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Attaque : Schach braucht mehr

  • -Aktualisiert am

Attaque – hier wird angegriffen! Bild: F.A.Z.

Zweieinhalb Wochen Aufmerksamkeit alle zwei Jahre sind zu wenig. Ein funktionierender Weltverband wäre in der Lage, jedes Jahr eine Schach-WM auf die Beine stellen. Doch die Fide ist zu einem korrupten Chaos-Verein degeneriert.

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          Aufregend und abwechslungsreich war’s zwischen Anand und Topalow. Der Bessere hat gewonnen. Mehr kann man von einem Schachzweikampf nicht erwarten. Zwei Jahre darf sich Anand auf seinem Titel ausruhen. So lange wird das Spiel in der Versenkung verschwinden. Weil sein WM-System von gestern ist.

          Zweieinhalb Wochen WM alle zwei Jahre sind zu wenig. Schließlich ist sie das größte Pfund, mit dem Schach um Aufmerksamkeit wuchert. Erfunden wurde der Titel 1883 von zwei Berufsspielern, die ihren Zweikampf vermarkten wollten. Er war quasi Privatbesitz des jeweiligen Champions, der seine Herausforderer in Abwägung zwischen Verdienstmöglichkeit und Verlustrisiko bestimmte. Als Aljechin 1946 starb, nahm der Weltschachbund (Fide) die Sache in die Hand. In einem Fünferturnier wurde ein Nachfolger bestimmt. Dann ging es zurück zu Zweikämpfen, aber mit einem Regelwerk, nach dem sich die Herausforderer fortan sportlich qualifizierten. WM-Duelle blieben eine sowjetische Affäre, bis sie der Amerikaner Fischer politisch auflud.

          Sportlich ging in Ordnung, dass der Weltmeister sich höchstens alle zwei Jahre zum Zweikampf stellt, so lange ein oder zwei Protagonisten die Konkurrenz dominierten, wie Kasparow in den Neunzigern oder zusammen mit Karpow in den Achtzigern. Seit Kasparows Abtritt gibt es keinen herausragenden Spieler mehr. Der Name an der Weltranglistenspitze hat mehrmals gewechselt. Anand konnte zuletzt, wenn es um den Titel ging, stets seine beste Form abrufen. Doch mehr Turniere gewannen Topalow und Aronjan, Kramnik, seit er nicht mehr Weltmeister ist, und neuerdings Carlsen. Die nächste Chance kommt erst 2011. Angesichts der Ausgeglichenheit ist das absurd. Ein funktionierender Weltverband wäre in der Lage, jedes Jahr eine Qualifikation und eine WM auf die Beine stellen. Doch die Fide ist zu einem korrupten Chaos-Verein degeneriert – und gerade dabei, die sportliche Zukunft wieder zu verspielen. Nun will die Fide Anands Herausforderer in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku ermitteln lassen. Der Armenier Aronjan könnte dort nicht antreten.

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