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Australian Open : Lisicki und die Knallerei mit Köpfchen

Sabine Lisicki will bei den Australian Open auftrumpfen Bild: AP

Sabine Lisicki will mit neuer „Beraterin“ an alte Erfolge anknüpfen: Martina Hingis steht der Tennisspielerin bei den Australian Open bei. Geht die Zusammenarbeit mit ihrem früheren Idol gut, könnte sie von Dauer sein.

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          Der Retro-Trend bei den Tennis-Herren war zuletzt ja unübersehbar - plötzlich tauchten all die wohlbekannten Namen von früher wieder auf im Zusammenhang mit dem aktuellen Geschehen: Boris Becker als Trainer von Novak Djokovic, Stefan Edberg als Coach von Roger Federer und Ivan Lendl sowieso wie in den vergangenen zwei Jahren an der Seite von Andy Murray.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Nun aber wagt auch Sabine Lisicki zumindest bei den am Montag beginnenden Australian Open den Versuch, mit den Ratschlägen einer erwiesenen Könnerin einen Schritt weiter in ihrer Karriere zu kommen.

          Am Samstag trainierte sie mit der ehemaligen Weltranglistenersten Martina Hingis, und die 33 Jahre alte Schweizerin wird auch am Montag in der Spielerbox der Deutschen sitzen, wenn Sabine Lisicki in der ersten Runde in Melbourne gegen die Kroatin Mirjana Lucic-Baroni antreten muss.

          „Ich kenne Martina schon sehr lange“, sagt die Berlinerin. „Ich habe schon als Jugendliche mit ihr trainiert. Bereits damals war das etwas ganz Besonderes für mich, weil Martina mein Idol war.“

          Die frühere Weltranglisten-Erste Martina Hingis soll Lisicki helfen

          Ob die Zusammenarbeit über das erste Grand-Slam-Turnier des Jahres hinausgehen wird, ließ die Berlinerin noch offen. Fragte man sich allerdings bei den männlichen Kollegen noch mitunter, welchen Einfluss auf ihre Karriere sie sich von ihren neuen Beratern erhoffen, so erscheinen die Verhältnisse bei Sabine Lisicki viel klarer

          Könnte sie nämlich nur einen Bruchteil dessen übernehmen, was Martina Hingis einst stark machte, wäre dies der Anfang einer wunderbaren Geschichte. Zunächst wolle sie in Melbourne „die zweite Woche erreichen“, sagt die deutsche Fed-Cup-Spielerin. Im vergangenen Jahr war sie schon in der ersten Runde ausgeschieden.

          Hingis war das Tennis-Wunderkind

          Die Schweizerin, deren Karriere 2007 nach einigen Verletzungen und mit großem Getöse wegen einer Sperre aufgrund eines positiven Doping-Tests (Kokain) reichlich früh endete, war schließlich einst das Tennis-Wunderkind schlechthin. Wann immer man auf Altersrekorde der Rubrik „Die Jüngste“ im Tennis stößt, sind diese Bestmarken mit dem Namen Hingis verbunden.

          Sie ist die jüngste Spielerin, die je ein Grand-Slam-Turnier der Juniorinnen (French Open 1993 als Zwölfjährige) gewann, sie ist immer noch die jüngste Spielerin, die in der Profi-Ära beim Wimbledon-Turnier triumphierte (1997 im Alter von 16 Jahren), und natürlich hat es auch noch nie eine jüngere Weltranglistenerste gegeben als die damals 16-jährige Martina Hingis im März 1997.

          In Wimbledon 2013 war erst im Endspiel Endstation

          All die Zahlen belegen natürlich die immense Kompetenz, aber viel wichtiger erscheint im Zusammenhang mit Sabine Lisicki, wie Martina Hingis dies alles erreichte. Die Schweizerin war schließlich der Gegenentwurf zu den damals ebenfalls in der Tennisszene auftauchenden Williams-Schwestern, die mit ihrer körperlichen Präsenz und dank der Wucht ihrer Schläge die Gegnerinnen reihenweise vom Platz schossen.

