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Final-Sieg über Bayern : Bamberg bleibt die Basketballmacht

So sehen Meister aus: Bamberg holt den Titel im Finalduell mit den Bayern Bild: dpa

In einem dramatischen Spiel gewinnen die Oberfranken das Duell um die deutsche Meisterschaft gegen die Münchner mit 88:84. Es ist ein tristes Finale für die tapferen Bayern.

          3 Min.

          Sieben Meistertitel in elf Jahren – die Brose Baskets Bamberg bleiben trotz der Metropolenklubs aus Berlin und München die Basketballmacht im Lande. Mit einem 88:84-Sieg gegen Bayern München im fünften und finalen Play-off-Endspiel um die deutsche Meisterschaft holten sich die Oberfranken vor 6800 Zuschauern in heimischer Halle die kelchförmige Trophäe des Champions zurück, die sie nach vier Titeln in Serie vor einem Jahr an die Bayern hatten abgeben müssen und die gegenüber der bis 2010 verliehenen Schale den Vorteil hat, dass man aus ihr prickelnde Flüssigkeiten trinken kann – wovon in der brodelnden „Frankenhölle“ von Bamberg am späten Sonntagnachmittag reichlich Gebrauch gemacht wurde.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Auf die enttäuschende Vorsaison hatten die Bamberger mit personeller Neuausrichtung erfolgreich reagiert. Trainer Andrea Trinchieri ersetzte Chris Fleming, und um den amerikanischen Spielmacher Brad Wanamaker, den Trinchieri aus Italien kannte und nach Bamberg holte, entstand ein völlig neu aufgebautes Team. Fleming, inzwischen Bundestrainer, hatte vor der Partie prophezeit: „Die letzten paar Prozent Kampfgeist, die die Spieler noch im Tank haben, werden entscheiden.“

          Von Beginn der Partie an schienen die Bamberger den volleren Tank zu besitzen. Gleich zu Beginn blockte der lange Arm von Center-Riese Trevor Mbakwe den zum Korbleger durchgestürmten Bayern Nihad Djedovic in dreieinhalb Meter Höhe. Die spektakuläre Abwehraktion ließ die Halle erbeben. Die verunsicherten Münchner verwarfen ihre ersten vier Drei-Punkte-Versuche, beim letzten erreichte Micics Wurf nicht mal den Ring, ein „Airball“ dämpfte den Schwung. Die Bayern brauchten vier Minuten bis zu ihren ersten Punkten, es war das 2:9.

          Harter Kampf mit dem besseren Ende für Bamberg: Die Baskets besiegen die Bayern und sind Meister

          Entscheidend war, dass diesmal die Bamberger vor allem in Gestalt von Mbakwe die Überlegenheit unter dem Korb besaßen. Er stach den zuvor überragenden Bayern-Center John Bryant (16 Punkte), bester Werfer und Rebounder der ersten vier Finalspiele, aus. Auch die Rückkehr des im zweiten Finalspiel verletzten früheren Bambergers Anton Gavel gab den Bayern keine Hilfe.

          „Es ist eine Bauchmuskelverletzung, die bei jeder Bewegung weh tut. Aber er will unbedingt“, hatte Trainer Svetislav Pesic erklärt: „Mal gucken, ob es von den Schmerzen her geht. Wenn es mitten in der Saison wäre, wäre er sicherlich drei bis sechs Wochen draußen.“ Doch Gavel, einst in Bamberg ein Führungsspieler, blieb ohne Wirkung. Zur Pause führten die Bamberger 49:36, und Pesic wirkte an der Seitenlinie genauso matt wie seine Profis. Alles schon verloren?

          „Wir haben bisher so viele Probleme gemeistert“

          Die Bayern fanden noch einmal neue Energie, wie so oft in dieser Saison. „Wir sind zusammengerückt und haben bisher so viele Probleme gemeistert, von denen die Leute gar nichts wissen“, hatte Bayern-Kapitän Bryce Taylor (11) erklärt, nachdem in der Woche vor dem finalen Match gleich zwei Mitspieler, Dusko Savanovic und Jan Jagla (2), durch die Nachricht vom Tod ihrer Väter erschüttert worden waren. Als Zeichen ihres bewundernswerten Kampfgeistes griffen die Bayern nach der Pause die letzte Reserve an und zeigten zunehmend wieder die kraftraubende, extrem intensive Abwehrarbeit, mit der sie im vierten Spiel den Ausgleich zum 2:2 geschafft hatten.

          Dieses Mal durfte auch NBA-Spieler Dennis Schröder zuschauen

          Der Rückstand schrumpfte so von zwischenzeitlich 18 auf drei Punkte – in der letzten Minute. Plötzlich schienen die Meisterschaft für die Münchener doch wieder in Griffweite, ihre Dreier-Versuche trafen, die Trainer gestikulierten wild, das Bamberger Publikum bangte. Doch vor allem dank der Athletik des überragenden Mbakwe, der auf 20 Punkte und 13 Rebounds kam, und dank der Nervenstärke seines amerikanischen Landsmanns Dawan Robinson (6), der 4,7 Sekunden vor Ende die entscheidenden beiden Freiwürfe zum 88:84 verwandelte, hielten die wankenden Bamberger die Bayern so gerade noch auf Abstand.

          Indirekt war das dramatische Duell wahrscheinlich auch ein Entscheidungsspiel für einen Platz in der Euroleague. Denn nur der Meister ist automatisch für die Topklasse des europäischen Basketballs qualifiziert. Über den zweiten deutschen Startplatz entscheidet die Euroleague weniger nach sportlichen als nach Vermarktungskriterien.

          In dieser Hinsicht spricht vieles dafür, dass Alba Berlin den Vorzug vor den Bayern bekommen dürfte, an denen Alba im Halbfinale knapp gescheitert war. Die Berliner haben das größere Einzugsgebiet, die größere Halle, und dazu findet in Berlin das Finalturnier 2016 der Euroleague statt. Ein tristes Finale für die tapferen Bayern: Am Ende lief in der Bamberger Halle zur Feier der Sieger auch noch der Oktoberfest-Hit „Ein Stern, der deinen Namen trägt“.

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