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ATP Cup in Australien : Das nächste große Tennis-Experiment

  • -Aktualisiert am

Will in Australien zu alter Stärke finden: Alexander Zverev (links), hier neben Boris Becker Bild: dpa

Reichlich Punkte und Preisgeld: Doch der neue ATP Cup wirft auch große Fragen auf. Dabei geht es vor allem um die Zukunft ganz anderer Veranstaltungen.

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          Spätestens seit Roger Federer vor zwei Jahren in Westaustralien mit einem Quokka posierte, weiß jeder, wie die Sache funktioniert. Das Foto des Schweizers und des außerordentlich putzigen Kurzschwanzkängurus machte weltweit die Runde und verhalf dem Hopman Cup, in dessen Rahmenprogramm es aufgenommen worden war, zu bemerkenswerter Popularität. Diesmal lag der Kollege Rafael Nadal auf Rottnest Island mit einem Quokka im Sand, dem Hopman Cup konnten die beiden aber nicht mehr helfen. Der zuletzt sehr populäre Wettbewerb wurde ersatzlos gestrichen, weil Perth nun einer der Spielorte des neuen ATP Cups ist, bei dem von diesem Freitag an in drei australischen Städten Tennisteams aus 24 Nationen um den Titel, reichlich Punkte für die Weltrangliste und um erkleckliches Preisgeld von insgesamt 15 Millionen Dollar spielen.

          Keine sechs Wochen nach der Premiere des reformierten Davis Cups in Madrid nun also der nächste Mannschaftswettbewerb, und nicht nur die zeitliche Nähe der beiden zum Verwechseln ähnlichen Veranstaltungen führen auf direktem Weg zur Frage, ob das eine gute Konstellation ist. Für den Davis Cup war viele Jahrzehnte lang der Tennis-Weltverband ITF zuständig, bis der die Rechte an die Kosmos-Gruppe des spanischen Fußballstars Gerard Piqué verkaufte.

          Der ATP Cup trägt den Veranstalter im Namen, die Männertennis-Vereinigung ATP. Viele sind der Meinung, prinzipiell sei in einem prall gefüllten Terminkalender kein Platz für beide Wettbewerbe, und das findet auch die Nummer eins, Novak Djokovic. Auf die Dauer, erklärte er am Donnerstag in Brisbane, könne es nur einen großen Wettbewerb geben – ob man den nun Weltcup nenne oder wie auch immer. Das werde weder in diesem noch im kommenden Jahr passieren, aber falls sich alle Beteiligten möglichst schnell zusammenfänden, dann vielleicht ab 2022. „Ich hoffe einfach, dass das passiert, weil es sicher schwer werden wird, die besten Spieler zu beiden Wettbewerben zu locken.“

          Gute Laune am Strand: das spanische Team um Rafael Nadal, Roberto Bautista Agut, Feliciano Lopez und Pablo Carreno Busta (von links)

          Ohne die besten Spieler gehe es nun mal nicht, findet auch Boris Becker, der als Kapitän der deutschen Mannschaft in den kommenden Tagen in Brisbane und danach im besten Fall auch bei der Endrunde in Sydney bei der Arbeit sein wird. Beim ATP Cup lädt die Nummer eins im Team einen Mann als Kapitän ein, und so war es in diesem Fall mit Alexander Zverev und Becker. Zverev mag den neuen Davis Cup bekanntlich nicht, weil er findet, die Tradition des alten sei verkauft worden; er war in Madrid nicht dabei. Becker sagt, grundsätzlich sei es sicher positiv, wenn es für die Spieler viele Möglichkeiten gäbe, auf höchstem Niveau zu arbeiten – er zählt auch Federers Laver Cup dazu, den Vergleich zweier Teams aus Europa und aus dem Rest der Welt.

          „Auf mittlerer Sicht sehe ich aber nicht Platz für alle, da ist einer zu viel“, sagt er. Hat er eine Vorstellung, wie viel Zeit sich die Veranstalter geben sollten, um einen Kompromiss und eine Lösung zu finden? „Wenn Sie Roger fragen, der will am liebsten den Laver Cup noch in 20 Jahren haben“, sagt er, „wenn Sie Piqué fragen, der will das auch, die ATP genauso. Also, die drei können wir nicht fragen. Insofern müssen wir schauen, welcher Wettbewerb am stärksten ist, wo die Zuschauerresonanz am besten ist, wo das Preisgeld herkommt. Irgendwann entscheidet dann der Markt, welches Turnier überleben wird.“

          Auf der anderen Seite gibt es nicht wenige Spieler, die Davis Cup und ATP Cup mögen. „Man kann schon beide Sachen machen“, sagt Kevin Krawietz, der mit Partner Andreas Mies wie in Madrid auch in Brisbane für Deutschland Doppel spielen wird. „Wir finden es ganz cool, das neue Jahr auch mit einem Teamwettbewerb zu starten.“ Punkte und Prämien werden satt verteilt, für Spieler, die nicht wie Djokovic oder Zverev in zwölf Monaten Millionen einspielen, ist das ein Argument, attraktiv verwoben mit der von allen geschätzten Möglichkeit, für eine Mannschaft zu spielen.

          Einer der größten Fans des Mannschafts-Gedankens wird beim ersten Spiel der Deutschen an diesem Freitag auf der anderen Seite stehen, Nick Kyrgios. Der Australier wird im ersten Spiel Gegner von Jan Lennard Struff sein, danach spielen Zverev und Australiens Nummer eins, Alex de Minaur. Kyrgios versichert, in einer Mannschaft gehe es ihm immer gut, da gebe es viele Probleme, die er habe, wenn er allein auf der Tour unterwegs sei, nicht. Wenn er in diesen Tagen dennoch manchmal mit seinen Gedanken woanders ist, dann gibt es dafür einen ernsthaften Grund. Wie viele Landsleute macht er sich größte Sorgen wegen der verheerenden Buschfeuer, die sich an der australischen Ostküste durchs Land fressen. Zuerst forderte er den Australischen Tennisverband auf, noch vor den Australian Open ein Schauturnier zu organisieren, um Spenden für die Opfer der Feuer einzuspielen, dann kündigte er an, für jedes Ass, das er in den kommenden Woche schlage, 200 Dollar zu spenden. De Minaur schloss sich sofort an und versprach 250 pro Ass. Er sei ja als Aufschläger nicht so stark wie Kyrgios, ließ er wissen, da müsse er mit der Summe höher gehen.

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