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Badminton-Star Lee : Der Unvollendete

  • -Aktualisiert am

Nächster Rückschlag: Auch der vierte Anlauf reicht Lee Chong Wei nicht zum WM-Titel Bild: dpa

Die Karriere von Badminton-Star Lee Chong Wei hing schon am seidenen Faden. Nach einer Dopingsperre kämpfte er bei der Weltmeisterschaft in Indonesien gegen seinen ganz eigenen Fluch an – und scheiterte wieder.

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          Lee Chong Wei ist ein bemerkenswerter Badmintonspieler, doch seine Karriere hing vor nicht allzu langer Zeit am seidenen Faden. Der 33-jährige Malaysier war bei der Weltmeisterschaft 2013 des Dopings überführt worden. Man hatte Spuren von Dexamethason in seinem Körper gefunden. Nach einer langen Untersuchung des Falls durch die Badminton World Federation (BWF) wurde der langjährige Weltranglistenerste rückwirkend für acht Monate gesperrt.

          Seit Mai darf Lee wieder an Turnieren teilnehmen. „Wenn die Sperre länger gewesen wäre, wäre ich zurückgetreten“, sagte Lee. Denn dann hätte er keine Chance mehr gehabt, sich für die Olympischen Spiele 2016 in Rio zu qualifizieren - und da hat er nach zwei Silbermedaillen noch eine Rechnung offen.

          „Ich habe alles versucht“

          Am Sonntag hatte Lee Chong Wei in der indonesischen Stadt Jakarta zunächst einmal seinen ersten WM-Titel holen wollen - nach drei erfolglosen Finalteilnahmen in den vergangenen Jahren. In einer Neuauflage des Endspiels von 2014 unterlag er jedoch wieder dem Chinesen Chen Long 14:21, 17:21. „Ich habe alles versucht, auch mehrfach meine Taktik umgestellt, leider musste ich immer einem Rückstand hinterherlaufen“, sagte der Malaysier nach dem Spiel, bei dem er vom frenetischen Publikum in der altehrwürdigen Halle Istora Senayan lautstark unterstützt wurde.

          Lee ist so etwas wie der tragische Held des Badmintonsports. Mehr als 40 Super Series-Turniere, die höchstdotierten Veranstaltungen weltweit, hat er größtenteils mehrfach gewonnen - allein die Malaysia Open zehnmal. Doch bei den ganz großen Turnieren hat ihm immer ein Chinese den Titel weggeschnappt - auch durch gelegentliches Nervenflattern des Malaysiers. Zweimal verlor er das olympische Finale, 2008 und 2012 jeweils gegen die Badminton-Legende Lin Dan, der schon längst als erfolgreichster Spieler aller Zeiten gilt. Dann kam auch noch der Doping-Fall; Lee beteuerte jedoch seine Unschuld. Letztlich wurde der positive Test auf verunreinigte Cortyceps-Pillen zurückgeführt, die der Malaysier seit Jugendjahren täglich zu sich nimmt.

          Der Zweitplazierte Lee (l.) neben dem neuen Weltmeister Chen Long aus China

          Einen WM-Titel wird er vermutlich nicht mehr holen, trotz seiner Klasse. „Es gibt keinen Spieler, der derart schnell auf dem Feld ist“, sagte Europameister Jan O. Jörgensen, der in Jakarta im Halbfinale gegen Lee Chong Wei antreten musste und 7:21, 19:21 unterlag. Auch der achtmalige deutsche Meister Marc Zwiebler bekam bei der WM die Dominanz des Malaysiers zu spüren. Allerdings schaffte es der 31-Jährige, dem Asiaten erstmals in seiner Karriere einen Satz abzunehmen. Der Deutsche verlor 14:21, 17:21, 21:8. „Wenn er das nötige Selbstvertrauen hat, dann ist er der beste Spieler der Welt“, sagt Zwiebler, der mit dem Malaysier gut befreundet ist und sehr oft mit ihm zusammen trainiert hat. „Er ist wahnsinnig diszipliniert, da kann ich mir immer noch etwas abgucken“, sagt der deutsche Meister, der in der Weltrangliste an Position 14 geführt wird.

          Lee ist ein durchtrainierter Athlet mit einer unbändigen Dynamik auf dem Spielfeld, fünf Jahre lang hat er die Weltrangliste ununterbrochen angeführt. Die Nerven aber haben Lee Chong Wei gelegentlich im Stich gelassen. Und die vielen Super-Series-Turniere haben ihn möglicherweise mürbe gemacht. Der Malaysier sei ein Typ, der nicht nein sagen könne, so Zwiebler, der für den 1. BC Bischmisheim spielt. „Wenn ich den fragen würde, ob er nicht in der Bundesliga mitspielen möchte, was natürlich Quatsch ist, dann würde er auch darüber noch nachdenken.“

          Für Lee Chong Wei gibt es jetzt nur noch die Mission Gold bei Olympia in Brasilien. In der Weltrangliste wird er nach dem WM-Finale weiter nach oben rutschen, so dass er bei den nächsten Super-Series-Turnieren wieder in die Setzliste aufgenommen wird. Bei der Weltmeisterschaft in Jakarta war er als Folge seines Doping-Vergehens nicht nur ungesetzt ins Turnier gegangen, sondern war ursprünglich nicht einmal qualifiziert. Nur durch die Streichung eines qualifizierten Landsmannes durch den nationalen Verband konnte der Malaysier teilnehmen. Wirklich eine ungewöhnliche Laufbahn.

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