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Asien-Liga im Tennis : Stars kommen unter den Hammer

Er ist für eine Million Dollar zu haben: Rafael Nadal Bild: AP

Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten: Fünf Städte können Nadal, Djokovic und Co. für eine Asien-Liga ersteigern. Ist die Idee revolutionär oder verrückt?

          3 Min.

          Wenn alles nach Plan läuft, kommt Rafael Nadal an diesem Sonntag unter den Hammer. Auch für Novak Djokovic, Andy Murray und andere „Ikonen“ wie Andre Agassi und Pete Sampras darf ein Batzen Geld in die Hand genommen werden. Etwas günstiger zu haben sind Tommy Haas und Philipp Kohlschreiber.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Liste der weiblichen Tennisstars wird angeführt von Serena Williams, aber auch Angelique Kerber und Sabine Lisicki können gegen ein gewisses Entgelt ersteigert werden. Zum Ersten, zum Zweiten und zum Dritten: Bei der Auktion, die an diesem Sonntag in Dubai über die Bühne geht, beginnt für Asien womöglich eine neue Phase im Profitennis; allerdings eine, die die Welt spaltet. „Erst mal abwarten, ob die Sache startet oder nicht“, sagte Roger Federer, der zu der indischen Eröffnung im Tennis ebenso auf Distanz geht wie Maria Scharapowa und die Chinesin Li Na.

          Das Konzept, das der aus Chennai stammende Doppel-Spezialist Mahesh Bhupathi mit seiner im Medien- und Unterhaltungsgeschäft tätigen Agentur Globosport ausklamüsert hat, erscheint auf den ersten Blick spektakulär: eine „International Tennis Premier League“ (ITPL), die als kurz, knackig und fernsehtauglich vermarktet wird und die Menschen in Fernost mehr denn je für Tennis begeistern soll.

          Aktive und Altstars werden in Asien versteigert

          Der Plan geht so: Die fünf Städte Bangkok, Bombay, Singapur, Hongkong und voraussichtlich Kuala Lumpur kommen mit einem Budget von vier bis zehn Millionen Dollar nach Dubai, ersteigern sich sechs bis zehn aktive Top-Profis wie Nadal und Altstars wie Goran Ivanisevic und bilden aus ihnen ein Team. Von Ende November bis Mitte Dezember dieses Jahres machen diese Auswahlen aus Alt und Jung, männlich und weiblich in Hin- und Rückspielen den Premier-League-Champion unter sich aus.

          Novak Djokovic: „Revolutionäres Konzept“
          Novak Djokovic: „Revolutionäres Konzept“ : Bild: AP

          In Asien giere man nach Weltklassetennis, erklärt Bhupathi den Grund für seine Geschäftstüchtigkeit. Vom Inder gewollt ist ein ernst zu nehmender Wettbewerb - und kein drei Wochen dauernder Schaukampf. „Das Wort ist tabu“, sagte der mehrmalige Grand-Slam-Turniersieger in Doppel und Mixed.

          Dass die Liga westlichen Beobachtern befremdlich vorkommen kann, liegt nicht nur an den fernen Spielorten. Exotisch ist vor allem ihr Modus. Jedes Duell zweier Mannschaften wird über fünf Sätze gespielt - wie bei einem Grand Slam, sagt der selbst noch spielende PR-Mann Bhupathi. Der weder kleine noch feine Unterschied zu den vier Großturnieren ist jedoch: Die fünf Sätze werden auf mehrere Spieler verteilt. Erst spielen zwei Herren einen Satz gegeneinander, dann zwei Damen, es folgen ein Herren-Doppel und ein Mixed. Der womöglich entscheidende Satz ist den Champions von früher vorbehalten.

