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Badminton : Das asiatische Abenteuer

  • -Aktualisiert am

Von wegen federleicht: Marc Zwiebler muss sich strecken, um voranzukommen Bild: dpa

Der deutsche Badmintonprofi Marc Zwiebler will einen neuen Karrieresprung machen – fern der Heimat. Er trainiert mit dem Weltranglistenersten und malaysischem Volksheld Lee Chong Wei.

          So eine Einladung bekommt man nicht jeden Tag, schon gar nicht als deutscher Badmintonprofi. Vor kurzem wurde Marc Zwiebler vom langjährigen Weltranglistenersten Lee Chong Wei aus Malaysia gefragt, ob er nicht eine Weile mit ihm mittrainieren möchte. „Wir verstehen uns gut, verbringen bei Turnieren auch schon mal Zeit außerhalb der Halle miteinander“, sagt der 29 Jahre alte Deutsche.

          Als Zwiebler Anfang Januar zunächst nach Korea und kurz drauf zum Super-Series-Turnier nach Malaysia reiste, schloss sich für ihn eine zweiwöchige Trainingsphase in Kuala Lumpur an. Zwiebler wohnte in der Nähe des Trainingszentrums. „Lee hat mich jeden Tag abgeholt.“ Lee Chong Wei ist in dem südostasiatischen Land ein Volksheld, zweimal gewann er bei Olympischen Spielen die Silbermedaille. „Die Intensität im Training ist ähnlich wie bei uns in Saarbrücken am Olympiastützpunkt, aber die Trainingspartner spielen ein höheres Niveau“, sagt Zwiebler über die Zusammenarbeit mit den malaiischen Topspielern.

          „Das ist eine einmalige Chance für mich“

          Mittlerweile ist Zwiebler in Indonesien, wo er bei der nun beginnenden Super-Liga in einem Team mit Branchenprimus Lee Chong Wei spielt. „Das ist eine einmalige Chance für mich“, sagt der Europameister. Dass der gebürtige Bonner dennoch einige schlaflose Nächte hatte, bevor er sich zu dem Abenteuer entschloss, liegt an der Tatsache, dass er nicht nur drei Bundesligaspiele für den 1. BC Beuel, sondern auch die deutschen Meisterschaften in Bielefeld sausen lassen muss. In Bielefeld hätte Zwiebler am vergangenen Wochenende den achten Titel gewinnen und damit einen Uralt-Rekord einstellen können.

          Aber auch so ist Zwiebler mittlerweile der erfolgreichste Spieler, den der Deutsche Badminton Verband (DBV) je hervorgebracht hat. Zweimal erreichte der derzeitige Weltranglistenelfte bei den Olympischen Spielen das Achtelfinale. Bei den prestigeträchtigen All England stand er schon im Halbfinale. Zweimal war er bei einem Super-Series-Turnier, der höchsten Turnierserie des Weltverbandes, in einem Endspiel – zuletzt im Juni bei den Indonesia Open, wo er gegen Lee Chong Wei passen musste.

          Nur wenige Prozent Unterschied

          „Marc ist in einer Phase seiner Karriere, wo er noch einmal etwas ausprobieren kann, um weiter voranzukommen“, sagt Chef-Bundestrainer Holger Hasse. Er habe Zwiebler daher bei seinem Vorhaben unterstützt. „Einem jüngeren Spieler hätte ich das sicher nicht zugestanden.“ In der Weltspitze seien es nur wenige Prozent des Leistungsniveaus, die den Unterschied zwischen den Spielern ausmachen würden. Der DBV hofft, dass das Ausnahmetalent in den kommenden zweieinhalb Jahren noch zulegt, um bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro vielleicht sogar die erste Medaille für den Verband zu gewinnen.

          Kurzfristig soll Zwiebler schon Mitte Februar bei den Mannschafts-Europameisterschaften dazu beitragen, Dänemark als Spitzennation im Badminton anzugreifen, wie Hasse das Ziel formuliert. „Marc macht uns allen vor, dass man es als deutscher Spieler bis in die Weltspitze schaffen kann“, sagt Lukas Schmidt, der in Bielefeld seinen ersten Titel bei den deutschen Meisterschaften gewann, 2011 und 2013 unterlag er jeweils im Endspiel gegen Trainingspartner Zwiebler. „Marc ist ein Vorbild“, sagt er.

          Die Konstanz fehle noch

          „Er schafft es, in allen Wettkämpfen mindestens 90 Prozent seines Leistungsniveaus abzurufen. Diese Konstanz fehlt mir noch“, so der gebürtige Regensburger. Dass der DBV auch weitere Talente hervorbringt, zeigte sich in Bielefeld. Bei den Herren, wo es so spannend zuging wie seit Jahren nicht, war der 18-jährige Fabian Roth vom Bundesligaklub TV Refrath im Viertelfinale nur zwei Punkte von einem Sieg gegen den neuen deutschen Meister Schmidt entfernt.

          Roth gewann 2013 die Jugend-EM und gilt als ähnlich begabt wie Zwiebler. Bei den Damen schaffte es die erst 15 Jahre alte Ivonne Li vom Hamburger SV sogar bis ins Halbfinale, wo sie der neuen deutschen Meisterin Karin Schnaase (Union Lüdinghausen) 17:21, 19:21 unterlag.

          „Ich kann mich nicht beschweren“

          „Wir versuchen als Verband, einen immer früheren Zugriff auf die talentierten Spieler zu bekommen“, sagt Chef-Bundestrainer Hasse. Beim Verband ist man stolz auf das Fördersystem, das Weltklasseleistungen möglich macht und den Anschluss an die führende europäische Nation Dänemark ermöglichte. Neben Zwiebler gelang dies auch Juliane Schenk, die Mitte des vergangenen Jahres zeitweise Nummer zwei der Weltrangliste war.

          Sie und der Verband gehen nach einigen Querelen mittlerweile allerdings getrennte Wege. Für Zwiebler ist Badminton inzwischen auch eine lukrative Einnahmequelle geworden. „Ich kann mich nicht beschweren.“ Er habe zwar nicht für alle Zeiten ausgesorgt, sagt der Bonner. Es sei aber schwer, einen Job zu finden, in dem er derart gut verdienen könne wie derzeit als Badminton-Profi. Schon im vergangenen Jahr hatte Zwiebler in Indien an Ligaspielen teilgenommen – dort wurde eine Million Dollar ausgeschüttet.

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