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ARD-Sportkoordinator Boßdorf : „Live-Sport funktioniert wie ein Krimi“

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Hagen Boßdorf: „Wir bieten Spitzenfußball und Harald Schmidt” Bild: dpa

ARD-Sportkoordinator Hagen Boßdorf im F.A.Z.-Interview über Sparen für Harald Schmidt, drittklassige Boxer, seine Nebentätigkeiten und das Fußball-Fernsehen der Zukunft.

          5 Min.

          Hagen Boßdorf war Handballspieler in Frankfurt an der Oder, studierte Sport und Journalistik in Leipzig und wurde 1992 in Potsdam beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg Sportchef und Chefredakteur. Vor zwei Jahren berief die ARD ihn zu ihrem Sportkoordinator. Der vierzig Jahre alte Boßdorf ist bei der Tour de France und anderen Radrennen immer noch Reporter.

          Da kommt einer, der mehr wert ist als Fußball, als Liga- und Uefa-Pokal. Was hat Harald Schmidt, was der Sport nicht hat?

          Ich würde das nicht so ausschließlich sagen; denn wir übertragen weiterhin ausreichend Sport. Aber Harald Schmidt ist tatsächlich faszinierend für die ARD, weil er uns ein Publikum bescheren wird, das wir sonst mit unseren Programmen nicht unbedingt erreicht haben.

          Mehr als Interview-Partner: Hagen Boßdorf und Jan Ullrich
          Mehr als Interview-Partner: Hagen Boßdorf und Jan Ullrich : Bild: dpa

          Aber er ist acht bis neun Millionen Euro teuer.

          Diese Summen kann ich nicht bestätigen. Doch wir müssen Schwerpunkte setzen. Die Gebührenerhöhung fällt nicht so hoch aus, wie sich ARD und ZDF das erwarten konnten. Wir zeigen trotzdem noch viel Fußball: die Bundesliga, den DFB-Pokal, Länderspiele, Frauen-Länderspiele, die Weltmeisterschaft 2006. Wir bieten den Zuschauern also Spitzenfußball und Harald Schmidt und sorgen damit für hohen Quoten und hohe Qualität.

          Mit dem Olympiaprogramm mußten die öffentlich-rechtlichen Sender sich auf Sparten- und Digitalkanäle ausbreiten, weil der angestammte Platz nicht ausreichte. Warum teilen Sie Ihre Rechte nicht mit privaten Sendern?

          Wir hatten schon im Winter sehr intensiv damit begonnen, über unsere Sportrechteagentur SportA Olympia-Rechte anderen Sendern anzubieten. Ganz konkret und sehr ernst gemeint. Es wollte nur keiner zugreifen. