https://www.faz.net/-gtl-75v8o

Australian Open : Blühende Jugend

Amerikas Hoffnung, Teil eins: Sloane Stephens Bild: AFP

Bei den Herren steigt das Durchschnittsalter, bei den Damen sinkt es rapide. In Melbourne erregen einige Tennis-Teenager großes Aufsehen. Vor allem Amerika darf sich Hoffnung machen für die Zeit nach den Williams-Schwestern.

          3 Min.

          Mit einigem Stolz präsentierte die Women’s Tennis Association (WTA), die Vereinigung der Profi-Tennisspielerinnen und Turnierveranstalter, in dieser Woche eine bemerkenswerte Zahl. Von den 18 Teenagern, die in der ersten Hauptrunde der Australian Open standen, hatten elf ihr Auftaktspiel gewonnen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Damit setzte sich ein bemerkenswerter Trend fort. Während bei den Herren das Durchschnittsalter der Spieler, die auf den ersten einhundert Plätzen der Weltrangliste stehen, weiter steigt und mittlerweile bei rund 28 Jahren angelangt ist, sinkt es auf der Gegenseite bei den Damen rapide. Der 20 Jahre alte Australier Bernard Tomic ist der jüngste Spieler unter den Top 100; unter den besten 250 Profis findet sich bei den Männern kein einziger Teenager.

          Das sieht bei den Damen schon ganz anders aus, und in Melbourne waren eine ganze Reihe von Spielerinnen zu begutachten, denen in den nächsten Jahren viel, teilweise sehr viel zugetraut wird. Den größten Eindruck hinterließ die Jüngste, die erst 17 Jahre alte Madison Keys, die in der dritten Runde zwar an der deutschen Weltranglistenfünften Angelique Kerber scheiterte. Die Kielerin aber war heilfroh, mit Glück und Geschick einen dritten Satz verhindert zu haben.

          Bislang auf Platz 109 der Weltrangliste plaziert, wird Madison Keys nach diesen Australian Open vermutlich die 18 Jahre alte Bonnerin Annika Beck als jüngste Spielerin der ersten Kategorie ablösen. Mit ihren kraftvollen Schlägen und ihrem beeindruckenden Aufschlag deutete die Amerikanerin mehr als nur an, wohin ihr Weg führen wird. „Sie hat ein großes Potential und eine große Zukunft vor sich“, sagte Angelique Kerber in der offiziellen Version. „Verdammt, wird die gut“, war die interne Variante.

          Wenn der Schmerz in den Rücken fährt

          Großes Potential, große Zukunft - so wurden in Melbourne einige Spielerinnen eingestuft. Auch die Weltranglistenerste Viktoria Asarenka pries ihre allerdings schon 22 Jahre alte Gegnerin Jamie Hampton, nachdem sie sich arg strecken musste, um die Amerikanerin in drei Sätzen zu besiegen.

          Ob die Zukunft von Jamie Hampton aber so glitzernd sein wird wie von der Weißrussin vorhergesagt, bleibt abzuwarten. Bei den French Open im vorigen Jahr erlitt sie einen Bandscheibenvorfall, und auch in Melbourne fuhr ihr der Schmerz phasenweise bei jedem Schlag in den Rücken. Das hielt sie zwar nicht davon ab, die Weißrussin mit einer ganzen Reihe von direkten Punkten zu schockieren, aber es klingt auch nicht zwingend nach einer langen Karriere.

          Amerikas Hoffnung, Teil zwei: Madison Keys

          Um die Zukunft des Tennis in den Vereinigten Staaten hatte sich lange Zeit nicht nur der amerikanische Verband, sondern vor allem die WTA sorgen müssen. Schließlich sind die Marketingzugpferde, die Geschwister Serena und Venus Williams, schon mehr als 30 Jahre alt, und werden entgegen ihrer Ankündigung vielleicht nicht bis Rio 2016 weiterspielen. Ein Wegbrechen des amerikanischen Marktes nach einem Karriereende der illustren Williams-Familie aber würde die WTA vor gewaltige Probleme stellen.

