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ATP Finals : Nadals letzte Lücke im Lebenslauf

Klappt es in diesem Jahr? Rafael Nadal hat die ATP Finals bislang noch nicht gewinnen können. Bild: Reuters

Rafael Nadal hat in seiner Tennis-Karriere fast alles gewonnen – nur ein Titel fehlt. Bei den ATP Finals in London will er diesen Makel endlich beseitigen. Doch der fehlende Triumph hat einen entscheidenden Grund.

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          Es ist nahezu unmöglich, in einer Sportler-Vita wie der von Rafael Nadal noch Lücken ausmachen zu wollen. Schließlich hat der Spanier im Grunde alles gewonnen, was es im Tennis zu gewinnen gibt – und das mehrfach. 20 Grand-Slam-Siege machen ihn gemeinsam mit Roger Federer zum Rekordsieger bei den vier wichtigsten Turnieren der Branche. Wobei er durch Siege bei Australien, US und French Open sowie in Wimbledon als einer von nur acht Spielern einen Karriere-Slam vorweisen kann. Er gewann olympische Goldmedaillen im Einzel und im Doppel, fünfmal den Davis Cup mit Spanien, 35 Turniere der Masters-Kategorie. Dazu stand Nadal in der Weltrangliste bislang 209 Wochen an Position eins.

          Und doch ist da noch ein letzter Makel in seiner ansonsten kompletten Erfolgssammlung. Ein Titel, ein prestigeträchtiger obendrein, der sich bisher noch stets seinem Zugriff entzog. Die ATP Finals, jenen traditionellen Saisonabschluss für den sich nur die acht Besten eines Tennis-Jahres qualifizieren, hat Nadal noch nie gewinnen können. Am nächsten dran war er in den Jahren 2010 und 2013, als er jeweils im Finale verlor. Regelmäßig hat er danach auf eine Teilnahme verzichtet. Mal verletzt, mal erschöpft von den Strapazen einer langen Saison. Die Finals, das war einfach nicht Nadals Turnier. Es genoss nicht den höchsten Stellenwert in seinem Karriere-Plan.

          Und so bedeutet das Halbfinale an diesem Samstag, das Nadal durch einen hart erkämpften 6:4, 4:6, 6:2-Erfolg gegen den griechischen Vorjahreschampion Stefanos Tsitsipas erreichte, seine erste Teilnahme an der K.o.–Runde des Turniers seit fünf Jahren. Im Kosmos eines Dauergewinners wie Nadal ist dies eine schier endlos lange Zeit. Sein Gegner ist der Russe Daniil Medwedew. Spätestens mit dem Turniersieg beim letzten Masters-Event des Jahres Anfang November in Paris ist dieser zu einem der heißesten Sieganwärter aufgestiegen. „Ich freue mich darauf, gegen den vermutlich besten Spieler der vergangenen Wochen zu spielen“, sagte Nadal. „Das wird eine unglaubliche Herausforderung.“

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          Bislang hat Nadal in allen drei Vergleichen mit Medwedew die Oberhand behalten. Großes Tennis-Spektakel boten die beiden dabei fast jedes Mal. Das mitreißendste Duell lieferten sie sich im Vorjahr bei den US Open, wo Nadal in einem denkwürdigen Fünfsatzmatch Medwedews Angriff abschmetterte. Bei den Finals gelang ihm dann wenige Wochen später in der Gruppenphase ein bemerkenswertes Comeback nach 1:5-Rückstand im dritten Satz. Das seien aber andere Voraussetzungen gewesen, mahnte Nadal nun. Denn anders als im Vorjahr zeige der Russe diesmal keinerlei Anzeichen, mental ausgelaugt zu sein.

          Das gilt allerdings auch für Nadal, dessen bisherige Auftritte in London viele Beobachter für das Beste halten, was er bei den Finals in der o2-Arena von London bis dato gezeigt hat. Und das obwohl er in der Gruppenphase gegen US-Open-Sieger Dominic Thiem bereits eine Niederlage hinnehmen musste. Die war allerdings auf derart hohem Niveau, dass sie kaum als Rückschlag gewertet werden kann. Nadal selbst beschwichtigt dennoch: „Ich habe auch schon in der Vergangenheit großartige Turniere hier gespielt“, sagte er. „Manchmal spielt man gut und gewinnt trotzdem nicht.“

          Nadals Zurückhaltung ist nachvollziehbar. Denn dass ausgerechnet der ATP-Finals-Titel ihm auch im Alter von 34 Jahren als quasi einziger noch immer fehlt, hat einen entscheidenden Grund: Der „Stier von Manacor“ braucht Auslauf, Nadals Spiel funktioniert im Freien am Besten. Von den 86 Turniersiegen im Laufe seiner Karriere, holte er gerade zwei bei einem Hallen-Event. Einen vor sieben Jahren in Sao Paulo, einen vor sage und schreibe 15 in Madrid. „Die Zahlen sind eindeutig“, sagte er jüngst. „Ich habe natürlich nicht so viele Turniere drinnen wie draußen gespielt. Aber es stimmt natürlich, dass die Untergründe nicht perfekt zu meinem Spiel passen.“

          Auf höchstem Niveau ist Tennis eben ein Sport, in dem die Spielerinnen und Spieler extrem sensibel auf Umweltbedingungen reagieren. Und in der Halle sind diese andere als im Freien. Die Beläge sind häufig noch ein bisschen schneller. Äußere Faktoren wie Wind, Luftfeuchtigkeit oder Regen, die normalerweise großen Einfluss beispielsweise auf die Bälle haben, zudem quasi ausgeschaltet. Insgesamt passt diese Mixtur für Nadal weniger gut als andere. Wobei er sich davon in diesem Jahr nicht aufhalten lassen will. „Ich habe im Laufe meiner Karriere bewiesen, dass ich jeden Spieler auf jedem Belag schlagen kann. Oder etwa nicht?“, fragte er in London rhetorisch und beinahe ein wenig schnippisch. Die letzte Lücke im Lebenslauf des Rafael Nadal, sie soll schon bald geschlossen sein.

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