https://www.faz.net/-gtl-9nit2

Bamberger Probleme : Der Milliardär ist der Star

In großer Not: Die Bamberger Basketballer waren zuletzt mehr in der Defensive als gewünscht. Bild: dpa

Die Bamberger Basketballer waren jahrelang erfolgsverwöhnt. Unter der Regentschaft von Michael Stoschek fehlt die Orientierung. Der Klub braucht Teamplay, nicht Einzelakteure.

          Das Märchen von den glorreichen sieben geht weiter. Aufsteiger Rasta Vechta, die zum Bundesliga-Klub gewordene Basketball-AG, hat mit dem 3:1 im Viertelfinale der Playoffs um die deutsche Meisterschaft, wie Trainer Pedro Calles seine Mannschaft ermuntert hatte, Geschichte geschrieben. Obwohl das Team mit nur sieben Profis in der Serie auskommen musste, weil alle anderen verletzt waren, hat Rasta das Halbfinale erreicht. Am Sonntag wird die Überraschungsmannschaft der Saison ihren Höhenflug mit dem ersten Spiel der Serie beim deutschen Meister Bayern München fortsetzen. Allein dass sie dort antritt, ist ein großer Erfolg für die kleine Riesentruppe aus dem Norden.

          Im Tief zeigt sich dagegen der neunmalige Meister Brose Bamberg. Vor drei Monaten gewann die Mannschaft überraschend das Pokalfinale gegen Alba Berlin und erweckte den Eindruck, der Niedergang dieses traditionsreichen Teams sei beendet. Klubchef Michael Stoschek machte deutlich, dass dem nicht so ist, als er noch am Abend, an dem die Saison der Bamberger zu Ende war, den vermutlich dritten Neubeginn der vergangenen Jahre ausrief.

          Er kündigte den Rauswurf auch von Spielern an, die noch unter Vertrag stehen. Obendrein kritisierte er den einzigen Spieler seiner Mannschaft, der sich mit Herz und Hand der letzten Niederlage entgegengestemmt hatte. So gehe es halt nicht, folgerte der Eigner und Hauptsponsor des Klubs aus den 19 Punkten, den sechs Assists und den nur sechs Minuten Pause des im geschlagenen Team überragenden Tyrese Rice, dass alles von einzelnen Stars abhänge.Und dann lamentierte der Milliardär über die Personalpolitik, die finanziellen Schwierigkeiten und das sportliche Scheitern des Klubs, den er vor fünf Jahren übernommen hat.

          Der Klub braucht Teamplay, nicht Einzelakteure

          Es brauche eine junge, ausgewogene Mannschaft, in der jeder für jeden kämpfe, forderte Stoschek. Man kann ihm da nur von ganzem Herzen zustimmen, versteht man als Mannschaft den gesamten Klub. Seit Stoschek, Hauptaktionär und ehemaliger Vorstandsvorsitzender des Fahrzeug-Zulieferers Brose AG, im Bamberger Basketball vom Sponsor zum Aufsichtsratsvorsitzenden wurde, ist er der Star, von dem alles abhängt.

          Dass die Mannschaft im ersten Jahr seiner Regentschaft nicht zum vierten Mal hintereinander Meisterschaft und Pokal gewann, kostete Trainer Chris Fleming, viele Spieler und Manager Wolfgang Heyder ihre Jobs. Die folgende Ära unter Trainer Andrea Trinchieri, von einem Double, zwei weiteren Meisterschaften und einigen Höhenflügen in der Euroleague gekrönt, ging mit ausgebranntem Personal, Vorwürfen der Misswirtschaft und enttäuschenden Leistungen zu Ende. Mit Stoscheks Worten: Der Klub braucht Teamplay, nicht Einzelakteure.

          Vom Sponsor zum Aufsichtsratschef: Michael Stoschek muss Bamberg wieder auf Kurs bringen.
          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Ein Schatten seiner selbst

          Blamage für Tiger Woods : Ein Schatten seiner selbst

          Die katastrophale erste Runde erträgt Tiger Woods nur mit Selbstironie – dann folgt das Aus bei den British Open zur Halbzeit. Auch für den eigentlichen Favoriten wird das Turnier zum Desaster.

          Topmeldungen

          Der britische Öltanker Stena Impero wurde von den iranischen Revolutionsgarden beim Durchfahren der Straße von Hormuz beschlagnahmt.

          Nach Festsetzen von Tanker : Krise am Persischen Golf spitzt sich zu

          In der Straße von Hormus überschlagen sich die Ereignisse: Iran stoppt zwei britische Tanker, einer wird noch immer von Teheran festgehalten. Die Regierung in London droht mit Konsequenzen – und Washington schickt Verstärkung nach Saudi-Arabien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.