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Australian Open : Alle Angriffe abgewehrt - bis auf weiteres

Hadern mit britischen Humor: Eines Tages wird Murray gewinnen Bild: AFP

Zum dritten Mal in Serie stehen sich Djokovic und Nadal in einem Grand-Slam-Finale gegenüber. In Melbourne hat sich Murray als neuer starker Rivale ins Spiel gebracht.

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          Eines Tages werde er ein Grand-Slam-Turnier gewinnen, er habe so viel Talent. Das hatten sie immer gesagt, wenn sie ihn gerade wieder einmal besiegt hatten, und so langsam hatte es geklungen, als sagten sie das nur aus Höflichkeit. Andy Murray war in den vergangenen Jahren zwar zu einem der großen vier des Tennissports aufgestiegen, die soviel besser sind als der große Rest, aber als ein vollständiger Teil des Quartetts durfte er sich auch nicht fühlen. Novak Djokovic (4), Rafael Nadal (10) und vor allem Roger Federer (16) haben allesamt Grand-Slam-Titel gewonnen. Und sie standen Murray immer im Wege, ließen ihm nie eine Chance.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Dreimal hat der Schotte das Endspiel eines der vier großen Turniere in Melbourne, Paris, London oder New York erreicht und dabei keinen einzigen Satz gewonnen. Dreimal stand Murray im vergangenen Jahr nach seiner Finalniederlage in Melbourne bei den folgenden Saisonhöhepunkten im Halbfinale - und konnte gerade zwei Sätze für sich entscheiden. Zu gut für den Rest, aber mental schwach für die großen Schlachten auf dem Tennisplatz - wer so dachte über Murray, konnte das gut mit Ergebnissen belegen. Am Freitag scheiterte er im Halbfinale der Australian Open wieder einmal, diesmal am Weltranglistenersten Novak Djokovic. „Es gibt keinen Grund, warum er nicht bald ein Grand-Slam-Turnier gewinnen sollte“, sagte der Serbe danach. Dieselben Worte also wie immer, und doch klangen sie diesmal anders. Denn Murray wird eines Tages sein erstes Grand-Slam-Turnier gewinnen, daran zweifelte nach diesem Halbfinale niemand mehr.

          4:50 Stunden hatte dieses faszinierende Schauspiel gedauert, und schon das Ergebnis von 6:3, 3:6, 6:7, 6:1 und 7:5 belegt, dass dieser Abend alle in ein Wechselbad der Gefühle stürzte. Djokovic, der an diesem Sonntag (9.30 Uhr/Eurosport) nun zum dritten Male nacheinander in einem Grand-Slam-Finale auf Rafael Nadal trifft, machte danach gar nicht erst den Versuch, unbezwingbare Stärke zu demonstrieren. „Es war Glück, nichts anderes als Glück. Andy hätte genauso gut gewinnen können.“

          Murray war diesem Sieg so nah wie bei all seinen Versuchen nicht gekommen, er hatte den Erfolg beinahe sogar schon schmecken können. Nachdem der Schotte im fünften Satz einen 2:5-Rückstand wettgemacht und zum 5:5 ausgeglichen hatte, erspielte er sich drei Breakbälle - mal fehlten hier ein paar Zentimeter, mal dort. Djokovic gewann, aber Murray verlor nicht - dieser Abend war nicht nur für Niederlagen gedacht, er war nichts anderes als die Geburtstunde eines kommenden Grand-Slam-Siegers.

          Erleichtert und erschöpft: Djokovic will seinen Titel verteidigen

          Vielleicht muss man diesen ganz speziellen britischen Humor und diesen Hang zum Understatement haben, um ein derart nervenaufreibendes Duell auf dem Tennisplatz, bei dem allein das erste Spiel des 88-minütigen dritten Satzes 18 Minuten dauerte, so zu kommentieren, wie es Murray hinterher tat. „Es war offensichtlich ein sehr gutes Spiel“, war der erste Satz, der dem Schotten zu dieser Sternstunde einfiel.

          Humor und Hunger wie Lendl

          Seine Pressekonferenzen sind nicht direkt vergnügungssteuerpflichtig, was ihm den Ruf eingebracht hat, langweilig zu sein. Ein Vorurteil, das einst auch Ivan Lendl anhaftete, dem neuen Trainer des Schotten. „Andy hat den gleichen Humor wie ich“, sagt der ehemalige Weltranglistenerste, der aber noch viel mehr Gemeinsamkeiten entdeckt hat: „Er hat den gleichen Hunger auf Erfolg, wie ich ihn hatte, und er ist bereit, dafür so hart zu arbeiten, wie es nötig ist.“ Murray hatte Lendl verpflichtet, um die letzten paar Prozent herauszukitzeln, die ihm stets gefehlt hatten, und die beiden scheinen auf einem guten Weg zu sein. „Er hat mir vor ein paar Tagen gesagt: Die entscheidenden Punkte des Spiels würden ausgespielt werden, wenn ich völlig ausgelaugt wäre und die Beine sich anfühlten, als würden sie brennen“, erzählte Murray.

          Fit und forsch: Nadal will seine Niederlagenserie gegen Djokovic beenden

          Das sah auch Djokovic trotz seines Finaleinzugs nicht anders: „Er war immer schon ein perfekter Spieler, aber jetzt ist er bereit.“ Djokovic, Nadal und Federer haben - mit der Ausnahme des Sieges von Juan Martin Del Potro bei den US Open 2009 - seit den Australian Open 2005 (Marat Safin) stets die Trophäen bei den vier großen Tennisturnieren hochgehalten, doch wenn nicht alle Anzeichen trügen, werden sie demnächst lernen müssen, die Beute zu teilen. „Andy kann am Ende der Saison die Nummer eins sein, daran habe ich keinen Zweifel“, sagt Rafael Nadal über den aktuellen Weltranglistenvierten.

          Der Spanier, der im vergangenen Jahr in sechs Endspielen sechsmal gegen Djokovic verlor, könnte an diesem Sonntag von der Vorleistung des Schotten profitieren. „Für mich geht es nur darum, mich bis Sonntag so gut wie möglich zu erholen“, sagte Djokovic. Einer der entscheidenden Gründe seines Erfolgs im vergangenen Jahr war seine überragende physische Verfassung gewesen. Nachdem eine Glutenunverträglichkeit festgestellt worden war, hatte er seine Ernährung umgestellt, und die Atemprobleme, die ihn zuvor mitunter behindert hatten, verschwanden.

          Doch in Melbourne wirkte Djokovic sowohl im Viertelfinale gegen David Ferrer als auch im Halbfinale gegen Murray zwischenzeitlich ungewöhnlich erschöpft. „Ich habe wie einige Spieler in diesem Jahr in Australien mit irgendeiner Allergie zu kämpfen und bekomme nicht richtig Luft durch die Nase“, sagte Djokovic. All das wird Nadal, der in den direkten Duellen 16:13 führt und bis zum heutigen Finale einen Tag länger Pause hatte, aufmerksam verfolgt haben. Aber auch der spanische Weltranglistenzweite weiß eines genau: Sein Gegner an diesem Sonntag ist nicht nur in Werbespots ein glänzender Schauspieler.

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