          Die zierliche Schweizerin dagegen war eine Meisterin der Strategie, gerühmt für ihr Winkelspiel, mit denen sie ihr Gegenüber ausmanövrierte - wer schlaues Tennis sehen wollte, musste ihr zusehen. „Technisch ändert man nichts Großes mehr, es geht nur um Kleinigkeiten da oben“, sagt Sabine Lisicki - und tippt mit dem Finger an den Kopf.

          Lisicki gilt als beratungsresistent

          Wenn Sabine Lisicki, ihr Management oder ihr Vater Richard sich bei der Zusammenarbeit etwas gedacht haben, was über eine kurzzeitige PR-Maßnahme hinausgeht - ganz sicher kann man sich bei all den aktuellen Nachrichten aus der Tennisbranche nicht sein -, dann wäre dies eine überaus kluge Idee gewesen.

          Sabine Lisicki gilt in der Szene schließlich als etwas beratungsresistent, sie pflegt ihr Spiel der schnellen Punkte, agiert mit großer Wucht von der Grundlinie und kann an Tagen, an denen alles wie von selbst läuft und auch der erste Aufschlag zu einem verlässlichen Partner wird, selbst eine Serena Williams verblüffen. Plan B aber für die vielen anderen Tage in einem langem Tennisjahr gibt es nicht, und allein im vergangenen Jahr verschliss sie mit Ricardo Sanchez, Robert Orlik und Wim Fissette gleich drei Trainer.

          Keine Angst vor großen Tieren: Lisicki ist in Melbourne bester Laune

          Dass die Zusammenarbeit mit Fissette, der an ihrer Seite war, als sie in Wimbledon das Finale erreichte, so schnell endete, überraschte die Szene. Der frühere Trainer der ehemaligen Weltranglistenersten Kim Clijsters wollte ihre Spielweise auf etwas weniger Risiko umstellen und hatte nach dem Erfolge auf den Londoner Rasenplätzen angekündigt, verstärkt an der Fitness arbeiten zu wollen. Nach den US Open folgte dann aber schon die Trennung wegen unterschiedlicher Konzepte und Spielideen.

          Aus den Plänen, nach dem Finaleinzug in Wimbledon nun für den Rest des Jahres den Sprung unter die besten zehn Spielerinnen der Welt in Angriff zu nehmen, wurde nichts. Sabine Lisicki spielte wenig, und wenn sie spielte, war es nicht sonderlich erfolgreich.

          „Sie knallt auf alles volle Pulle drauf“

          Gefeiert wurde sie in Deutschland, wo Turniere abseits von Wimbledon häufig unter der Wahrnehmungsgrenze liegen, dennoch, sie war ein gern gesehener Gast bei Bällen und Jahresrückblicken. „Wer vorher viel trainiert, kann sich so was auch leisten“, sagte sie. An der Richtigkeit des Satzes zweifelt niemand, an der Umsetzung allerdings viele, zumindest hinter vorgehaltener Hand.

          Schlagzeilen aber machte sie zuletzt nur, als sie bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres Platz zwei belegte und bei solchen Anlässen immer öfter mit Oliver Pocher auftauchte. Der Komiker ist auch in Melbourne an ihrer Seite, wo es vor allem aber darum geht, mit den eigenen Ansprüchen mal wieder Schritt halten zu können.

          Zu zweit auf dem roten Teppich: Lisicki und Oliver Pocher

          Eine ehemalige Weltranglistenerste als „Beraterin“, das klingt wohl auch für Sabine Lisicki angemessen, die zuweilen in ihrer ganz eigenen Welt zu leben scheint. Ihre Erstrundengegnerin Mirjana Lucic-Baroni beschreibt sie als Spielerin, die „auf alles volle Pulle draufknallt. Man muss sein eigenes Spiel machen und sie die Fehler machen lassen.“ Könnte eine schöne Knallerei werden am Montag in Melbourne.

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