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Vendée Globe : Herzschlagfinale und Rekordjagd auf hoher See

Armel Le Cléac’h führte lange und rettete seinen Vorsprung auch ins Ziel. Bild: AFP

Die härteste Segelregatta der Welt ist schon ein Rennen der Rekorde. Den nächsten wird es im Ziel geben. Zwei Sportler kämpfen mit letzter Kraft mit minimalem Abstand um den Sieg. Für einen geht es um besonders viel.

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          Die Vendée Globe ist schon kurz vor dem Zieleinlauf eine Regatta der Rekorde. Seit dem Start am 6. November des vergangenen Jahres stellten zwei Segler bei ihren Zwischenzeiten neue Bestmarken auf. Keiner erreichte schneller als Alex Thomson den Äquator (gut neun Tage) und das Kap der Guten Hoffnung in Südafrika (knapp 18 Tage). Keiner war früher an Kap Leeuwin, der Südspitze Australiens (28 Tage), und an Kap Hoorn (47 Tage) als Armel Le Cléac’h. Und einer von beiden wird auch in neuer Rekordzeit den Start- und Zielort Les Sables-d’Olonne in Frankreich erreichen.

          Tobias Rabe

          Verantwortlicher Redakteur für Sport Online.

          Nur eine Frage ist vor der Zielankunft in wenigen Stunden noch nicht geklärt: Welcher der beiden Segler wird mit seinem Schiff zuerst ankommen? Der führende Franzose und der Waliser liefern sich auf den letzten Metern ein Herzschlagfinale auf hoher See bei der härtesten Regatta der Welt. Am Mittwoch lag Le Cléac’h noch rund 36 Seemeilen vor Thomson, der seinem Rivalen zuletzt immer näher gekommen war – das ist eine Winzigkeit bei solch einem Rennen.

          Bei der Aufholjagd stellte der Verfolger zuletzt gar einen Weltrekord auf: Er legte in 24 Stunden 536,8 Seemeilen mit seiner „Hugo Boss“ zurück – das hat noch kein Einhandsegler vor ihm geschafft.

          Doch ob der starke Zwischenspurt noch reicht, um die „Banque Populaire“ von Le Cléac’h vor der Ziellinie abzufangen, ist ungewiss. Auf dem Weg zum Ziel werden die Spitzensegler gerade aufgrund der Wetterbedingungen weiter nach Norden gezwungen. „Ich werde bis zum Ende kämpfen“, ließ Thomson übermitteln. Je näher beide der Küste kommen, desto unberechenbarer sind die Winde und Strömungen.

          So gut wie sicher ist aber, dass es eine weitere Bestmarke geben wird. Bisher hält Francois Gabart den Rekord für die schnellste Siegerzeit. Bei der letzten Ausgabe des Segel-Spektakels, das alle vier Jahre im November startet und am Südpolarmeer entlang führt, erreichte er nach 78 Tagen, 2 Stunden, 16 Minuten und 40 Sekunden Anfang 2013 die französische Atlantikküste. Der neue Titelträger, egal ob Le Cléac’h oder Thomson, wird am Donnerstagmittag nach derzeitigem Stand zwischen 12 und 14 Uhr erwartet – 74 Tage nach dem Start an gleicher Stelle. (Sie können das Rennen hier im Livetracker verfolgen.)

          So schnell wie keiner zuvor: Armel Le Cléac’h brach bei der Vendée Globe den Rekord. Bilderstrecke

          Schon vor vier Jahren hatte es nach rund 24.000 Seemeilen ein spannendes Finish gegeben. Gabart setzt sich seinerzeit durch, nur gut drei Stunden vor Le Cléac’h, der auch 2009 schon auf Platz zwei einlief. Gelingt ihm im dritten Versuch nun erstmals der Sieg? Es sieht gut aus, zumal Thomson einen Flügelbruch einstecken musste und vor Kap Hoorn 800 Meilen Rückstand hatte. Zudem fiel sein AIS-System aus, mit dem Schiffe auf Kollisionskurs erkannt und gemeldet werden. Die Gefahr einer Kollision ist da, zumal in der Biscaya mehr Schiffe unterwegs sind als zuvor auf freier Strecke.

          Auf der Zielgeraden spielt auch die psychologische Komponente eine wichtige Rolle. In welcher Verfassung ist der Gegner? Thomson berichtete zuletzt über technische Probleme mit der Steueranlage. Baut er körperlich ab, weil er nicht richtig schlafen konnte, immer in Sorge, dass das Schiff nicht dahin steuert, wohin es soll? Nichts Genaues weiß man nicht. Le Cléac’h hielt sich auffallend zurück mit Einblicken zu seiner Verfassung und der seines Schiffs. Hat er Angst, die Führung zu verspielen und zum ewigen Zweiten beim Vendée Globe zu werden? Der führende Franzose hat auf jeden Fall mehr zu verlieren.

          Die vergangenen zweieinhalb Monate haben den ursprünglich 29 Teilnehmern alles abverlangt. Elf von ihnen mussten schon aufgeben, weil sie mit Müll im Meer kollidierten oder die immer schneller und leichter werdenden Yachten technische Probleme hatten. „Ich bin manchmal ziemlich schwach“, bekannte Verfolger Thomson zuletzt. Immer wieder lag er deutlich hinter seinem Konkurrenten. Aber immer wieder verringerte er auch den Abstand, sodass sich Le Cléac’h erst des Sieges sicher sein kann, wenn Land in Sicht ist. „Ich bin etwas besorgt“, ließ er ausrichten. Ob die Sorge berechtigt ist, wird sich schon sehr schnell zeigen.

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