          Die größte Sorge scheint gebannt - die Dritte im Bunde der amerikanischen Hoffnungsträgerinnen erreichte am Samstag sogar das Achtelfinale. Die 19 Jahre alte und an Position 29 gesetzte Sloane Stephens nähert sich damit einem Platz unter den besten zwanzig Spielerinnen der Welt. So gut waren die Amerikanerinnen schon lange nicht mehr aufgestellt.

          Der kommende Star im Königreich

          Sloane Stephens besiegte in der dritten Runde die 18 Jahre alte Engländerin Laura Robson, die 2008 mit 14 Jahren das Juniorenturnier von Wimbledon gewonnen hatte, seitdem natürlich als kommender Star im Königreich gehandelt wird und nun scheinbar drauf und dran ist, alle hochgesteckten Prognosen tatsächlich zu bestätigen.

          Im vergangenen Jahr gewann sie mit Andy Murray die olympische Silbermedaille im Mixed-Wettbewerb und erreichte mit einem Erfolg über die Chinesin Li Na (damals an Nummer acht der Welt) das Achtelfinale der US Open. Sie wird von Jez Green, dem Fitnesstrainer von Andy Murray, beim Athletiktraining betreut und bewies nun auch in Melbourne nachdrücklich, dass es von Weltranglistenplatz 53 aus nun zügig vorangehen könnte. In der zweiten Runde besiegte sie die Tschechin Petra Kvitova, und die Wimbledonsiegerin von 2011 attestierte ihr danach - na, was wohl: eine große Zukunft.

          Britische Hoffnung: Laura Robson

          Und nachdem das britische Damentennis jahrzehntelang nur durch Erstrundenniederlagen in Wimbledon auffiel, muss Laura Robson die ganze Last der Erwartungen nicht einmal alleine tragen. Die zwanzig Jahre alte Heather Watson, in Melbourne in der dritten Runde an der Weltranglistenvierten Agnieszka Radwanska gescheitert, gewann im vergangenen Jahr als erste Britin seit 24 Jahren ein WTA-Turnier.

          Eine allerdings widersetzte sich dem Jugendtrend. Als Kimiko Date zuletzt in Melbourne das Halbfinale erreichte (1994 gegen Steffi Graf), waren einige ihrer aktuellen Gegnerinnen noch nicht geboren. Die 42 Jahre alte Japanerin machte zwischendurch mal 13 Jahre Pause, kehrte 2009 zurück und wurde nun zur ältesten Siegerin einer Einzelpartie bei den Australian Open. Am Samstag schied sie in der dritten Runde aus - das Durchschnittsalter der Teilnehmerinnen in der zweiten Woche ist nun drastisch gesunken.

          Weitere Themen

          So hatte Beierlorzer das nicht trainiert

          Mangelhafte Mainzer : So hatte Beierlorzer das nicht trainiert

          Das Gute an Geisterspielen ist, dass man sie als potentieller Zuschauer nicht sehen muss. Die Mainzer Fans hätten gegen Leipzig genauso wenig Grund zur Freude gehabt wir Trainer Beierlorzer.

          Rhein-Derby vor leeren Rängen Video-Seite öffnen

          Düsseldorf gegen Köln : Rhein-Derby vor leeren Rängen

          Am Wochenende trifft Fortuna Düsseldorf auf den 1. FC Köln. Doch auch das Rhein-Derby muss in dieser Saison ohne die Fans stattfinden. Doch auch als Geisterspiel sei das Aufeinandertreffen der beiden Vereine etwas Besonderes, wie beide Trainer beteuerten.

          Triumph der Leisen

          DFB-Bundestag : Triumph der Leisen

          Ein überwältigendes Online-Votum: Auch in der dritthöchsten Fußball-Klasse soll der Ball vom 30. Mai an wieder rollen. DFB-Präsident Keller spricht von „gelebter Demokratie“.

          Topmeldungen

          Milliardenhilfe : Gegenwind für die Lufthansa-Rettung

          Nach langen Verhandlungen einigen sich Bundesregierung und Lufthansa auf ein Rettungspaket aus Steuergeldern. Brüssel sagen die Pläne aber nicht zu. Kanzlerin Merkel will kämpfen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.