird kommen. Ich habe ihr gesagt, deine Zeit hat schon angefangen. Sie hat die Waffen, und jetzt ist es wichtig, den Körper noch fitter zu machen, darauf zu achten, dass sie Verletzungen vermeidet, dass sie ihren Turnierplan dosiert und auch Pausen macht. Dann wird sie ihren Weg gehen, da gibt es keinen Zweifel.

          Bis zum nächsten Frühjahr muss Sabine Lisicki wegen ihrer Verletzungspause im vergangenen Jahr kaum Punkte auf der Weltrangliste verteidigen. Der Sprung in die absolute Weltspitze scheint vorhersehbar . . .

          Sie war im März noch Nummer 218 und gehört jetzt schon zu den 32 gesetzten Spielerinnen bei den US Open. Das ist schon fast beängstigend, denn wenn sie den Schnitt der letzten Wochen weiter spielen würde, ist sie ja auf Nummer-1-Kurs. Gehen wir davon mal nicht aus, aber sie wird gut spielen, hier und da auch mal verlieren. Vielleicht schafft sie es bis New York ja, zur ersten Hälfte der gesetzten Spielerinnen zu gehören.

          Ist es belastender, wenn man viele Punkte verteidigen muss oder wenn man viele hinzugewinnen kann?

          Auf jeden Fall die Situation, wenn man etwas zu verteidigen hat. Im nächsten Jahr um diese Zeit ist sicher so etwas wie die Stunde der Wahrheit, und das kommt ja vorher auch schon auf Andrea Petkovic und Julia Görges zu. Das sind immer besondere Momente. Dazu gehört es, den Druck auszuhalten, seien es nun die eigenen Erwartungen oder welche von außen.

          Ist der Druck, den man sich selbst macht, nicht immer größer?

          Das hat man in Wimbledon bei Andrea Petkovic gesehen, die sich zu sehr gestresst hat, unbedingt beweisen wollte, dass sie da hingehört, wo sie steht. Deshalb ist sie verkrampft, und erst nachdem sie ausgeschieden war, kam diese Lockerheit zurück. Die Mädels arbeiten sehr professionell und tun alles dafür, um noch weiter nach vorne zu kommen, und dieser gesunde Konkurrenzkampf spornt alle drei an.

          Es scheint eine günstige Zeit für den Durchbruch in die absolute Weltspitze zu sein. Außer Serena Williams, wenn sie körperlich fit und motiviert ist, scheint es keine unbesiegbare Ausnahmespielerin mehr zu geben . . .

          Es ist eine interessante Zeit, die manche als langweilig bezeichnen, was ich als Unverschämtheit empfinde. Es gibt momentan zehn Spielerinnen, die ein Grand-Slam-Turnier gewinnen können. Ich habe Anfang des Jahres gesagt: Was kann Caroline Wozniacki eigentlich besser als unsere Spielerinnen? Da wurde ich belächelt, weil sie ist ja schließlich die Weltranglistenerste. Aber de facto ist es so, und die Saison hat es gezeigt: Sie an einem gutem Tag und eine von meinen Mädels an einem guten Tag - das ist ein Spiel auf Augenhöhe. Wir müssen die Konstanz finden, dass wir auf diesem hohen Level Woche für Woche mitspielen.

          Ist es leichter für jede Einzelne, weil sich die Erwartungen auf drei verteilen?

          Ich sage allen dreien immer wieder, dass sie nur voneinander profitieren können, sowohl bei der Vermarktung als auch bei der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit. Das sind intelligente Mädels, die haben das auch kapiert. Deshalb kommt auch der Neidfaktor nicht auf. Das ist ein wichtiger Schritt, den wir in der Vergangenheit nicht immer gemacht haben.

          Sie sind dieses Jahr mit dem Fed-Cup-Team wieder in die Weltgruppe aufgestiegen. Leider geht es erst im nächsten Jahr weiter - wie gerne würden Sie jetzt ein Fed-Cup-Spiel haben?

          Sehr, sehr gerne, am liebsten sofort, übernächste Woche. Das haben auch die Mädels gesagt. Man hat natürlich immer Angst, dass sich eine oder zwei verletzt haben, wenn ein Spiel ansteht, und dann dreht sich alles wieder. Ich hoffe, wir stehen im Februar ähnlich da wie jetzt und können dann angreifen. Drei Spielerinnen in der Weltspitze - in dieser Luxusposition war ich noch nie.

          Das Gespräch führte Peter Penders.

          ATP-Weltrangliste - Montag, 04.07.2011:

          1. (2) Novak Djokovic (Serbien) 13285 Pkt.; 2. (1) Rafael Nadal (Spanien) 11270; 3. (3) Roger Federer (Schweiz) 9230; 4. (4) Andy Murray (Großbritannien) 6855; 5. (5) Robin Söderling (Schweden) 4325; 6. (6) David Ferrer (Spanien) 4150; 7. (8) Gaël Monfils (Frankreich) 2780; 8. (9) Mardy Fish (USA) 2650; 9. (7) Tomas Berdych (Tschechien) 2470; 10. (10) Andy Roddick (USA) 2110; ... 20. (18) Florian Mayer (Bayreuth) 1555; 42. (39) Philipp Kohlschreiber (Augsburg) 1080; 77. (67) Philipp Petzschner (Bayreuth) 665; 83. (76) Michael Berrer (Stuttgart) 635; 92. (98) Matthias Bachinger (Dachau) 554; 96. (83) Tobias Kamke (Lübeck) 533; 97. (101) Denis Gremelmayr (Lampertheim) 528

          WTA-Weltrangliste - Montag, 04.07.2011:

          1. (1) Caroline Wozniacki (Dänemark) 9915 Pkt.; 2. (2) Kim Clijsters (Belgien) 7625; 3. (3) Vera Swonarewa (Russland) 6695; 4. (5) Victoria Asarenka (Weißrussland) 6465; 5. (6) Maria Scharapowa (Russland) 6141; 6. (4) Na Li (China) 5855; 7. (8) Petra Kvitova (Tschechien) 5437; 8. (7) Francesca Schiavone (Italien) 4860; 9. (9) Marion Bartoli (Frankreich) 4230; 10. (10) Samantha Stosur (Australien) 3405; ... 11. (13) Andrea Petkovic (Darmstadt) 3305; 16. (16) Julia Görges (Bad Oldesloe) 2715; 27. (62) Sabine Lisicki (Berlin) 1886; 87. (75) Kristina Barrois (Bous) 761; 100. (77) Angelique Kerber (Kiel) 687

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