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DTM 2.0? : Mit Lizenz zum Rasen

  • -Aktualisiert am

Der DTM-Fahrer Jake Dennis fährt mit seinem Aston Martin-Rennwagen über eine Rennstrecke. Bild: dpa

Schon einmal musste die DTM zu neuem Leben erweckt werden. Mit dem Einstieg von Aston Martin steht wieder eine Zäsur bevor. Der Name der britischen Nobelmarke rettet die DTM einstweilen. Doch wie lange reicht der neue Schwung?

          1984 war in Deutschland eine neue Rennsportserie ins Leben gerufen worden. Ihr Name: Deutsche Tourenwagen-Meisterschaft, kurz DTM. Weil der Rennbetrieb nach der Saison 1996 nach dem Ausstieg von Alfa Romeo und Opel wegen explodierender Kosten eingestellt wurde, spricht man heute von der alten DTM. Drei Jahre später, zur Saison 2000, wurde die Tourenwagen-Rennserie wieder zum Leben erweckt. Konsequenterweise wurde diese als die neue DTM angekündigt. In diesem Jahr findet wieder eine Zäsur statt. Ist das jetzt die DTM 2.0? Diese Bezeichnung würde zumindest einer gewissen Logik folgen. Denn statt der 19 Jahre eingesetzten Achtzylindermotoren mit vier Litern Hubraum kommen nun moderne Turboaggregate zum Einsatz. Die vier Zylinder bilden einen Hubraum von zwei Litern. Downsizing heißt das Motto. Damit gibt es Parallelen zu den Serienprodukten.

          Doch nicht nur die Triebwerke sind neu. Viele Fans werden zunächst einmal Mercedes-Benz vermissen. Nach 30 Jahren, elf Fahrertiteln und 195 Siegen in der Tourenwagenserie ist der Stuttgarter Autohersteller ausgestiegen, um künftig neben der Formel 1 elektrisch in der Formel E technische Kompetenz zu beweisen. Zur Freude von Serienchef Gerhard Berger konnte jedoch adäquater Ersatz gefunden werden. Der britische Sportwagenbauer Aston Martin löste die Lizenz zum Mitrennen. Dies wird zwar als Werkseinsatz des James-Bond-Ausstatters deklariert, tatsächlich steckt das private Team R-Motorsport aus der Schweiz dahinter.

          Dass dieses Aston-Martin-Engagement zustande kam, liegt an einer Neuausrichtung der DTM, weg von einer nationalen Serie hin zur internationalen Meisterschaft. Vor zehn Jahren hatte Hans-Werner Aufrecht als damaliger Vorsitzender des DTM-Serienbetreibers ITR mit Masaaki Bandoh, seinem Pendant in der Super-GT-Serie in Japan, Kontakt aufgenommen. Im Oktober 2012 wurde per Pressemitteilung verkündet: „DTM und japanische Super-GT starten 2014 gemeinsam durch.“ Ziel war es, dass sowohl die japanischen Hersteller als auch die deutschen Autobauer an der jeweils anderen Serie teilnehmen können. Erst fünf Jahre später kam es zu einem gemeinsamen Reglement. Verhandlungen mit der amerikanischen IMSA-Serie waren im Sande verlaufen, die Amerikaner waren nicht interessiert.

          Es hapert am Umsetzungswillen

          „Durch das Class-one-Reglement gibt es mehr Ansätze, weltweit mit der Marke Aston Martin zu fahren“, sagt Florian Kamelger. Mit seinem Partner Andreas Baenziger, gemeinsam verkaufen sie in Niederwil bei St. Gallen als Einzige in der Schweiz exklusiv Aston-Martin-Fahrzeuge, hat er den Einstieg von R-Motorsport initiiert. Wegen der Partnerschaft der britischen Luxusmarke mit dem Red-Bull-Formel-1-Team sollte zunächst ein Triebwerk von Honda, dem neuen Motorenpartner des Brauseteams in der Formel 1, den Vantage antreiben. Doch der Deal kam nicht zustande.

          Der Mercedes-Ausstieg war das Glück für R-Motorsport. Über ein Joint Venture mit der Rennwagenschmiede HWA, die in den vergangenen Jahrzehnten die erfolgreichen Einsätze der Stuttgarter durchgeführt hat, konnten sich Baenziger und Kamelger viel Knowhow erwerben. „Wenn wir das hintere Drittel meiden, dann haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Florian Kamelger zu den Zielen beim DTM-Auftakt. Davor schon hat die HWA-Truppe Meisterliches geleistet, indem sie innerhalb von 90 Tagen vier grau-blaue Vantage aufgebaut hat. Und als Abfallprodukt dieses Kraftaktes hat der Firmengründer und langjährige „Mister DTM“ Hans-Werner Aufrecht auch die Serie gerettet.

          Doch ob das reicht, um die Zukunft der DTM zu sichern? Zwar sprechen die verschiedenen Verantwortlichen von Honda, Nissan und Toyota wie auch Audi und BMW von den großen Möglichkeiten, die sich bieten. In der Praxis allerdings hapert es am Umsetzungswillen. Zumal zumindest bei den beiden deutschen Herstellern eher über eine Reduzierung des Einsatzes im Motorsport nachgedacht wird als an eine Ausweitung.

          Dass die Zeiten schwierig sind, lässt sich an einer anderen Idee von DTM-Chef Gerhard Berger ablesen. Der ehemalige Formel-1-Fahrer will mit seiner Serie weg vom Werkssport und hat deshalb Privatteams aufgefordert, sich zu bewerben. Lediglich das belgische WRT-Team bringt zwei Audi RS5 an den Start. Bei BMW sind sämtliche Verhandlungen mit interessierten Teams gescheitert. Trotz neuem Schwung vor dem Saisonstart am Wochenende in Hockenheim – die Zukunft der DTM bleibt ungewiss.

          BMW-Pilot Wittmann siegt beim DTM-Saisonauftakt

          BMW-Fahrer Marco Wittmann hat das erste Rennen der neuen Saison des Deutschen Tourenwagen Masters gewonnen. Der 29 Jahre alte Fürther verwies am Samstag im Regen auf dem Hockenheimring Mike Rockenfeller im Audi mit klarem Vorsprung auf Platz zwei. Der zweimalige DTM-Champion Wittmann war von der Pole Position in den Jahresauftakt gestartet und gab bei schwierigen Bedingungen die Führung bis ins Ziel nicht mehr her. Es war der zwölfte Sieg seiner DTM-Karriere.

          Dritter wurde der Niederländer Robin Frijns in einem weiteren Audi vor BMW-Routinier Timo Glock. Pech hatte Audi-Pilot René Rast, der lange als Zweiter hinter Wittmann um den Sieg fuhr. Der Mindener, der die letzten sechs Rennen der Vorsaison gewonnen hatte, fiel fünf Runden vor Schluss mit einem Getriebeschaden aus.

          Nach dem Ausstieg von Rekordsieger Mercedes hat sich die DTM für diese Saison neu aufgestellt. Neben BMW und Audi ist als Neuling Aston Martin hinzugekommen. Die neuen Motoren sind deutlich leistungsstärker, die Autos leichter als bisher. Mit einer Reihe von Neuerungen wie technischen Überholhilfen sollen die Rennen spannender werden. Insgesamt werden 18 Saisonläufe an neun Wochenenden ausgetragen. Am Sonntag findet das zweite Rennen ebenfalls in Hockenheim statt. (dpa)

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