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Darts-WM in London : Eine Frau lehrt die Männer das Fürchten

Ein Ausrufezeichen: Lisa Ashton gewinnt den ersten Satz ihres Spiels. Bild: dpa

Die Engländerin Lisa Ashton stand für ein paar Minuten im Mittelpunkt der Darts-Welt. Als zweite Frau gewann die 48-Jährige bei einer WM einen Satz - und wurde gefeiert.

  • Aktualisiert am
          2 Min.

          Wie eine Verliererin sah Lisa Ashton wahrlich nicht aus. 3000 Fans im Londoner „Ally Pally“ standen auf den Stühlen, besangen die Engländerin aus vollem Hals, einige warfen der Darts-Weltmeisterin sogar Handküsse zu. „Ich bin ein bisschen leer, aber auch glücklich. Ich wollte zeigen, dass wir keine Angst vor Männern haben“, sagte die 48-Jährige, die trotz ihrer Niederlage ein Stückchen WM-Geschichte geschrieben hatte.

          Vor Ashton hatte nur die Kanadierin Gayl King 2001 einen Satz bei einer WM gewonnen. Beim 1:3 gegen den Niederländer Jan Dekker, immerhin Nummer 48 der Weltrangliste, wiederholte Ashton dieses Kunststück und warf sich in die Herzen der Fans. Dekker hatte so etwas in der Art schon geahnt. „Ich kann eigentlich nur verlieren“, sagte er nach der Auslosung. Und genau danach sah es zunächst auch aus.

          Als Ashton einläuft, sind noch vereinzelte Pfiffe zu hören. Das ändert sich innerhalb weniger Minuten. Die viermalige Weltmeisterin, Spitzname „The Lancashire Rose“, gewinnt den denkwürdigen ersten Satz 3:0. Für die ersten beiden Legs braucht sie jeweils 15 Darts, für das dritte nur 12. Im Schnitt wirft sie 107 Punkte, alles über 100 gilt als Weltklasse. Beim Satzgewinn checkt sie 121 Punkte aus, das höchste Finish des Abends. Plötzlich steht nicht mehr sie unter Druck, sondern Dekker.

          Dekker unter Druck

          Die Stimmung ist längst gekippt. Der Niederländer wird fortan gnadenlos ausgebuht, behält aber die Nerven und dreht die Begegnung. „Es war hart. Niemand auf der Welt erwartet, dass ein Mann gegen eine Frau verliert“, sagt er. Ashton geht erhobenen Hauptes: „Ich wollte zeigen, dass wir bereit sind, mit Männern auf die Bühne zu gehen.“ Wenn überhaupt, müssten Männer Angst vor ihr haben.

          Wohl wahr. Zwei feste Startplätze gibt es für Frauen seit diesem Jahr. Einige Fans werfen dem Verband PDC daher „übertriebene politische Korrektheit“ vor, zumal auch die „Walk-on-Girls“ der Vergangenheit angehören. Auf der Bühne warteten auf Ashton dennoch drei leicht bekleidete Cheerleader mit silbernen Pom Poms. Für ein paar Sekunden wirkte die Herausforderin ein wenig verloren.

          Von Gleichberechtigung kann im Darts ohnehin keine Rede sein. Dekker erhielt für seinen Sieg 15.000 Pfund (ca. 16.700 Euro) - mehr, als Ashton für ihnen WM-Titel 2017 bekommen hatte. Acht Major-Titel hat sie bislang gewonnen und doch „nur“ 125.000 Pfund erspielt. Zum Vergleich: Allein der Sieger der WM in London erhält 500.000 Pfund. „Wir wären schon mit einem Viertel davon zufrieden. Oder einem Achtel, wir wollen ja nicht unvernünftig sein“, sagte Ashton.

          Die Russin Anastassija Dobromyslowa dürfte das ähnlich sehen. Die 34-Jährige trifft am Montag (22 Uhr/DAZN und Sport1) auf den Engländer Ryan Joyce. Der 33-Jährige sollte gewarnt sein: 2009 bezwang Dobromyslowa beim Grand Slam of Darts Vincent van der Voort. Es war der bislang einzige Sieg einer Frau auf einer ganz großen Bühne des Darts. Der Niederländer muss sich bis heute Frotzeleien anhören.

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