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Australian Open : Federers Traum aus 1001 Spiel beendet 

Geballte Freude: Rafael Nadal scheint der Sieg gegen Federer besonders viel zu bedeuten Bild: REUTERS

Rafael Nadal gewinnt das Duell der Tennis-Giganten: Der Spanier besiegt im Halbfinale der Australian Open seinen ewigen Rivalen Roger Federer in vier Sätzen.

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          Roger Federer hat 16 Grand Slam-Titel gewonnen, und er ist damit der erfolgreichste Tennisspieler, den dieser Sport bislang gesehen hat. Ob er damit auch der „größte Tennissspieler aller Zeiten“ ist, darüber wird gerne diskutiert, manche favorisieren den Australier Rod Laver, der 1969 als bislang letzter Spieler alle vier Grand-Slam-Turnieres innerhalb eines Kalenderjahres gewonnen hatte.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Eines aber steht außer Frage - dieser Roger Federer wäre über jeden statistischen Zweifel erhaben, wenn ihm während seiner Karriere nicht Rafael Nadal in die Quere gekommen wäre. Am Donnerstag standen sich die beiden zum zehnten Male in einem Grand-Slam-Spiel gegenüber (genauso oft wie einst Ivan Lendl und John McEnroe), und es endete so, wie es meistens und vor allem seit 2007 immer geendet hatte: Nadal gewann die Partie (6:7, 6:2, 7:6, 6:4), führt nun in der persönlichen Grand-Slam-Bilanz gegen den Schweizer 8:2 und trifft im Finale am Sonntag entweder auf den Weltranglistenersten Novak Djokovic oder den Schotten Andy Murray, die am Freitag im anderen Halbfinale (9.30 Uhr, Eurosport) aufeinandertreffen.

          Der eine packt ein und reist ab, der andere applaudiert respektvoll: Roger Federer und sein Bezwinger Rafael Nadal (r.)

          Ob es nur am Top Spin des Spaniers liegt, der Federer zugebenermaßen besonders auf der Rückhandseite soviele Schwierigkeiten bereitet? Mittlerweile muss es längst eine andere, eine weitere Barriere geben, die den Schweizer bremst, sobald er auf Nadal trifft. In der vergangenen Saison, als der Serbe Novak Djokovic als nahezu unschlagbar galt und zur Nummer eins aufstieg, da stoppte ihn Federer im Halbfinale der French Open in einer mitreißenden Partie.

          Vier Monate später verhinderte nur ein Glückschlag von Djokovic im Halbfinale der US Open eine Wiederholung, als der Serbe einen der beiden Matchbälle von Federer nach dem Motto „ Alles-oder-nichts“ abwehrte und doch noch gewann.

          Das macht deutlich, dass Federer selbst im vergangenen Jahr, als er erstmals seit 2003 keinen Grand-Slam-Titel gewonnen hatte, stark genug war, um Djokovic zu besiegen oder so nah an den Rand einer an einer Niederlage zu bringen, wie es nur geht. Nur gegen Nadal gelingt ihm das zumindest auf Grand-Slam-Ebene nicht mehr.

          Ausgeschieden: Federer verliert das 1001. Spiel auf der ATP-Tour

          Diesmal schien der Boden bestens bereitet. Federer war mit Leichtigkeit ohne Satzverlust durch dieses Australian Open geschwebt, selbst dem vermeintlichen Stolperstein Del Potro hatte er sich im Viertelfinale mit einer Mühelosigkeit widersetzt, die alle Zweifler wieder zu Optimisten hatte werden lassen.

          Nadal dagegen hatte schon vor dem Turnier über Kniebeschwerden geklagt, dann während des Turniers seine Fans erschreckt, als er nur noch stark bandagiert antrat und vor allem hatte der Spanier im Viertelfinale gegen den Tschechen Tomas Berdych mächtig gewackelt, ehe er sich in vier umkämpften Sätzen doch noch hatte durchsetzen können.

          Diesmal, so der vorherrschende Glaube, würde Federer das Ruder gegen Nadel herumreißen können, und man hätte das auch anders und viel drastischer formulieren können: Wenn nicht jetzt - wann dann?

          Zu stark für Federer: Rafael Nadal steht im Finale der Australian Open

          Vielleicht nie mehr, denn so langsam muss diese Bilanz in Federer hineinkriechen, dieser 2:8-Zwischenstand im persönlichen Vergleich, wobei die Siege des Schweizers auch noch etwas länger zurückliegen: Er gewann 2006 und 2007 das Wimbledonfinale, was bedeutet, dass er seit den French Open 2008 kein Spiel über drei Gewinnsätze gegen Nadal mehr hat gewinnen können.

          „Das spielt keine Rolle“, behauptet Federer, und wenn es auch für ihn vielleicht keine Rolle spielt, für Nadal schon: „Ich spiele deshalb gut gegen ihn, weil ich bereit dafür bin. Und bei Spielen über drei Gewinnsätze hat man mehr Zeit, sich hineinzufinden.“

          Guter Start Federers

          Diesmal war Federer so gestartet, wie es nach seinen vorherigen Partien in Melbourne erwartet worden war, vielleicht sogar noch besser. Er nahm Nadal gleich dessen erstes Aufschlagspiel ab, er führte schnell 3:0, er schien alles im Griff zu haben, aber gegen Nadal hat er eben nie alles im Griff. Obwohl der Schweizer den ersten Satz im Tiebreak noch gewinnen konnte, war die Gegenwehr stärker geworden, und statt zu agieren, konnte Federer in vielen Situationen danach nur noch reagieren. „Ich glaube, er spielt gegen mich besser als jeder anderer“, sagte der Schweizer, dem gegen Nadal aber die Leichtigkeit fehlt, die ihn in anderen Partien so auszeichnet und alles so einfach aussehen lässt.

          Ungestillter Erfolgshunger: Rafael Nadal zieht ins Finale ein

          Hier und da war auch in diesem guten aber nicht herausragenden Halbfinale diese vielbestaunte Genialität aufgeblitzt, er führte im dritten Satz mit einem Break und musste doch sofort das Rebreak hinnehmen, und letztlich spielte sein Gegner in den entscheidenden Momenten den Ball immer öfter ein Mal mehr ins Feld zurück, wobei ihm Federer mächtig half - die Statistik zählte ungewöhnlche 63 unerzwungene Fehler bei ihm. Nadal führte so im Tiebreak des dritten Satzes schon 6:1, ehe Federer noch auf 5:6 herankam, aber den nächsten Punkt machte der Spanier.

          Nadal schaffte das entscheidende Break im vierten Satz zur 5:4-Führung, und beim folgenden Aufschlagspiel des Spanier boten sich Federer zwei Chancen zum Rebreak - den Punkt macht jeweils der Spanier, der dann selber nach 3:42 Stunden Spielzeit seinen zweiten Matchball nutzte.

          Umsonst gestreckt: Roger Federer ist in einem hochklassigen Spiel der Verlierer

          „Es ist nicht alles schlecht. Ich habe hier zum neunten Male das Halbfinale erreicht, ich habe heute zum ersten Male seit fünf Monaten ein Spiel verloren. Man muss mich jetzt nicht bemitleiden“, sagte Federer. Aber vermutlich oder sogar ganz sicher könnte alles noch um so viel besser aussehen - wenn es nur diesen Rafael Nadal nicht geben würde. „Ich spiele gerne gegen ihn“, sagt Federer. Muss ja vielleicht nur nicht unbedingt bei einem Grand-Slam-Turnier sein.

          Wohlgeordnet: Rafael Nadal hat in Australien alles im Griff

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