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Basketball-Pokal : Noch ein großer Sieg für Bamberg

  • -Aktualisiert am

Bamberger Feiertag: Cliff Alexander (hinten) jubelt mit Nikos Zisis. Bild: Imago

Berlin und Bamberg bewegen sich auf entgegengesetzten Basketball-Routen. Im Pokalfinale siegen die Franken dank des spektakulären Schlusspunkts von Nicos Zisis.

          Und dann lief er über das Feld schnurstracks auf die Tribüne hinter dem Korb, ließ sich packen und feiern, küssen und hochleben: Nicos Zisis, die Galionsfigur des Bamberger Basketballs der Gegenwart, der Wegbereiter eines denkwürdigen Sieges am Sonntag. Brose Bamberg schlug Alba Berlin im Pokalfinale quasi in den letzten Sekunden 83:82. „Ich bin so stolz“, sagte Zisis, „jeder weiß, wie schwer das letzte Jahr für uns war. Wir hatten eine einmalige Chance mit dem Finale gegen einen großartigen Gegner. In einem Spiel ist eben doch alles möglich.“

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Zum zweiten Mal machen die jungen Berliner diese Erfahrung im Pokalwettbewerb des deutschen Basketballs. 2018 scheiterten sie trotz einer Acht-Punkte-Führung vier Minuten vor dem Ende an Bayern München. Diesmal führten sie sogar bis drei Sekunden vor dem Ertönen der Schlusssirene. „Gratulation an Bamberg, sie haben sehr gut gespielt, wir hatten unsere Probleme“, sagte der Berliner Coach Aito Reneses ruhig, fast gelassen nur eine halbe Stunde nach der bitteren Niederlage. Sichtbare Gefühle zeigt der 72 Jahre alte Spanier selten an der Seitenlinie. Doch diesmal schwoll ihm zum Ende des zweiten Viertels die Zornesader.

          Zwölf Berliner Ballverluste bis zur Halbzeit

          Der sonst so gütig, immer beherrscht und vornehm zurückhaltend wirkende Coach am Rande der Explosion? Zwölf Ballverluste hatten sich seine Spieler bis zur Halbzeit geleistet, waren wegen ungenauer Pässe und Fehltritte nicht in ihren Rhythmus gekommen, in das sonst so bewundernswert flüssige Angriffsspiel von Alba, sehr schnell, leichtflüssig, intelligent, effektiv. Woran das lag? „An fehlender Konzentration“, sagte Reneses. Und am Gegner. „Sehr clever“, fügte der Erfolgscoach hinzu.

          Wie Bamberg mit der schon fast sprichwörtlichen mentalen Kraft seiner Profiteams über die Verteidigung ins Spiel fand, mit einem zunächst destruktiven Ansatz Schwung aufnahm und Alba bremste. Im ersten Viertel kam Berlin nur zu acht Würfen (16 Punkte). Das frenetisch anfeuernde Publikum in der mit 6100 Basketballfans voll besetzten Bamberger Halle mag seinen Anteil daran gehabt haben. Aber die Spielentwicklung war akribisch vorbereitet worden, quasi mit einer Generalprobe im Bundesligaspiel gegen die Frankfurt Skyliners: wenig Punkte zulassen, Einsatz bis zum Umfallen, Sieg im letzten Moment. Das war – grob gesagt – der Masterplan gegen die Berliner. Er funktionierte prächtig, führte über die Halbzeitführung (44:37) auch dank Elias Harris (15 Punkte) dorthin, wo man einen nicht nur gefühlt talentierteren Gegner drängen will: an den Rande der Verunsicherung.

          Die Fäuste geballt: Bambergs Trainer Federico Perego freut sich über die Leistung seiner Mannschaft beim Pokalfinale gegen Berlin.

          Ein spannendes Duell. Weil sich doch Berlin kaum aus der Ruhe bringen lässt. Von außen kam wenig in den ersten beiden Vierteln, die gefürchteten Dreipunkte-Würfe blieben aus – oder „fielen“ nicht (3/10). Die Berliner Garantie für ein souveränes Angriffsspiel, Luke Sikma (vier Punkte), wirkte nicht auf der Höhe seiner Kraft. „Er war geschwächt durch eine Grippe“, sagte Reneses. Sein Musterprofi hatte das Abschlusstraining ausfallen lassen müssen. Aber dennoch kam Berlin immer wieder mit einem „Pick and Roll“-Spiel zu vergleichsweise „leichten“ Körben über seinen 2,06 Meter langen Nationalspieler Johannes Thiemann (17 Punkte). Würde es also nur eine Frage der Zeit sein, bis Alba sein gesamtes Potential ausspielen und dem Bamberger Team die Grenze zeigen würde?

          Einen Monat erst ist Federico Perego Cheftrainer der Bamberger. Der vom Assistent zum Boss an der Linie beförderte kennt zwar sein Team in- und auswendig. Aber das steckt wie der Chef an der Seitenauslinie im Wandel nach dem Umbruch, dem Wechsel wichtiger Spieler. Die Rollen müssen verteilt und gefunden werden. Alba bewegt sich dagegen in einem kontinuierlichen Aufbauprojekt, „nur“ gestört von Verletzungen wichtiger Profis wie Stefan Peno und diesmal gebremst von Sikmas Schwäche. Vielleicht begegneten sich am Sonntag zwei, die entgegengesetzte Wege nehmen. Berlin will nach ganz oben und hat die jugendliche Frische für eine große Zukunft. Bamberg stemmt sich bislang erfolgreich gegen den Abstieg aus der Beletage der Bundesliga, nach der Etatreduzierung – mit einem erfahrenen Team.

          Zisis ist 35 Jahre alt, aber noch kein bisschen müde. 13 Punkte, sieben Assists hatte er zum Ende des dritten Viertels gesammelt. Auf 39 Prozent stieg die Dreipunkte-Quote seines Teams, während die der Berliner auf 24 sank. Bamberg kontrollierte mit dem abgezockten Griechen im Aufbau die Partie, führte mit elf Punkten zu Beginn des letzten Viertels (65:54). Und so fand sich Alba Berlin dort wieder, wo es nie hatte sein wollen, in der Defensive unter Zeitdruck, wenige Minuten vor dem Ende. Dann entstehen die Ballverluste, die verzweifelten Versuche, doch endlich der Exzellenz zu entsprechen. Reneses blieb ganz ruhig, wie unberührt von der Hektik, fast stoisch. Auch als sein Team ein 8:0-Lauf gelang zum Ausgleich (78:78), als Rokas Giedraitis mit seinem 23. und letzten Punkt als Topscorer der Partie zur Führung traf, weil Berlin spielte, wie Berlin im besten Sinne spielen kann, blitzschnell mit den Füßen und den Händen: 82:80. Reichen drei Minuten Berliner Herrlichkeit doch noch zum Happy End?

          Bamberg greift an, verwirft, scheint den Rebound nicht kontrollieren zu können, bekommt den Ball aber doch noch einmal, Pass quer über die Zone, über fast alle Köpfe auf die Dreierposition, zu Zisis: Wurf, Treffer. 83:82, Zisis (19 Punkte/gut 64 Prozent Trefferquote) setzt an zum Jubellauf wie beim Fußball, dann beruhigt er alle, die hinter ihm herjagen, noch 2,4 Sekunden sind zu spielen. Berlin hat noch eine Chance, die Herzen klopfen, Sikma bekommt den Ball, die Flugkurve sieht gut aus, aber sie ist zu lang. Vorbei.

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