https://www.faz.net/-gtl-uai2

Australian Open : Deutsche Verlierer und prügelnde Fans

  • Aktualisiert am

Trotz Niederlage: Starker Auftritt von Benjamin Becker Bild: AFP

Keiner der vier deutschen Tennisprofis hat bei den Australien Open die zweite Runde erreicht. Die Damen machten es besser: Martina Müller und Julia Schruff siegten. Neben den Plätzen sorgte eine Schlägerei kroatischer und serbischer Fans für Aufsehen.

          3 Min.

          Ein ungeliebtes Paar hat dem deutschen Tennis einen sieglosen Auftakt bei den Australian Open erspart. Die aus dem Fedcup-Team geworfenen Martina Müller und Julia Schruff sorgten am Montag in Melbourne für die einzigen Erfolge bei fünf Niederlagen. Schruff gewann nach zwei abgewehrten Matchbällen 4:6, 7:6 (7:1), 6:4 gegen die Chinesin Jie Zheng, Müller hatte weniger Probleme beim 6:0, 6:3 gegen die argentinische Qualifikantin Jorgelina Cravero.

          Dagegen verpassten die deutschen Herren in der Rod-Laver-Arena ihre Chancen gegen nicht überzeugende Favoriten. Björn Phau schied gegen den Schweizer Titelverteidiger Roger Federer mit 5:7, 0:6, 4:6 ebenso aus wie der grippekranke Rainer Schüttler beim 4:6, 6:2, 3:6, 2:6 gegen Vorjahresfinalist Marcos Baghdatis aus Zypern. (Siehe auch: Tennis: Ergebnisse von den ATP-Turnieren)

          Benjamin Becker, als letzter Bezwinger von Andre Agassi bei den US Open bekannt geworden, unterlag Marat Safin 7:5, 6:7 (2:7), 6:3, 3:6, 4:6. Der Russe hatte die Australian Open 2005 gewonnen und war nach dem Match voll des Lobes: „Die Spieler haben viel Respekt vor Benjamin. Er hatte heute seine Chancen. Aber ehrlich gesagt: Ich habe mehr Erfahrung und hatte heute bei einigen Bällen auch mehr Glück.“ Auch Simon Greul und Sandra Klösel verabschiedeten sich sofort.

          Trotz Niederlage: Starker Auftritt von Benjamin Becker Bilderstrecke
          Australian Open : Deutsche Verlierer und prügelnde Fans

          Becker dicht an der Überraschung

          Überschattet wurde der Turnierauftakt von ungewohnten Ausschreitungen. Am Rande des Sieges des Kroaten Mario Ancic waren kroatische und serbische Fans aneinander geraten. Nachdem es zunächst gegenseitige Beleidigungen gegeben hatte, flogen Flaschen, vereinzelt kam es sogar zu Prügeleien. Wie die Veranstalter mitteilten, wurden 150 Personen der Anlage verwiesen. Es gab jedoch keine Festnahmen.

          Am dichtesten an einer Überraschung war Becker dran. Die mögliche 2:0-Satzführung vergab der Saarländer durch einen schwachen Tiebreak. Im ersten Fünf-Satz-Match seiner Karriere brachte der 25-Jährige den dreimaligen Melbourne-Finalisten zwar immer wieder mit tollen Bällen zur Weißglut, machte bei hohem Risiko aber auch viele Fehler. Erst nach Mitternacht setzte sich die größere Routine des Daviscup-Siegers durch, der mit einem Break zum 3:2 die Basis zum Sieg legte.
          Phau nahm Federer im ersten Satz gleich drei Mal den Aufschlag ab. „Das ist nicht normal für mich. Ich wurde ein bisschen nervös“, gestand der Schweizer, der den einzigen Vergleich gegen Phau 1999 verloren hatte. Phau servierte selbst aber so schwach, dass ein 5:3 nicht zur Satzführung reichte. „Er gewinnt einfach immer, auch wenn er schlecht spielt“, sagte Phau, der seinen Ärger aber vergessen will: „Ich werde wohl zufrieden sein, dass ich mich einigermaßen aus der Affäre gezogen habe.“ Von Federer bekam er bei der Gratulation ein unerwartetes Kompliment für eine gute Saison 2006.

          „Was mache ich bloß falsch?“

          Vier Jahre nach seinem Endspiel-Einzug erlebte Schüttler die nächste Enttäuschung, diesmal gegen Baghdatis. „Nach zweieinhalb Sätzen ging gar nichts mehr. Ich habe gedacht, ich kriege sogar Krämpfe in den Fingern“, sagte der auf Platz 100 der Weltrangliste zurückgefallene Korbacher. Der 30-Jährige hielt tapfer 2:24 Stunden lang durch, fragte den Physiotherapeuten in einer Behandlungspause aber resigniert: „Was mache ich bloß falsch?“

          Vieles richtig machte dagegen Martina Müller, obwohl sie sich seit zweieinhalb Wochen mit einer Erkältung plagt. „Ich habe ziemlich gut angefangen, bei einem Grand Slam ist das ungewöhnlich für mich“, sagte die zweitbeste deutsche Spielerin. Sie trifft nun auf die Weltranglisten-Achte Jelena Dementjewa. Die Russin war im Vorjahr an gleicher Stelle an Müllers Freundin Julia Schruff gescheitert, die in Jie Zheng erneut eine höher eingestufte Spielerin schlug.

          Nach den zwei abgewehrten Matchbällen im zweiten Satz gab die 24 Jahre alte Augsburgerin im dritten Satz eine 4:0-Führung ab, ehe ihr Zheng mit einem Doppelfehler den Sieg schenkte. Vor der nächsten Gegnerin Eva Birnerova aus Tschechien hat Schruff nach zwei klaren Niederlagen großen Respekt: „Wenn man eine gesetzte Spielerin geschlagen hat, ist das zweite Match das schwerste.“

          Wenig unerwartet kam das 4:6, 4:6 von Sandra Klösel gegen die an Nummer 14 gesetzte Italienerin Francesca Schiavone. Schmerzlicher war das 3:6, 4:6, 3:6 von Simon Greul gegen Yen-Hsun Lu aus Taiwan, den er im ersten Vergleich noch besiegt hatte. Die Überraschung des Tages war das Aus des an Nummer vier gesetzten Kroaten Ivan Ljubicic, der 6:4, 6:7 (2:7), 4:6, 4:6 gegen Mardy Fish aus den USA verlor.

          Weitere Themen

          Rückschlag für Kaymer bei US Open

          Golf : Rückschlag für Kaymer bei US Open

          Der beste deutsche Golfer bekommt bei den US Open Probleme. Einen Einbruch erlebten auch der Nordire Rory McIlroy und der 15-malige Major-Gewinner Tiger Woods.

          Topmeldungen

          Spontane Proteste gegen die Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Madrid am Freitagabend.

          Corona in Spanien : Die Angst vor dem Notlazarett

          Die Infektionszahlen in der spanischen Hauptstadt explodieren und die Verwaltung weiß sich nur mit selektiven Ausgangssperren zu helfen. Das öffentliche Leben wird für einen Teil der Bevölkerung drastisch eingeschränkt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.