https://www.faz.net/-gtl-9t4ws

Tennis-Finale der Männer : Die unerwartete Erfolgsgeschichte in London

  • -Aktualisiert am

Spektakel in London: Alexander Zverev gewann 2018 die ATP Finals. Bild: AFP

Die Skepsis war enorm, als das Saisonfinale im Männer-Tennis nach London kam. Zehn Jahre später ist alles anders. Das Publikum ist großartig. Dennoch wird es 2021 wieder einen Ortswechsel geben.

          2 Min.

          Selbst Menschen mit Sachverstand liegen manchmal daneben. Als die ATP Tour mit ihrem Saisonfinale vor zehn Jahren nach Europa zurückkehrte, genauer gesagt nach London, da war Großbritanniens Bester skeptisch. „Ich glaube nicht“, sagte Andy Murray damals, „dass das Interesse so wie in Wimbledon sein wird. Das Turnier findet ja zum ersten Mal in London statt, und ich schätze, man wird dem Publikum erst beibringen müssen, wie wichtig es ist.“ Doch am neuen Ort entwickelte sich eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte, vom ersten Tag an. Die riesige, blau beleuchtete O2-Arena war an vielen Spieltagen ausverkauft, nach den zunächst geplanten fünf Jahren wurde der Vertrag verlängert, und so können sie an diesem Sonntag zum Beginn der Finals ein Jahrzehnt Elitetennis an der Themse feiern.

          Mit einem Turnier, das geographisch einseitig besetzt ist wie nie zuvor in der fast 50 Jahre währenden Geschichte mit wechselnden Namen. Zunächst, von 1970 an, hieß das Ding Masters Grand Prix, dann folgte die Dekade der ATP-Weltmeisterschaft in Frankfurt und Hannover, von 2000 an war es der Masters Cup, von 2009 bis 2016 die World Tour Finals, und nun geht es zum dritten Mal um den Titel der ATP Finals. Mit acht Kandidaten im Einzel aus Europa – aus Spanien, Serbien, der Schweiz und Russland, aus Österreich, Griechenland, Deutschland und Italien. Ohne die Vereinigten Staaten oder Kanada, ohne Südamerika, ohne Japan.

          Und es ist eine vergleichsweise jugendliche Kombination mit vier Spielern, von denen keiner älter als 23 ist: Daniil Medwedew, Stefanos Tsitsipas, Titelverteidiger Alexander Zverev und Italiens Bester Matteo Berrettini, der sich vor einer Woche als Letzter qualifizierte. Dominic Thiem aus Österreich liegt mit 26 im Mittelfeld, die großen drei an der Spitze sind bekanntlich schon ein wenig älter: Novak Djokovic ist 32, Rafael Nadal 33, Roger Federer 38. Als der Meister aus der Schweiz anno 2003 auf dem leicht abschüssigen Centre Court des Westside Tennis Club in Houston/Texas den ersten seiner sechs Titel beim Turnier der Besten gewann, war das Quartett der Jungen gerade eingeschult. Zehnmal landete Federer im Finale der Finals, einmal öfter als Ivan Lendl in den achtziger Jahren und zweimal öfter als Boris Becker zwischen 1985 und 1996.

          Alexander Zverev brachte im vergangenen Jahr das Kunststück fertig, Samstagabend im Halbfinale gegen Roger Federer zu gewinnen und Sonntagabend nach einem unwiderstehlichen Auftritt im Finale gegen Novak Djokovic, und selbst mit dem Abstand eines Jahres kommt einem dieser Coup, der bis dato größte seiner Karriere, nahezu unglaublich vor. Aber auf einer etwas anderen Ebene ist es fast genauso bemerkenswert, dass Zverev nach zehn wechselvollen, oft genug verwirrenden und mit allerlei Prüfungen vollgestopften Monaten auch diesmal wieder dabei ist, zum dritten Mal.

          In diesem vorletzten Jahr in der O2-Arena – von 2021 an findet das Turnier in Turin statt – ist der deutsche Beitrag allerdings ohnehin nicht zu übersehen. Zum ersten Mal in der Geschichte des Turniers ist ein deutsches Doppel qualifiziert – Kevin Krawietz und Andreas Mies, die Sieger der French Open in Paris, für die das traumhafte Jahr auf ebenso traumhafte Art in der blauen Lagune in die vorletzte Runde geht. Die letzte wird in der Woche danach in Madrid folgen, bei Endrunde des neuen Davis Cups mit Team Deutschland. Aber jetzt ist erst mal London dran; mit seinem großartigen Publikum, das sehr wohl von Anfang an wusste, was es an diesem Turnier hat.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Freie Fahrt? Auf Deutschlands Autobahnen wartet die „größte Verwaltungsreform seit Jahrzehnten“.

          Autobahnen : Besser als Google Maps

          Bald übernimmt der Bund Planung, Bau und Betrieb der Autobahnen. Anfang 2020 beginnt ein erster Härtetest: Eine Verwaltung, die sich Jahrzehnte eingespielt hat, wird durcheinandergewirbelt. Wird alles klappen?
          Die Dividenden ersetzen die Zinsen nicht.

          Die Vermögensfrage : Die Dividende ist nicht der neue Zins

          In Zeiten abgeschaffter Zinsen werden neue Anlagemöglichkeiten gesucht und gefunden: die Dividende. Ein guter Tausch? Dividendentitel können ein attraktiver Bestandteil der eigenen Aktienanlagestrategie sein, den Zins aber ersetzen sie nicht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.