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Auma Obama im Gespräch : „Sport ist unser Köder“

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Mitten in Afrika: Auma Obama kooperiert mit etwa 35 Organisationen, die mit einigen tausend Kindern und Jugendlichen arbeiten Bild: CARE

Für „Care International“ koordiniert Auma Obama die „Sports for Social Change Initiative“. Im Interview mit FAZ.NET spricht die Schwester des amerikanischen Präsidenten Barack Obama über Hilfsprojekte für Afrikas Kinder und die Botschaft ihres Bruders.

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          Die Kenianerin Auma Obama ist Germanistin, studierte in Heidelberg, promovierte in Bayreuth und besuchte in Berlin die Deutsche Film- und Fernsehakademie. Sie betätigte sich in der politischen Erwachsenenbildung, bevor sie, nun in England, Weiterbildung für Kinder und Jugendliche anbot. Seit bald zwei Jahren koordiniert die Schwester des amerikanischen Präsidenten Barack Obama von Nairobi aus für die Hilfsorganisation Care International die „Sports for Social Change Initiative“. Im FAZ.NET-Interview spricht Auma Obama über über ihre Hilfsprojekte für Afrikas Kinder und die Botschaft ihres Bruders.

          Ihr Bruder beschreibt Sie in „Dreams From My Father“ als rastlos, unabhängig, als ständig dabei, sich in die Zukunft zu stürzen - all dies sei der Familie irgendwie unnatürlich, unafrikanisch vorgekommen. Hat Sport Sie das gelehrt?

          Das soll mein Bruder geschrieben haben? Ich bin unafrikanisch. Was ist afrikanisch?

          „Wer spielt, kann nicht wirklich unglücklich sein”: Fußball in einem Slum in Nairobi
          „Wer spielt, kann nicht wirklich unglücklich sein”: Fußball in einem Slum in Nairobi : Bild: CARE

          Das Klischee sagt, Afrikaner lebten im Heute und dächten nicht an die Zukunft.

          Das ist furchtbar und falsch. Und man schert alle Afrikaner über einen Kamm. Arme müssen schon deshalb an heute denken, weil sie nicht wissen, woher sie die nächste Mahlzeit für sich und ihre Familien bekommen. Alle Afrikaner, die ich kenne, sind hoch motiviert und teilweise sehr gut ausgebildet - eben weil sie an morgen denken. Als ich in England gearbeitet habe, habe ich Kinder - und Erwachsene - erlebt, die wirklich nur an heute denken. In Deutschland hatte ich Kommilitonen, denen war morgen egal, die lebten nicht mal für heute: diese Null-Bock-Generation. Wer Afrikanern pauschal vorwirft, sie dächten nicht an morgen, missversteht die Lebensumstände der Menschen auf diesem riesigen Kontinent. Noch dazu ist das überheblich und respektlos. Erstaunlicherweise höre ich selbst in der Entwicklungshilfe solche Vorurteile. Sie bestimmen sogar Politik.

          Unter dem Slogan „Sport für Sozialen Wandel“ stehen Projekte von Gesundheitserziehung über Aids-Aufklärung bis zur Integration. Sind Sie die Initiatorin?

          Ich kooperiere mit etwa 35 Organisationen, die mit einigen tausend Kindern und Jugendlichen arbeiten. Es gab sie alle schon, bevor ich auftauchte. Die Organisation der Marathonläuferin Tegla Loroupe gehört zu unserem Netzwerk. Sie baut eine Schule und organisiert Läufe für den Frieden. Mathare Youth Sports Association in Nairobi, MYSA, ist Mitglied. Sie haben ein Team in der ersten Liga, alle denken bei ihnen an Fußball. Aber sie machen auch Gesundheitserziehung, Kurse in Umweltschutz, Fotografie und Theater. Es geht nicht darum, dass alle gute Fußballer werden, sondern dass sie sich engagieren und ihrer Gemeinschaft etwas geben. Eine Organisation in islamischem Gebiet an der Küste bringt Mädchen zum Fußballspielen. Sie heißt „Moving The Goalpost“. Sie lernen ihren Körper zu schätzen und zu schützen, und sie lernen, „nein“ zu sagen. Ich helfe dabei, dass diese Organisationen sich besser organisieren und zusammenarbeiten.

          Was macht diese Projekte besonders?

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