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Auf den Spuren der Wunderläufer : Kenias Geheimnisse

  • -Aktualisiert am

Mit kenianischen Langstreckenläufern kann niemand mithalten Bild: AFP

Der Schwabe Marcel Fehr ist mit seinen 19 Jahren ein großes deutsches Nachwuchstalent im Mittel- und Langstreckenlauf. In Kenia begibt er sich auf die Spuren der Wunderläufer.

          Der Schwabe Marcel Fehr gilt mit seinen 19 Jahren als ein großes deutsches Nachwuchstalent im Mittel- und Langstreckenlauf. Immerhin wurde er souverän deutscher Jugendmeister über 3000 und 5000 Meter. Und wer seine 800-Meter-Bestzeit von 1:48,84 Minuten hört, hebt schon einmal die Augenbrauen. Für den wachen Jugendlichen spricht, dass er nach bestandenem Abitur den Schluss zog, zunächst einmal ein Jahr auf die Karte Profitum zu setzen und sich im Land seiner stärksten Gegner umzuschauen. Also flog er am 9. November für vier Wochen ins kenianische Hochland, zusammen mit seinem Heimtrainer Uwe Schneider.

          Auf der Kazi-Mingi-Farm der Lauflegende Kipchoge Keino bei der Stadt Eldoret schlugen die beiden ihr Quartier auf. Dabei waren sie sich sicher, den Geheimnissen der kenianischen Erfolge hart auf der Spur zu sein. Auf der Spur der sogenannten Wunderläufer. Kaum waren sie in der Höhe von mehr als 2100 Meter akklimatisiert, schauten sie auch bei Bruder Colm O’Connell im vierzig Kilometer entfernten Städtchen Iten vorbei, bei dem inzwischen 63 Jahre alten Iren. Ihm war das Kunststück gelungen, in Wilson Kipketer und David Rudisha die beiden vergangenen 800-Meter-Weltrekordhalter herauszubringen. Eine größere Kompetenz kann die Leichtathletik kaum bieten.

          Ideale Voraussetzungen

          Und was sagte Colm bei ihrer ersten Begegnung? „Wenn du glaubst, es gibt ein kenianisches Geheimnis, dann hast du schon verloren.“ Dabei sah er Fehr von oben nach unten an, nachdem er dessen erste Trainingseinheit neugierig beobachtet hatte. Er sah einen 1,80 Meter großen und sehr schlanken jungen Mann. Mit seinem Last-Kraft-Verhältnis hätte er auch ein kenianischer Läufer sein können. Ideale Voraussetzungen. Dabei ist er kein früherer Nomade. Colm lud Fehr in sein Haus ein und ermunterte ihn ein paar Tage später sogar, solange zu bleiben, wie er wolle. Seiner kleinen Gruppe gehören neben Rudisha auch Augustine Choge und Iaak Songok an, die Nummern eins, 13 und sechs der „ewigen“ Weltranglisten. Mit Zeiten von 1:41,01 Minuten über 800 Meter, 3:29,49 über 1500 Meter und 12:48,66 über 5000 Meter. Als Deutscher muss man da schlucken.

          Weshalb wollte der Ire vom Bruderorden St. Patrick sich Fehrs annehmen? In seiner Diplomarbeit in Geographie beschäftigte er sich mit dem Rhein. Später, im Jahr 1984, machte er sein Leichtathletiktrainer-Diplom bei dem Heidelberger Entwicklungshelfer Walter Abmayer. Genauso wie Jimmy „Simba“ Beauttah. Der Kenianer leitet das gemeinsame Höhentrainingslager des Internationalen Olympischen Komitees und des Weltverbands der Leichtathleten (IAAF). Es liegt auch auf der Kazi-Mingi-Farm, und Fehr hat dorthin nur 300 Meter Fußweg. Simba brachte unter anderen Moses Kiptanui und Daniel Komen zur Weltklasse. Der Erste durchbrach die Acht-Minuten-Grenze über 3000 Meter Hindernis, und der zweite hält schon im 15. Jahr den 3000-Meter-Weltrekord in der Zeit von 7:20,67 Minuten.

          Leistungshoch mit 25 Jahren

          Der Gedanke drängt sich auf, dass da zwei Männer am Äquator womöglich deutschfreundliche Gefühle haben. Auch Simba beschäftigte sich eingehend mit Fehr. Besonderen Wert legte er auf das technische Laufen. Seine Korrekturen nahmen kein Ende. Abends nach dem Essen fachsimpelten die Trainer. Schneiders Erkenntnis: Die im Training gelaufenen Zeiten sind nicht so wichtig. „Du musst dem Athleten in die Augen schauen“, sagte Simba. Darin spiegele sich schnell jede Überforderung.

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