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Australian Open : Roddick ist das erste prominente Opfer - Hitzefrei für Haas und Kiefer

  • -Aktualisiert am

Mit Andy Roddick ist der erste Favorit gescheitert Bild: AP

Mit dem Weltranglistendritten Andy Roddick ist im Achtelfinale der Australian Open der erste Topspieler ausgeschieden. Der Amerikaner verlor gegen Marcos Baghdatis aus Zypern. Haas und Kiefer konnten sich in der Gluthitze von Melbourne schonen.

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          Andy Roddick hat sich nach seinem Match als erstes die Statistik angeschaut. Was er sah, überraschte nicht nur ihn. Er hatte zwar einen Punkt mehr gewonnen (117:116) als Marcos Baghdatis, aber trotzdem sein Achtelfinal-Match gegen den Zyprioten 4:6, 6:1, 3:6 und 3:6 nach 2:32 Stunden verloren.

          „Wahrscheinlich hätte ich heute gegen fast alle anderen Spieler gewonnen. Wenn man acht Gewinnschläge mehr anbringt, als einem leichte Fehler unterlaufen, dann kann man kaum verlieren“, sagte Roddick, der es auf eine Quote von 39:31 Gewinnschlägen zu vermeidbaren Fehlern gebracht hatte. „Aber was soll man gegen einen Mann machen, der hier ein Plus von 32 ausweist?“ Wenn der Amerikaner genau mitgezählt hätte, dann wäre ihm in der Winner-Fehler-Bilanz des Außenseiters sogar ein Plus von 37 (63:26) aufgefallen - und deshalb sagte der Weltranglistendritte: „Ich muß seine Leistung anerkennen.“ Soll wohl heißen: Er hat verdient gewonnen.

          „Da liege ich mit meiner Freundin im Bett“

          Der von seinen griechischen Fans umjubelte Baghdatis, in der Weltrangliste nur auf Platz 54 eingereiht, schwärmte hinterher vom besten Spiel seiner ganzen Laufbahn: „Ich war da draußen in meiner eigenen Welt.“ Unter dem wegen der Hitze geschlossenen Dach der Rod Laver Arena beherrschte er den Aufschlag-Weltrekordhalter nicht nur von der Grundlinie aus, sondern auch mit seinem Service. Denn wer hätte es schon für möglich gehalten, daß der Außenseiter von dem griechischen Teil der Mittelmeerinsel ein As mehr schlägt als der Haudrauf aus Texas, nämlich 16:15. „Der Return und mein Aufschlag waren der Schlüssel zum Sieg“, sagte Baghdatis. In seinem kleinen Land mit gerade mal 2.500 Tennisspielern in nur sieben Klubs wurde das Spiel live übertragen - und Baghdatis behauptete, die gesamte griechische Inselbevölkerung habe zugesehen.

          Mit Andy Roddick ist der erste Favorit gescheitert Bilderstrecke
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          „Die Leute waren auf der Straße, haben anschließend rund um die Springbrunnen gefeiert. Ich wäre gerne dabeigewesen.“ Aber die Gabe der Allgegenwart verleiht ihm selbst der bisher größte Triumph seiner Karriere nicht. Zumal Baghdatis ja am Dienstag wieder in Melbourne gebraucht wird. Das Match seines nächsten Gegners (Ivan Ljubicic besiegt Thomas Johansson, dem Australian-Open-Sieger von 2002) im zweiten Match der Abendveranstaltung wollte er sich nicht anschauen: „Da liege ich mit meiner Freundin im Bett.“

          Haas flieht vor der Gluthitze

          Thomas Haas ist dagegen ein richtiger Tennisfan. Er sieht sich, wann immer es geht, die Matches der Kollegen an. Am Sonntag wird der Deutsche, der gegen Peter Luczak 4:6, 6:3, 6:4, 6:4 gewonnen hat, den Coup von Baghdatis per Television miterlebt haben. Was sollte man auch in der Gluthitze bei Temperaturen von über 40 Grad anderes tun, als es sich im klimatisierten Hotelzimmer gemütlich zu machen? Haas spielt im zweiten Match der „Night Session“ an diesem Montag im Melbourne Park abermals im Achtelfinale gegen Roger Federer (Beginn nicht vor 11 Uhr deutscher Zeit).

          Von dem Achtelfinal-Duell aus dem Jahre 2002 hat der Schweizer nur noch einen Schlag im Gedächtnis: „Ich kann mich nur an meinen vergebenen Matchball erinnern.“ Beim Stand von 5:6 im fünften Satz stand es gegen den aufschlagenden Haas 30:40. Der Deutsche beschränkte sich in dieser entscheidenden Phase der hochklassigen Partie darauf, den Ball im Spiel zu halten, und der zu passiv agierende Schweizer säbelte schließlich einen Rückhand-Slice ins Netz. Haas zog nach einem 7:6 (7:3), 4:6, 3:6, 6:4 und 8:6 ins Viertelfinale ein, in dem er den Chilenen Marcelo Rios besiegte. Für Haas war damals erst im Halbfinale gegen Marat Safin Endstation.

          „Nur Talent reicht halt nicht in diesem Sport“

          Aber das scheint nicht nur für die beiden Hauptakteure eine Ewigkeit her. Haas spricht immer von seiner ersten Karriere, wenn er von der Zeit vor seinen beiden Schulteroperationen in den Jahren 2002 und 2003 redet. Seine zweite Laufbahn als Tennisprofi hat erst in diesem Jahr wieder so richtig Fahrt aufgenommen. Mit seinem neuen schwedischen Coach Thomas Högstedt ist auch die Motivation zurückgekehrt, vor allem aber hat er die wichtige Erkenntnis gewonnen: „Nur Talent reicht halt nicht in diesem Sport.“ Harte Arbeit gehört ebenso dazu. Haas ist mittlerweile 27 Jahre alt, und für die Tennisgaben, die ihm mit auf den Weg gegeben wurden, hat er viel zuwenig erreicht: An 30 Grand-Slam-Turnieren nahm er teil, zweimal bei den Australian Open (1999 und 2002) stand er im Halbfinale, einmal bei den US Open 2004 im Viertelfinale. Eine magere Bilanz für einen Profi, den die Branchenhackordnung im Mai 2002 als zweitbesten seiner Zunft führte.

          Mittlerweile ist Federer der unumschränkte Primus, und deshalb hat seine Einschätzung Gewicht. Auf die Frage, ob Haas wieder die Klasse seiner „ersten Karriere“ erreicht habe, sagte Federer: „Das muß er erst bei den Grand-Slam-Turnieren beweisen.“ An diesem Montag bietet sich Haas die einmalige Chance, seine Fortschritte dem großen Favoriten zu demonstrieren.

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