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ATP Finals in London : Dieser Titel fehlt Nadal noch

  • -Aktualisiert am

Rafael Nadal: Die Bauchmuskelverletzung behindert ihn vor allem beim Aufschlag. Bild: Reuters

Rafael Nadal und das Turnier der besten acht – bisher eine Geschichte ohne Happy End. Vor 13 Jahren war der Spanier zum ersten Mal dabei. Aber auch diesmal stehen die Vorzeichen ungünstig.

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          Der Begriff Prozenttennis ist schon eine Weile im Spiel. Er stammt aus der taktischen Abteilung und beschreibt den Versuch, unnötige Fehler zu vermeiden und das Risiko in den Schlägen auf eine bestimmte Erfolgsquote zu reduzieren – natürlich weiß auch Rafael Nadal, was das ist. Doch in den vergangenen Tagen, vor den ersten Spielen der ATP-Finals, tauchte der Name des Spaniers in einem anderen Zusammenhang zu den Prozenten auf.

          Als er vor knapp einer Woche in London ankam, war noch eine gewisse Skepsis in Nadals Worten zu lesen, er hoffe, bis zum ersten Spiel an diesem Montag gegen Titelverteidiger Alexander Zverev (21.00 Uhr bei Sky) konkurrenzfähig zu sein. Beim Hallenturnier in Paris-Bercy hatte er sich vor zehn Tagen eine Bauchmuskel-Verletzung zugezogen, und zunächst hatte er befürchtet, es werde für einen Start beim Saisonfinale der besten acht nicht reichen.

          Doch dann wollte er es versuchen und flog nach London. Bei den ersten Trainingseindrücken stellten die Beobachter fest, wenn er nicht besser aufschlage, dann könne nicht viel aus diesem Versuch werden; der Aufschlag liege im Vergleich zur guten Variante nicht höher als bei 60 Prozent. Als er am Freitag gefragt wurde, was ihm der Titel bei diesem Turnier bedeuten würde, da antwortete Nadal, noch immer mit einer gewissen Portion Skepsis: Na ja, er müsse ja erst mal sehen, ob er überhaupt spielen könne. Doch dann wurden ihm bei den Trainingseinheiten 80 und 90 Prozent attestiert, und irgendwie schien die Gefahr besiegt zu sein, dass er womöglich nicht spielen würde.

          Es wäre ja nicht das erste Mal. Rafael Nadal und das spektakuläre Turnier der besten acht – das ist bisher eine Geschichte ohne Happy End. Seit seinem ersten Versuch vor 13 Jahren fehlte er viermal, beim bis dato letzten Auftritt vor zwei Jahren gab er nach dem ersten Spiel in der Vorrunde verletzt auf, und es ist nach wie vor der einzige Titel, der ihm in seiner ansonsten kompletten Sammlung fehlt. Natürlich geht es um das Turnier an sich, aber damit verbunden auch um die Chance, Anfang kommender Woche, wenn die letzte Weltrangliste des Jahres erscheint, zum fünften Mal in seiner Karriere an der Spitze zu stehen.

          Es gibt diverse Konstellationen, in denen das möglich ist, doch das hängt natürlich nicht nur von ihm selbst ab, sondern auch von den Taten des Herausforderers Novak Djokovic, der am Sonntag mit einem souveränen Sieg gegen den italienischen Debütanten Matteo Berrettini ins Turnier startete (6:2, 6:1). Djokovic muss mindestens wie im vergangenen Jahr das Finale erreichen, um eine Chance zu haben, das Jahr als Erster der Besten zu beenden, aber selbst in diesem Fall kommt es darauf an, wie viele Spiele Nadal in dieser Woche gewinnt. Aber das Ganze wird nicht nur an Ort und Stelle aufmerksam verfolgt.

          In Spanien sitzt derweil einer von Nadals vielen Fans, der sicher mit ein wenig Anspannung verfolgen wird, was sich in dieser Woche in London tut. Fußballstar Gerard Piqué, der mit seiner Firma Kosmos die Rechte für den reformierten Davis Cup vom Internationalen Tennisverband (ITF) gekauft hat, dürfte an der Mitwirkung des besten Spaniers in der kommenden Woche bei der Endrunde in Madrid höchst interessiert sein. Wie dieses neue Format beim spanischen Hauptstadtpublikum ankommen wird, ist schwer vorherzusagen, aber es gehört nicht viel Phantasie zur Vorstellung, dass die Akzeptanz mit Rafael Nadal deutlich größer sein wird als ohne ihn.

          Aufmerksamer Beobachter: Fußballstar Piqué, der die Rechte für den reformierten Davis Cup gekauft hat – und dort gerne Nadal spielen sehen möchte.

          Aber ein Spiel nach dem anderen, um eine Lieblingsformel der Hauptdarsteller zu strapazieren, und den Anfang macht Rafael Nadal also aller Voraussicht nach an diesem Montag gegen Alexander Zverev. Der Spanier ist der Einzige aus dem Kreis der großen Drei, gegen den Zverev bisher noch nicht gewonnen hat. Aber grundsätzlich ist der Titelverteidiger aus Deutschland froh darüber, sich mit ein paar starken Auftritten bei den Turnieren im Herbst in Asien überhaupt die Möglichkeit erhalten zu haben, zum dritten Mal in London dabei zu sein. Vor ein paar Tagen berichtete er, nach den US Open habe er mit seinem Team beschlossen, falls es in Asien nicht gut laufe, die Saison zu beenden und sich um den Aufbau für das kommende Jahr zu kümmern. Doch dann habe er in Peking und Schanghai gut gespielt, und damit habe er den Alternativplan zu den Akten gelegt. In welchen Regionen er die Chance auf eine Titelverteidigung sieht? Nein, keine Prozentrechnung. Er müsse einfach gutes Tennis spielen, dann werde man sehen.

          Alexander Zverevs Partie gegen Rafael Nadal wird am Ende des zweiten Tages der ATP-Finals 2019 stehen, den Anfang machen die deutschen Debütanten im Doppel, Kevin Krawietz und Andreas Mies. Die beiden freuen sich seit Wochen mächtig auf den ersten Auftritt ab 13 Uhr an diesem Montag beim Saisonfinale, und es gibt immer noch jeden Tag Momente, in denen sie daran denken müssen, wie rasant sie in diesem Jahr von einem großen Turnier zum nächsten unterwegs sind. Ob sie eine Chance haben, den Titel zu gewinnen? Warum nicht. Prozentual und prinzipiell.

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