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Australian Open : Die weiße Pracht

Blütenweißer Schmetterling: Yanina Wickmayer Bild: AFP

Wer vor einigen Jahren von Tennis als „weißem Sport“ sprach, machte sich lächerlich. Doch die weiße Pracht ist als Farbe der Saison wieder da. Vorbei die Zeiten kanarienvogelbunter Oberteile - das Reinheitsgebot gilt bei den Australian Open.

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          Wer in diesen Tagen beim Tennis zuschaut, der fühlt sich wie aus der Zeit gefallen: Ja, ist denn schon Wimbledon? Nun gut, selbst verschlafene Fernsehzuschauer werden merken, dass gerade Januar ist und nicht Juni, und dass die Plätze in Melbourne blau sind und nicht aus Rasen und grün.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch ein flüchtiger Blick auf die Spielerinnen und Spieler bei diesen Australian Open könnte zum Glauben verführen, die Profis hätten sich nicht für das erste, sondern das dritte Grand-Slam-Turnier des Jahres eingekleidet. Was in Wimbledon Pflicht ist, scheint in Melbourne Mode: Man trägt wieder weiß.

          Die Zeit der Kanarienvögel ist vorbei

          Wer vor einigen Jahren von Tennis als „weißem Sport“ sprach, machte sich lächerlich; sah es auf den Centre Courts dieser Welt doch aus wie in Kanarienvogelkäfigen: Zwei quietschbunte Typen jagten sich von da nach dort, bis am Ende einer rausflog. Und nun? In der ersten Runde der Australian Open trafen Thomas Haas und Simon Greul nicht nur zu einem rein deutschen, sondern auch zu einem rein weißen Duell aufeinander; auch das Match zwischen Michail Juschni gegen den Franzosen Richard Gasquet, sportlich ein greller Fünfsatzkrimi, ging kleidungsmäßig ganz farblos vonstatten.

          Blütenweißer Schmetterling: Yanina Wickmayer Bilderstrecke
          Australian Open : Die weiße Pracht

          Selbst Philipp Kohlschreiber, im vorigen Jahr noch in textmarkergelber Trikotage auffällig geworden, zählt nun ein sehr weißes Hemdchen zu seiner Garderobe.

          Weiß womöglich als Farbe zur Wirtschaftskrise?

          So schön haben wir noch nie gestaunt: Ob Jungspunde wie Cilic und Tomic oder reifere Semester wie Hewitt, Roddick und Dawidenko bei den Männlein, ob Spitzenkräfte wie Caroline Wozniacki, Victoria Asarenka oder Yanina Wickmayer bei den Weiblein - die weiße Pracht macht weder vor der Masse noch der Klasse halt. Selbst Kim Clijsters, die ihre US-Open-Trophäe vor vier Monaten in knallrotem Shirt entgegennahm, schlägt sich nun in weißem Oberteil durch die Runden.

          Den Vogel abgeschossen hat aber Janko Tipsarevic, der am Donnerstag nicht nur wie ein serbisches Double seines von Schulter bis Fuß weiß gewandeten deutschen Gegners Haas aussah, sondern auch seine übliche Sonnenbrille neuerdings mit weißem Gestell trägt. Ein Jungstar wie del Potro, der weiterhin ein gelbes (!), ärmelloses (!) Muskelshirt am Leibe trägt, sieht in Australien ziemlich altmodisch aus.

          Was soll dieser Retro-Trend, der mit den Comeback der gereiften Tennisdamen Kim Clijsters und Justine Henin begonnen hat und sich nun mit der Rückkehr des weißen Schicks fortsetzt? Ist Weiß womöglich die Farbe zur Wirtschaftskrise, in der es auf traditionelle Werte mehr ankommt als auf vergängliche Trends? Oder haben sich die Sportartikelhersteller ein Reinheitsgebot aufgelegt, um den so schön weißen Sport weltweit salonfähig zu machen? Worauf wir jetzt noch gespannt warten, ist die Rückkehr des Polokragens.

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