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Australian Open ohne Deutsche : „Chancen nicht zu nutzen, ist manchmal tödlich“

  • Aktualisiert am

Kohlschreiber wollte „so schnell wie möglich hier wegkommen” Bild: AFP

Wenn die Australian Open in der kommenden Woche in die entscheidende Phase gehen, sind die deutschen Tennis-Profis nur Zuschauer. Philipp Kohlschreiber schied ebenso wie die neue Hoffnungsträgerin Sabine Lisicki im Achtelfinale aus.

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          Philipp Kohlschreiber wollte einfach nur nach Hause. „Ich versuche, so schnell wie möglich hier wegzukommen“, sagte der 24-Jährige am Sonntag nach seiner 6:3, 6:7 (7:9), 6:7 (9:11), 3:6-Niederlage im Achtelfinale der Australian Open gegen den Finnen Jarkko Nieminen.

          „Irgendwo, wo mich keiner findet“ wollte der Tennisprofi aus Augsburg die verpasste Chance auf das zweite Viertelfinale seiner Karriere bei einem Grand-Slam-Turnier verarbeiten. Elf Satzbälle - sieben im zweiten und vier im dritten Durchgang - hatte er gegen den Linkshänder aus Masku vergeben.

          Für die 18 Jahre alte Sabine Lisicki ist das Australian-Open-Abenteuer nach einer 6:4, 4:6, 3:6-Niederlage gegen Caroline Wozniacki aus Dänemark ebenfalls beendet. Damit geht die zweite Turnierwoche im Melbourne Park ohne deutsche Beteiligung über die Bühne. „Dass keiner mehr in der zweiten Woche dabei ist, ist schon etwas enttäuschend“, sagte Davis-Cup-Teamchef Patrik Kühnen. „Ich fand's bitter, dass Philipp seine Chancen nicht genutzt hat.“ Die deutsche Nummer zwei verspielte durch das Aus zudem die direkte Olympia-Qualifikation.

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          „Ich hätte gewinnen müssen“

          Auch Kohlschreibers Analyse fiel nach dem dreieinhalbstündigen Arbeitseinsatz in der Margaret Court Arena ebenso treffend wie schonungslos aus. „Seine Chancen nicht zu nutzen, ist manchmal tödlich“, sagte der Weltranglisten-27, „ich habe ein Match aus der Hand gegeben, das ich hätte gewinnen müssen.“

          Tatsächlich war er wie schon bei seinem spektakulären Fünf-Satz-Erfolg gegen den Amerikaner Andy Roddick zwei Tage zuvor der bessere Spieler, fand aber kein Mittel gegen das „eklige“ (O-Ton Kohlschreiber) Spiel des Finnen. Und in den entscheidenden Momenten der Tiebreaks fehlten dem Davis-Cup-Spieler Nervenstärke und Kaltschnäuzigkeit, mit der er den Weltranglisten-Sechsten Roddick noch zur Weißglut gebracht hatte. „Ich bin enttäuscht, aber nicht sauer“, meinte Kohlschreiber.

          Lisicki: „Kein Weltuntergang“

          Die Berlinerin Lisicki, die sich über die Qualifikation erstmals überhaupt ins Hauptfeld eines Grand-Slam-Turniers gekämpft und in der ersten Runde die Weltranglisten-16. Dinara Safina (Russland) ausgeschaltet hatte, ließ sich ihre Enttäuschung über das Aus in Runde drei zumindest nicht anmerken. „Das ist kein Weltuntergang für mich“, sagte die hübsche deutsche Tennishoffnung. „Ich habe ein super Turnier hinter mir und bin stolz auf das, was ich geschafft habe.“

          Im Gegensatz zu Kohlschreiber wollte sie sogar noch „ein, zwei Tage“ in Melbourne bleiben. Ihr glanzvolles Debüt auf der großen Tennis-Bühne hat sich jedenfalls ausgezahlt: In der Rangliste wird sie von Platz 194 aus einen großen Sprung nach vorne machen, beim Fed Cup in Amerika am 2./3. Februar erstmals für das deutsche Nationalteam antreten - und nicht zuletzt kassierte sie für ihre Auftritte „Down Under“ rund 30.000 Euro Preisgeld.

          Immerhin befindet sich Lisicki in prominenter Gesellschaft: Auch der hoch gehandelte Argentinier David Nalbandian, der an Nummer vier gesetzte Nikolai Dawidenko (Russland) und der an Position acht eingestufte Richard Gasquet (Frankreich) verabschiedeten sich am siebten Turniertag aus dem Geschehen. Keine Überraschungen gab es dagegen bei den Damen. Hier kommt es am Dienstag im Viertelfinale zum Aufeinandertreffen zwischen der Weltranglisten-Ersten Justine Henin (Belgien) und Vorjahresfinalistin Maria Scharapowa (Russland).

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