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Gerry Weber Open : Außerirdische zu Besuch in Halle

  • -Aktualisiert am

Aus der Nähe betrachtet, entpuppt sich das Gerry-Weber-Stadion als ein Vergnügungstempel für Einheimische Bild: Picture-Alliance

Die Gerry Weber Open gehören zu den wichtigen Tennisturnieren der ATP Tour. Seit 25 Jahren spielt sich dort großes Tennis ab. Was hat das Turnier aber über die Jahre zum großen Erfolg gemacht?

          Aus der Ferne wirkt der gigantische Bau wie ein Monolith, den Außerirdische in die Landschaft gesetzt haben. Aus der Nähe betrachtet, entpuppt sich das Gerry-Weber-Stadion als ein Vergnügungstempel für Einheimische. Die Gerry Weber Open in der Gerry-Weber-Stadt Halle/Westfalen, in der das Gerry-Weber-Modeunternehmen beheimatet ist, gehört zu den wichtigen Tennisturnieren der ATP Tour. Nach den vier Grand Slams und den neun Masters zählt es zur 500er-Kategorie, für die nur 13 Veranstaltungen die Zulassung haben. Hier spielt sich seit 25 Jahren wirklich großes Tennis ab, mit Stars wie Boris Becker, Michael Stich, Andre Agassi, Novak Djokovic und natürlich Roger Federer, der Halle seit vielen Jahren verbunden ist.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Was die Gerry Weber Open aber über die Jahre zum großen Erfolg gemacht hat, ist die Heimatverbundenheit und Volkstümlichkeit: Nicht nur wegen der Stars, die Weltklassesport zelebrieren, pilgern beständig Jahr für Jahr um die 100.000 Zuschauer auf die Anlage, in diesem Jahr wird mit 110 000 Besuchern ein Rekord angestrebt. Es ist das Gemeinschaftserlebnis, wie es Besucher einer Kirmes oder eines Weihnachtsmarktes erhoffen dürfen. Es ist der alljährliche Treffpunkt mit Freunden und Bekannten, die man das ganze Jahr über nicht gesehen hat. Das kulinarische Angebot ist so groß, dass die Gäste sich einen ganzen Tag durchfuttern können, ohne zweimal das Gleiche zu essen.

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          Meeresfrüchte, Fischfeinkost, westfälischer Landschinken, Bratwurst, Steaks, Pizza, mediterrane Küche, für jeden Geschmack ist etwas dabei, genauso, wenn es um geistige Getränke geht. Vor allem: Es gibt genug Bänke für ein gemütliches Beisammensein. Dazu bietet dieses Tennisturnier ein Rahmenprogramm wie kein anderes: Modenschauen, Kinderattraktionen, Marketing- und Werbeaktionen, jeden Abend Konzerte nach dem letzten Ballwechsel. Man muss kein Tennisfreund sein, um einen Tag im Gerry-Weber-Stadion zu verbringen. Tennistainment heißt das Schlagwort.

          Die Westfalen kommen in Scharen. „Wir waren bei Gerry Weber“, sagen sie auf dem Nachhauseweg. Die Identifikation mit dem Unternehmer aus Halle ist riesengroß. Weber baute nach dem Zweiten Weltkrieg sein Mode-Imperium auf, galt als Patriarch im besten Sinne, als Chef, der an seine Mitarbeiter und seine Nachbarn denkt. Seit drei Jahren führt sein Sohn Ralf die Geschäfte.

          Die beiden waren schon immer begeisterte Tennis-Fans. Irgendwann entstand die Idee, ein westfälisches Wimbledon zu etablieren. Eine Schnapsidee, wie viele meinten. Aber mit großer Leidenschaft und Hartnäckigkeit sowie riesigem finanziellen Einsatz stampften die Webers das Projekt aus dem Boden. Über die Baukosten und die weiteren Anschubfinanzierungen wurden nie Zahlen veröffentlicht, aber selbst vorsichtige Schätzungen sprechen von einem niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Und die Anlage wurde ständig ausgebaut und verbessert. Nachdem gleich im Premierenjahr 1993 ein ganzer Spieltag dem Regen zum Opfer fiel, gab es schon 1994 ein bewegliches Dach.

          In 88 Sekunden lässt es sich schließen. Zur Handball-WM 2007 wurde das Tennisstadion mit der Infrastruktur und den Funktionsräumen einer Veranstaltungshalle aufgerüstet. In Halle spielten Elton John und Lionel Richie, Opern werden aufgeführt, Volleyball-Länderspiele ausgerichtet und andere Sportereignisse veranstaltet. Ob sich die Gerry-Weber-Arena als Veranstaltungsort trägt oder gar auszahlt, ist ein Betriebsgeheimnis. Das Tennisturnier soll schwarze Zahlen schreiben, so sagt es Ralf Weber, Unternehmenschef und Turnierdirektor. Mit dem Aufstieg in die 500er-Kategorie der ATP hätten sich die Fernsehreichweiten drastisch erhöht, wodurch die Sponsoreneinnahmen deutlich gestiegen seien.

          „Wir haben mehr als 40 renommierte Partner, die werblich präsent sind, und unsere 100 Logen sind komplett vermarktet. Obwohl wir ein Preisgeld von fast zwei Millionen Euro haben, stehen wir wirtschaftlich exzellent da“, sagte Ralf Weber in einem Interview mit der „Westfälischen Rundschau“. Hauptsponsor ist der Modekonzern, der seine unterschiedlichen Marken präsentiert und fünf Millionen Euro jährlich zahlt. Kürzlich wurde ein neuer Fünfjahresvertrag unterschrieben.

          Die Geschichte der Gerry-Weber-Open ist nach 25 Jahren also noch lange nicht zu Ende. Sie ist untrennbar mit Roger Federer verbunden, der seit mehr als zehn Jahren hier aufschlägt und nach dem aus Dankbarkeit eine Straße benannt worden ist. Der Schweizer soll Botschafter der Veranstaltung bleiben, wenn er demnächst einmal seine Karriere als Spieler beenden wird. Neues Zugpferd auf dem Rasen soll Alexander Zverev werden. Die große deutsche Tennishoffnung bestätigte am Mittwoch ihren Höhenflug mit einem lockeren 6:3-, 6:4-Achtelfinalsieg über Philipp Kohlschreiber. Sie bauen vor in Halle: Ralf Weber sagt, die Verhandlungen über eine langjährige Zusammenarbeit stünden vor dem Abschluss.

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