          Diese Fünf-Satz-Serie dauere höchstens drei Stunden, hat Bhupathi errechnet, und sei somit perfekt für überschaubare Fernsehübertragungen: „Was Tennis angeht, so ist die größte Klage doch immer gewesen, dass man keine Kontrolle über die Dauer der Spiele hat.“ Dieses Problem soll in der Liga von morgen passé sein.

          Ein Nadal kostet eine Million Dollar

          Tennis-Promis, von denen einige an diesem Wochenende von den fünf ITPL-Teams ersteigert werden können, zeigen sich angetan von der Idee. Zumindest geben sie es vor. Schließlich bietet sich ihnen die Aussicht, bei recht übersichtlichem sportlichen Aufwand großen Reibach zu machen. Nadal, so heißt es, kann unter der Voraussetzung ersteigert werden, dass er als Topstar für drei Kurzauftritte eine Million Dollar pro Abend erhält. Mit etwas geringeren Prämien müssen sich die anderen begnügen.

          Als „revolutionär“ hat Djokovic das Konzept bezeichnet, dem er über das Sportliche hinaus verbunden ist: Sein Cheftrainer Boris Becker gehört zu jenen Großkopfeten um Bhupathi, die die ITPL nach dem Vorbild der indischen Kricket- und Hockey-Liga in die Wege geleitet hat. Dass auch Nadals Manager Benito Perez-Barbadillo zu dem Gremium gehört, erklärt, warum der Spanier in Fernost zum Teamplayer wird.

          Tomas Berdych: „Ich mag neue Ideen“
          Tomas Berdych: „Ich mag neue Ideen“ : Bild: AP

          Als einer der Ersten hat sich der Weltranglistensechste Tomas Berdych vertraglich bereit erklärt, bei der Premiere mitzumischen. „Ich mag neue Ideen“, sagte der Tscheche, „die Liga kann unseren Sport attraktiver machen.“ Genauso gut ist das Gegenteil möglich. Wenn die Tennisprofis nach einer strapaziösen Saison nicht regenerieren und Kräfte tanken für das folgende Tennisjahr, sondern sich in der turnierfreien Zeit ein paar zusätzliche Auftritte aufhalsen, droht die Verletzungsanfälligkeit bei Saisonbeginn noch größer zu werden, als sie jetzt schon ist.

          Noch mehr Geld oder Gesundheit?

          Umso erstaunlicher ist es trotz aller personellen Verquickungen mit der ITPL, dass Tennisstars wie Nadal und Berdych den Verlockungen des Geldes erliegen und sich dem asiatischen Tennisprojekt verschrieben haben. Der oft von Verletzungen geplagte Weltranglistenerste aus Spanien hat sich in den vergangenen Jahren bei vielen Gelegenheiten über den vollgepackten Turnierkalender mokiert. Und Berdych hat sich oft an den übers Jahr verteilten Davis-Cup-Ansetzungen gestört und vorgeschlagen, die Partien zu einer bestimmten Zeit an einem speziellen Ort zu bündeln.

          Selbst die ATP und die WTA als Spielergewerkschaften nehmen eine mögliche Überbeanspruchung der Profis hin - sie werden den Teufel tun und ihren Mitgliedern nahelegen, auf eine zusätzliche Verdienstmöglichkeit zu verzichten. Zudem war Bhupathi so schlau, den ATP-Spielervertreter Justin Gimelstob von vorneherein in die ITPL einzubinden. Die Tennisprofis seien klug genug, sich irgendwann Pausen zu gönnen, sagt Bhupathi: „Sie kennen ihre Körper selbst am besten.“

          Blöd nur, wenn sie erst aus Schaden klug werden. So wie Federer, der im Dezember 2012 eine Woche lang durch Südamerika tingelte, da und dort Schaukämpfe bestritt und dafür mehr als zehn Millionen Dollar kassierte. In der folgenden Saison kam den 32 Jahre alten Schweizer das Vergnügen teuer zu stehen: Von Rückenbeschwerden geplagt, spielte er so schlecht wie seit elf Jahren nicht.

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