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Attaque : Trübes Glas

  • -Aktualisiert am

Attaque – hier wird angegriffen! Bild: F.A.Z.

Der „gläserne Athlet“ kommt in Mode. Total überwacht wollen vor allem Sportler aus solchen Disziplinen sein, die als dopinganfällig gelten. Bei Linus Gerdemann konnte man das noch verstehen. Stefan Schumacher erntet hingegen Hohn und Spott.

          Wir sind ja alle mehr oder weniger transparent, gläsern, so könnte man auch sagen. Wir haben nur noch wenig Geheimnisse, sind durchschaubar für alle Welt, auch für Leute, die es nicht unbedingt gut mit uns meinen. Die Schufa kennt unsere finanzielle Lage, in sozialen Netzwerken geben wir freiwillig selbst Intimstes von uns preis, die Kreditkartenunternehmen kennen unsere Konsumgewohnheiten, die GfK unsere Fernseh-Vorlieben, unsere SMS-, Handy- und E-Mail-Verbindungen werden in Vorratsdatenspeicher eingestellt.

          Der „gläserne Athlet“, von dem immer wieder die Rede ist, scheint gut in diese Zeit zu passen, in der fast alles öffentlich ist und nur noch wenig privat bleibt. Gläsern, also total überwacht, wollen vor allem Sportler aus solchen Disziplinen sein, die als besonders dopinganfällig gelten und in denen deshalb ein zerstörerischer Generalverdacht herrscht. Als gläserner Athlet, so die Hoffnung, könne man bei Publikum, Medien und Sponsoren Sympathie- und Vertrauenspunkte gewinnen.

          Der deutsche Radprofi Linus Gerdemann bot schon im Frühjahr an, sich rund um die Uhr observieren zu lassen. Er sei auch bereit, seine Hotelzimmer während der Tour de France als eine Art Gefängniszelle zu betrachten, damit die Kontrolleure sicherstellen könnten, dass er nicht Dopingsubstanzen in seinen Privatbereich schaffe. Rührend hilflos dieser Versuch, weil nicht realisierbar.

          Während Gerdemann, der noch nie des Dopings überführt worden ist, für sein Angebot zumindest nicht ausgelacht wurde, erntet Stefan Schumacher mit einer vergleichbaren Offerte Hohn und Spott. Er hat vor zwei Jahren für einen veritablen Dopingskandal gesorgt (Nachkontrollen zur Tour und zu Olympia brachten positive Tests auf die Epo-Variante Cera), und schon zuvor überschatteten viel zu viele Merkwürdigkeiten seine Karriere.

          Natürlich hat Schumacher, dessen Sperre bald ausläuft, sich stets als unschuldig bezeichnet, die dunklen Kapitel wollte er nie erhellen. Was also würde ein vorgeblich gläserner Schumacher bringen? Wir wollen auch gar nicht in solch einen Athleten hineinblicken können. Es würde uns doch nur den letzten Spaß am Sport nehmen.

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