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Mattscheibe statt Handball : Verraten und verkauft

  • -Aktualisiert am

BeIN Sports und das ZDF streiten sich auch über die kostspieligen Fußball-Champions-League-Rechte, weshalb im Handball ein Stellvertreterkrieg geführt wird. Bild: dpa

Seit Monaten streiten ARD und ZDF über die Übertragungsrechte der Handball-WM. So gibt es in diesem miesen Spiel anscheinend nur Verlierer – die Gewinner werden jedoch leicht übersehen.

          Die Empörung, sie ist allenthalben groß in Deutschland. Die Verantwortlichen beim Deutschen Handballbund (DHB) sorgen sich, weil ARD und ZDF nach Lage der Dinge nicht die Handball-WM in Frankreich (17. bis 29. Januar 2017) übertragen werden. Nur eine Präsentation der Trikotsponsoren des DHB im frei empfangbaren Fernsehen, die Millionen TV-Zuschauer mit dem Europameisterteam von Bundestrainer Dagur Sigurdsson mitfiebern ließe, garantiert dem DHB satte Bonuszahlungen.

          ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky echauffierte sich bereits am Rande des olympischen Handballturniers, weil der Inhaber der TV-Rechte, die qatarische Agentur BeIN Sports, sichergestellt haben will, dass der deutsche Käufer das TV-Signal von der WM 2017 nur in Deutschland ausstrahlt – und nicht im angrenzenden Frankreich oder gar in den Staaten Nordafrikas oder des Mittleren Ostens, dem Kerngebiet der hundertprozentigen BeIN-Sports-Mutter Al-Dschazira. BeIN Sports und das ZDF streiten sich deshalb hinter den Kulissen über die viel kostspieligeren Rechte in der Fußball-Champions-League, weshalb nun im Handball ein Stellvertreterkrieg geführt wird.

          „Es gibt leider keine Fortschritte“, erklärt Balkausky. Der Ausweg, eigens einen TV-Satelliten zu installieren, sei zu teuer. RTL ist, obwohl interessiert, aus diesen Gründen gar nicht erst in die Verhandlungen eingestiegen, weshalb ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz korrekt bemerkt, dieses Problem betreffe alle „frei empfangbaren deutschen Fernsehsender“. So gibt es in diesem miesen Spiel anscheinend nur Verlierer: Den DHB, weil ihm viel Aufmerksamkeit und bares Geld entgehen; der TV-Zuschauer ohne Pay-TV-Anschluss, weil er die Spiele in Frankreich nicht sehen kann; die Sender wie ARD und das ZDF, denen hohe TV-Quoten in einem Jahr ohne Fußball-Höhepunkt entgehen. Auch der Rechteinhaber aus Doha wird geringere Erlöse erzielen.

          Übersehen werden leicht die Gewinner. Da sind die Pay-TV-Sender wie Sky oder Livestream-Riesen wie Perform, die vermutlich die WM-Rechte für den deutschen Markt günstig werden einkaufen können. In erster Linie aber die Internationale Handball-Föderation (IHF). Sie hat die TV-Rechte an ihren Weltmeisterschaften für den Turnus zwischen 2014 und 2017 zum Rekordpreis von 100 Millionen Schweizer Franken an BeIN Sports vergeben. Die IHF hat dadurch, dass sie im TV-Vertrag eine Übertragung im Free-TV im wichtigen deutschen Markt nicht garantierte, ihre Erlöse erhöht – und hat so gleichzeitig einem ihrer wichtigsten Mitglieder, dem DHB, geschadet.

          Eigentlich sollte sich der DHB, der sich verraten und verkauft fühlt, nun an seine Dachorganisation wenden und sich den Schaden ersetzen lassen. Vorerst aber muss er alles daransetzen, dass dieses TV-Dilemma nicht fortgesetzt wird: Aktuell verhandelt die IHF die Rechte für den nächsten Turnus. Und die nächste WM findet in Deutschland statt. BeIN Sports sei, heißt es, extrem interessiert an einer Fortsetzung der Partnerschaft.

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