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Australian Open : Scharapowas neue Welt

Maria Scharapowa: von wegen verwöhntes Luxuskind Bild: dpa

Die russische Tennisspielerin hat ihr Spiel auf eine neue Ebene gehoben. Sie will die Nummer eins werden. In Melbourne bekam das die Weltranglistenerste Justin Henin zu spüren. Beim 4:6, 0:6 war sie chancenlos.

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          Manchmal, wenn von Maria Scharapowa die Rede ist, findet sich ein Querverweis auf Anna Kurnikowa. Ihre nicht mehr aktive russische Landsfrau hatte einst das Damentennis ziemlich verändert - weniger auf dem Platz, aber umso durchschlagender außerhalb des Rechtecks. Mit ihrem Aussehen eröffnete sich Anna Kurnikowa nämlich Einnahmequellen, die in keinem Verhältnis zu ihrem Rang als Tennisspielerin standen, und alsbald war sie viel berühmter für das, was sie außerhalb des Tennisplatzes tat. Dann trat Anna, die Schöne, die nie ein Turnier gewonnen hatte, ab - und kurz danach betrat Maria Scharapowa die Bühne.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Man muss zugeben, dass Maria Scharapowa in gewisser Weise von ihrer „Vorgängerin“ profitiert hat. Die Glamourwelt und der Boulevard brauchte eine Nachfolgerin als attraktives Gesicht dieses Sports. Die junge Dame aus Russland, aufgewachsen in Florida, war wie geschaffen dafür - sie war groß (mittlerweile 1,88 Meter) und attraktiv. Noch bevor sie großen Erfolg als Sportlerin hatte, waren auch ihre Werbeeinnahmen beträchtlich. Dann aber stellte sich der große Unterschied heraus: Anna Kurnikowa sah aus wie ein Model, das zufällig Tennis spielte. Maria Scharapowa ist eine Tennisspielerin, die zufällig wie ein Model aussieht.

          Sie will an die Spitze der Weltrangliste

          In Melbourne kommt in diesen Tagen die Vermutung auf, dass die erst 20 Jahre alte Russin mit ihrer zuletzt häufig geäußerten Prognose Recht behält. „Ich bin noch jung, es dauert noch zwei, drei Jahre, bis ich auf dem Höhepunkt bin.“ Das klang keck, wenn man bedenkt, dass sie schon in Wimbledon (2004) und bei den US Open (2006) triumphiert hat und im August 2005 an der Spitze der Weltrangliste stand. Doch im vergangenen Jahr war sie nach für ihre Ansprüche mäßigen Leistungen - auch verletzungsbedingt - auf den fünften Platz der Weltrangliste abgerutscht.

          Keine Maulheldin: Scharapowa will die 1 werden - und hat das Zeug dazu

          Finanziell war das leicht zu verkraften, weil ihre Werbeeinnahmen auf 20 bis 30 Millionen Dollar taxiert werden. Davon könnte man bequem leben, selbst als verwöhntes Luxuskind, das gewohnt ist, alles zu bekommen, was es haben will. Maria Schwarapowa aber will offenbar eins: Wieder ganz an die Spitze der Weltrangliste, wieder Grand-Slam-Titel gewinnen. Das bedeutet aber extrem harte Arbeit, und wie sehr sich die Russin in der Vorbereitung auf dieser Saison geschunden haben muss, bekam am Dienstag Justine Henin im Viertelfinale zu spüren.

          Henin muss vom Preisgeld leben

          Die Belgierin ist die unangefochtene Nummer eins der Welt, die eher vom Preisgeld leben muss, weil ihre Werbeeinnahmen nicht so sprudeln. Ihre exponierte Stellung verdankt sie der Tatsache, dass sie selten verliert. Nach Melbourne war sie mit der Bilanz von 69:4 Siegen gekommen, was an die Tage der Überlegenheit von Steffi Graf erinnerte. Justine Henin hat außer Wimbledon schon alle Grand-Slam-Turniere gewonnen - und als sie ausgerechnet im London im vergangenen Jahr überraschend im Halbfinale an der Außenseiterin Marion Bartoli gescheitert war, hätte das einen Knacks in der Karriere geben können.

          Stattdessen aber hatte die Belgierin die nächsten 32 Spiele gewonnen, eingeschlossen die US Open und vor allem das Endspiel im Championships-Finale der besten acht Spielerinnen am Ende der vergangenen Saison. Dort kämpfte sie Maria Scharapowa 5:7, 7:5 und 6:3 nach mehr 3:24 Stunden Spielzeit in einer mitreißenden Partie nieder. 15.500 Zuschauer in der ausverkauften Rod-Laver-Arena erwarteten nun wieder eine derartige Schlacht - und sahen statt dessen eine vollkommen einseitige Angelegenheit.

          „Ich war in meiner eigenen Welt“

          Die Weltranglistenerste verlor 4:6 und 0:6, und das letzte Mal, dass Justine Henin einen Satz zu null abgegeben hatte, ist schon ein paar Tage her: 2002 in Montreal gegen Jennifer Capriati. Sechs Jahre später war sie chancenlos gegen eine Maria Scharapowa, die tatsächlich ihr Spiel auf eine neue Ebene gehoben hat. Sie schlug nicht mehr unter ständigen Gequieke mit aller Kraft auf den Ball, als habe der ihr persönlich etwas getan, sondern bewies strategische Fähigkeiten und streute die im Damentennis immer noch selten gesehenen Stoppbälle ein und rückte ans Netz vor.

          „Ich hatte heute das Gefühl, dass nichts schief gehen könnte. Ich war in meiner eigenen Welt“, sagte die Russin danach. Wenn man ihren Vater und Trainer Juri, der gerne auch mal im militärischen Tarnlook, die Augen auch in der Night Session hinter einer dunklen Sonnenbrille versteckt, so beobachtet, möchte man diese Welt besser gar nicht erst kennenlernen.

          „Dann wird es immer genug Käse geben“

          Merkwürdig genug aber sind die meisten Geschichten, die sich um die Hauptdarstellerinnen im Damentennis ranken. Im Halbfinale trifft Maria Scharapowa so auf die direkt vor ihr in der Weltrangliste plazierte Serbin Jelena Jankovic, die nach ihrem überraschenden 6:3 und 6:4 über Titelverteidigerin Serena Williams zwar über alle denkbaren Schmerzen klagte, trotzdem aber zu ihrem Doppel-Achtelfinale antrat (und es gewann).

          Und die ungewöhnlich passive Serena Williams, die wie immer vorher keine Gegnerin außer ihrer Schwester Venus gefürchtet hatte, wird Trost in ihrem Lieblingsbuch finden. Seit sie den Beststeller von Spencer Johnson „Who moved my cheese“ gelesen habe, sei sie ein anderer Mensch, hatte sie zuletzt mitgeteilt. In der Parabel geht es um zwei Mäuse und ein Zwergenpaar, die in einem Labyrinth leben, als eines Tages das Wichtigste in ihrem Leben, der Käse, verschwindet. Man dürfe vor Veränderungen keine Angst haben, schrieb Serena Williams in ihrem Internet-Tagebuch, „dann wird es immer genug Käse geben“. Am Dienstag spielte sie davon eine ganze Menge zusammen.

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