https://www.faz.net/-gtl-7a07g

Bamberg Basketball-Meister : Bis zum Bersten der Nerven

Der Bamberger Karsten Tadda auf Trophäen-Jagd Bild: dpa

Die Brose Baskets Bamberg holen in der Basketball-Bundesliga ihren vierten Meistertitel nacheinander. Die Franken setzen sich mit 91:88 nach Verlängerung gegen Oldenburg durch und gewinnen die Finalserie mit 3:0.

          2 Min.

          Wie sie sich freuten. Anton Gavel feuerte in der letzten Sekunde aus dem Dribbling heraus den Ball auf die Tribüne, riss die Arme hoch. Da sprinteten alle Mitspieler, ob auf dem Feld oder von der Bank, durch die Stechert-Arena, fanden sich zu wilden Knäueln zusammen, trennten sich, sprangen wieder zusammen. Ihre Fans, etwa 6000 in der vollbesetzten, vor Spannung erhitzten Halle, brüllten sich die Anspannung aus dem Leib. Bamberg hat es wieder geschafft, zum vierten Mal in Serie sind die Basketballprofis nun Bundesligameister. Am Sonntag schlugen sie die EWE Baskets Oldenburg 91:88, sie gewannen die Serie „best of five“ mit nur drei Spielen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          3:0, Bamberg dominant, alles wie gehabt? Diesmal nicht. Die Begeisterung über den eigenen Erfolg hing mit dem Gegner zusammen. Mit der Hartnäckigkeit, einem ähnlichen Spielstil, mit einem Finale, das zwar keine Basketballfeinkost bot, aber von der ersten bis zur letzten Minute von hervorragender Verteidigung geprägt wurde und deshalb Spannung bis zum Bersten der Nerven bot. Oldenburg spielte auf Augenhöhe. Woran das zu sehen war? An der tiefen Enttäuschung am Sonntag in Bamberg, an den zusammengesackten Körpern der Athleten, muskulöse Männer, Typen mit Herz, Gegnern, die dem alten und neuen Meister alles abforderten und doch mit gesenktem Haupt den Trostpreis vor der Siegerehrung entgegennahmen. Sie wussten, dass sie nah dran waren.

          Verlieren tut weh, besonders, wenn es so knapp ausgeht. Im ersten Finale hatten die Oldenburger 63:65 verloren, im zweiten, trotz einer 19-Punkte-Führung, 61:63. Immer fehlten nur drei Punkte zum Sieg, im dritten nur eine Sekunde, just, als der Wurf des Bambergers Casey Jacobsen (15 Punkte) auf den Ring fiel beim Stand von 74:72 für Oldenburg. Eigentlich ist das eine sichere Sache für die verteidigenden Center, so ein Rebound unter dem eigenen Korb. Oldenburg hatte im zweiten Finale das „Brett beherrscht“. So sehr, dass Bambergs Trainer Chris Fleming seine Profis an die Grundbegriffe erinnert hatte vor dem dritten Treffen. Und siehe da, diesmal packten die Bamberger zu (40:30). Und ein offensiver Rebound hielt sie im Spiel. Maik Zirbes (14) wuchtete den Ball per Dunk durch den Ring, 0,9 Sekunden vor dem Ende der ersten vierzig Spielminuten: 74:74, Verlängerung.

          Crunch-Time: Bamberg setzt sich durch

          Wenn sie doch in allen Begegnungen im Verlängerungsmodus gespielt hätten. So konzentriert, so treffsicher, so risikofreudig. Neben Zirbes zeigte Bostjan Nachbar, der ehemalige NBA-Spieler, warum er so lange in Übersee sein Geld verdiente. 20 Punkte, mehr Erfolg hatte niemand. Bamberg gab erstmals den Takt vor, führte zwei Minuten vor dem Ende mit sieben Punkten und musste doch noch einmal tief durchatmen, als Dru Joyce (16) Oldenburg auf drei Punkte (85:88) heranbrachte, 25 Sekunden vor dem Ende. Es reichte wieder nicht. Weil schließlich einer der „Alten“ im Bamberger Team, Jacobsen, sein Sieger-Gen herauskehrte. Die Franken haben Champions im Team, die wissen, wie man Meister wird. Anton Gavel, am Sonntag mit vier Punkten im Angriff unter Niveau, wurde trotz dieser Schwäche zu Recht zum wertvollsten Spieler der Play-off-Runden gewählt. Keiner in der Liga weiß mit seinem klugen, meist fast fehlerfreien Spiel, ein Team so in Schwung zu halten und ihm in der Verteidigung den Rücken zu stärken.

          „Die sogenannten Experten“, sagte Gavel, „haben geglaubt, wir seien fertig. Und? Jetzt sind wir wieder Meister.“ Das wird nagen an den Oldenburgern. Denn so verwundbar wie in diesen Play-off-Spielen war Bamberg lange nicht mehr. Immerhin hatte Oldenburg am Sonntag einen kleinen Sieger zu bieten. Chris Kramer traf mit sieben von acht Würfen, erzielte 16 Punkte, holte zehn Rebounds. Er war der Beste des Tages. Und zog traurig davon.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Mann schwenkt eine türkische Nationalflagge und feiert die Übernahme einer syrischen Provinz durch das türkische Militär.

          Brief aus Istanbul : Wie die Militäroffensive Erdogan innenpolitisch nützt

          Präsident Erdogan führt in Syrien einen Feldzug gegen die Kurden. Kritik aus dem Ausland und Sanktionen nimmt er in Kauf. Um seine Macht zu erhalten, muss er die öffentliche Wahrnehmung in der Türkei verbiegen. Wie lange hält das vor?
          Einschusslöcher an der Tür der Synagoge in Halle zeugen von dem Versuch von Stephan B., sich gewaltsam Zugang zu verschaffen.

          Nach Anschlag in Halle : Zwei junge Männer aus Mönchengladbach im Visier

          Zwei Männer, 26 und 28 Jahre alt, sollen das „Manifest“ des Rechtsextremisten Stephan B. kurz nach dem Terroranschlag im Internet verbreitet haben. Gegen sie wird nun wegen des Verdachts der Volksverhetzung ermittelt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.