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Australian Open : Djokovic bremst Murray

Stärkebeweis: Novak Djokovic setzt sich im Halbfinale der Australian Open gegen Andy Murray durch Bild: REUTERS

Andy Murray hoffte mit Trainer Ivan Lendl auf Erfolg - doch wieder stoppt ihn Novak Djokovic. Der Serbe trifft nach dramatischen fünf Sätzen im Finale auf Rafael Nadal - und würdigt den ausdauernden Zuschauer Rod Laver.

          3 Min.

          Rafael Nadal wird ganz entspannt in seinem Hotelzimmer gelegen haben, die Beine schön gemütlich ausgestreckt, und er wird diesen TV-Abend mehr genossen haben als jeder andere. Zum einen, weil der Spanier natürlich gerne tolle Tennisspiele sieht, und zum anderen, weil er nach seinem Halbfinalsieg am Vortag gegen Roger Federer nun am Sonntag im Finale der Australian Open gegen den Sieger dieses Halbfinales mit einem Tag zusätzlicher Pause m Vergleich zu seinem Mitbewerber antreten darf.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Der wird alles andere als frisch sein, denn 4:50 Stunden lang war es nicht nur zur Freude eines einzelnen spanischen Fernsehzuschauers, sondern vor allem zur restlosen Begeisterung der 15.000 Zuschauer in der Rod-Laver-Arena in einer mitreißenden Achterbahnfahrt der Emotionen hin und her gegangen.

          Dann schließlich lag Novak Djokovic nach dem 6:3-, 3:6-, 6:7 (4)-, 6:1- und 7:5-Sieg über Andy Murray weit nach Mitternacht rücklings auf dem Boden und streckte später mit letzter Kraft die Arme in den Nachthimmel. Der Serbe trifft nun nach Wimbledon und den US Open im dritten Grand-Slam-Finale nacheinander auf Nadal.

          Verlierer in einem knappen Spiel: Andy Murray unterliegt Novak Djokovic

          Alles, aber auch restlos alles, was sich die Tennisfans vom ersten Halbfinale zwischen Nadal und Roger Federer am Donnerstag erhofft hatten, trat mit einem Tag Verspätung im zweiten Semifinale ein – es wurde ein Spiel, das künftig immer genannt werden muss, wenn von unvergesslichen Partien in der Rod-Laver-Arena die Rede sein wird. Djokovic hatte sich den ersten Satz geholt, aber wer erwartet hatte, dies würde wieder eine Vorentscheidung bedeuten, musste sich schnell getäuscht sehen.

          Murrays Fortschritte

          Vor einem Jahr hatte der Serbe nach einem ähnlich umkämpften ersten Durchgang im Finale leichtes Spiel gegen den Schotten gehabt – diesmal war diese 1:0-Satzführung nur der Beginn einer Auseinandersetzung auf allerhöchstem Niveau.

          Enges Spiel: Djokovic steht im Finale der Australian Open

          Über den Einfluss von Ivan Lendl auf Andy Murray war vor Beginn dieses Turniers viel spekuliert wurden. Doch der ehemalige Weltranglisten-Erste, der den Schotten seit Beginn dieses Jahres coacht, scheint dem Briten tatsächlich einiges von jener mentalen Stärke vermittelt zu haben, die ihn einst selbst auszeichnete. Murray hing nach drei verlorenen Grand-Slam-Endspielen ohne Satzgewinn der Ruf nach, nicht nervenstark genug für diese Auseinandersetzungen gegen die großen Drei Djokovic, Nadal und Federer zu sein. Auch wenn er dieses Halbfinale letztlich verlor – niemand wird Murray nach diesem Abend noch für ein mentales Leichtgewicht halten.

          Ständige Wendungen

          Breakbälle oder gar Breaks hatten nach dem ersten Satz in dieser Partie kaum noch etwas bedeutet – immer wenn es so ausgesehen hatte, als habe sich der eine den entscheidenden Vorteil verschafft, schlug der andere urplötzlich zurück. Murray gewann den zweiten Durchgang und schien diesen Schwung in den dritten Satz mitzunehmen. Gleich im ersten Aufschlagspiel von Djokovic erspielte sich der Schotte fünf Breakbälle, aber der Weltranglistenerste wehrte alle ab und ging nach unglaublichen 18 Minuten doch noch 1:0 in diesem dritten Durchgang in Führung.

          Siegesjubel: Der erleichterte Djokovic nach dem Finale

          Murray holte sich das Break dann zum 2:1, musste ein Rebreak hinnehmen, erspielte sich wieder eine Breakchance – und sah sich nach insgesamt zehn Breakchancen in diesem Satz plötzlich doch drei Satzbällen von Djokovic ausgesetzt.

          Er wehrte sie ab, holte sich prompt das Break zur 6:5-Führung, schlug nun selbst zum Satzgewinn auf – und musste das 6:6 hinnehmen. Djokovic hatte zwischendurch wie schon im Viertelfinale gegen Ferrer erschöpft gewirkt, aber in der Endphase dieses Satzes war der Serbe plötzlich wieder quicklebendig geworden. Auch das täuschte offenbar: Murray gewann den Tiebreak 7:4, und allein dieser dritte Satz hatte 88 Minuten gedauert – nur zwei Minuten weniger als ein Fußballspiel üblicherweise dauert. Diese Auseinandersetzung aber, bei der nun vieles für Murray gesprochen hatte, ging noch weiter – und wie

          Würdigung für einen begeisterten Zuschauer: Djokovic dankte nach dem Spiel Rod Laver, den letzten Gewinner des Grand Slam, für seine Ausdauer bis zum Spielende und entschuldigte sich launig, dass seine Generation kein Serve-and-Volley mehr zustande bringe

          Weil nichts so war, wie es auszusehen schien, nahm die Begegnung wieder eine unerwartete Wendung. Djokovic zeigte keinerlei Anzeichen von Resignation oder Enttäuschung und schaffte ohne große sichtbare Mühe den 2:2-Satzausgleich. Das schien den Seriensieger des vergangenen Jahres nun entscheidend voranzutreiben. Der Titelverteidiger holte sich im entscheidenden fünften Satz das erste Break zum 4:2, erhöhte danach auf 5:2 – und als niemand mehr damit rechnete, kam Andy Murray noch einmal zurück. Spätestens in diesem Moment wird Ivan Lendl endgültig die Gewissheit erlangt haben, dass sich diese Zusammenarbeit noch lohnen könnte.

          An diesem Abend führte sie noch nicht zum Triumph, obwohl der plötzlich schon so nah gewesen war. Denn Murray hatte nicht nur zum 5:5 ausgeglichen, er hatte sich auch noch zwei Breakbälle zur 6:5-Führung erspielt. Der Abend aber, der einen Gewinner haben musste und keinen Verlierer hervorbrachte, hatte schließlich noch seine letzte Wendung genommen. Und ein Fernsehzuschauer wird besser als jeder andere wissen, dass dies alles nichts bedeutet. Vor drei Jahren hatte Rafael Nadal mehr als fünf Stunden für seinen Halbfinalsieg über Verdasco benötigt – und sich zwei Tage später in weiteren fünf Sätzen gegen Roger Federer durchgesetzt.

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