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Ballsportarten : Alte Rechnungen, ein unnötiger Notfallplan und der Traum vom Coup

  • -Aktualisiert am

Christian Zeitz besitzt eine bemerkenswerte Wurftechnik Bild: dpa/dpaweb

Die deutschen Handballspieler träumen von einer Revanche, die Hockeydamen von einer Überraschung und die Wasserballspieler von der Wiederholung einer Sternstunde.

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          Geblufft, geschont oder geschwächelt? Die bisherigen Spiele der deutschen Handball-Nationalmannschaft der Herren lassen vor dem Viertelfinale gegen Spanien jede Interpretation zu. Gegen Griechenland, Ägypten und Brasilien gab es wie erwartet ungefährdete Siege, gegen die höchstens zur erweiterten Weltspitze zählenden Ungarn ein überraschendes 29:30 und gegen den ehemaligen Weltmeister Frankreich mit dem 22:27 eine weitere Niederlage. "Deutschland ist stark, vielleicht sehen wir uns noch einmal in diesem Turnier", sagte der französische Trainer Onesta trotzdem. Immerhin können die Deutschen nun in Athen noch einige alte Rechnungen begleichen. Gegen Spanien unterlagen sie vor vier Jahren im Viertelfinale, und vor allem Stefan Kretzschmar wird hoch motiviert in diese Neuauflage gehen. In Sydney warf er in letzter Minute an die Latte, im Gegenzug erzielten die Spanier das entscheidende Tor.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          "Auf dieses Spiel habe ich lange gewartet", sagt der Magdeburger. Im Erfolgsfall könnte Deutschland im Halbfinale auf Kroatien treffen, das der Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand vor zwei Jahren im Finale von Portugal den WM-Titel wegschnappte. Verzichten muß Brand gegen Spanien auf den Hamburger Rückraumspieler Pascal Hens, dessen Einsatz wegen seiner Rückenverletzung aus der Begegnung gegen Ungarn weiterhin nicht möglich ist. Gegen Frankreich war Brand bis auf die letzte Viertelstunde mit seiner Mannschaft zufrieden, die dann aber nicht mehr alles investierte, um diese Partie unbedingt zu gewinnen. "Das Turnier geht erst im Viertelfinale los", hatte Daniel Stephan schon vor dem Abflug nach Athen gesagt, nun ist es soweit. Hoffentlich ist es danach nicht auch schon beendet. pep.

          Was ist in der Wundertüte?

          Joachim Hürter verlebte aus guten Gründen einen vergnügten Sonntagabend im Deutschen Haus. Nach dem 3:2 über Südkorea und der Niederlage Australiens gegen die Niederlande stehen die deutschen Hockeydamen nicht nur überraschend im Halbfinale gegen China. Sie haben sich damit auch die weitere Zugehörigkeit in der Förderstufe eins gesichert, wofür mindestens Rang fünf nötig gewesen wäre. Wichtig für den Schatzmeister des Deutschen Hockey-Bundes, denn damit ist jährlich ein sechsstelliger Eurobetrag verbunden. Hürter, Silbermedaillengewinner von 1984, hatte schon einen Notfallplan in der Tasche, "aber diese Schublade kann jetzt geschlossen bleiben".

          Marion Rodewald feiert mit den deutschen Hockey-Damen den Sieg gegen Südkorea

          Keinen Gegner kennt die deutsche Mannschaft im übrigen besser als China, denn in der Vorbereitung auf diese Olympischen Spiele trafen die beiden Teams achtmal aufeinander. Die Bilanz ist bei einem Sieg, einer Niederlage und sechs Remis total ausgeglichen, was Bundestrainer Markus Weise allerdings auch Sorgen macht. "Wenn die Mädels auf einen Gegner treffen, gegen den sie sich etwas ausrechnen können, kommt meistens nichts dabei heraus." Diese Unberechenbarkeit hat dem Team den Ruf einer Wundertüte eingebracht.

          Selbst Weise ist gescheitert beim Versuch, "die Logik dieser Mannschaft verstehen zu wollen". Sein südkoreanischer Kollege Sang Ryul Kim gab in Athen deshalb sogar auf. Vor vier Jahren hatte er mit den Herren die Silbermedaille gewonnen und war danach zu den Damen abkommandiert worden. Damit, sagte er, sei nun Schluß. "Frauen machen alles in der Vorbereitung, was du verlangst. Aber beim kleinsten Problem auf dem Platz bricht alles wie ein Kartenhaus zusammen. Das gibt es bei den Männern nicht. Frauen zu trainieren, das ist eine schwierige Angelegenheit."

          Rückkehr zu den Großen

          Hagen Stamm weiß, wie sich das anfühlt: bei Olympischen Spielen auf dem Treppchen zu stehen. Der frühere Weltklassecenter und heutige Bundestrainer war dabei, als die deutsche Wasserball-Nationalmannschaft 1984 in Los Angeles Bronze gewann. Es war bis heute die letzte Sternstunde der Wasserballer, und Stamm galt seitdem als Kronzeuge für die Sinkbewegung dieser Sportart in Deutschland. Doch seit Montag vormittag dürfen Stamm und seine Spieler wieder vom großen Wurf träumen. Das 6:6 gegen Australien im letzten Vorrundenspiel der Deutschen beseitigte die letzten Zweifel daran, daß sie endgültig zurück sind im Kreis der Großen. 61 Sekunden vor dem Spielende gelang Heiko Nossek der erlösende Ausgleich.

          Sie hatten sich einen Platz unter den besten acht vorgenommen, doch nach den Siegen über Griechenland, Spanien und Ägypten und einer Niederlage gegen Italien gehört das deutsche Team zu den besten sechs und greift nach einer Medaille. Der Modus sieht vor, daß die jeweiligen Sieger der beiden Gruppen automatisch für das Halbfinale qualifiziert sind; die Zweiten und Dritten jeder Gruppe spielen über Kreuz die beiden anderen Teilnehmer der Vorschlußrunde aus. Die Deutschen treffen an diesem Mittwoch auf Rußland oder Serbien und Montenegro. Daß sie mit dem Remis gegen Australien sogar die Chance auf den Gruppensieg vergaben, auch das konnte die Angriffslust der Wasserballer nicht bremsen. "Das ist eine Sensation, ein Riesending", sagte Kapitän Patrick Weissinger. Torjäger Marc Politze rief das Ende der Bescheidenheit aus: "Jetzt wollen wir den ganz großen Coup landen."

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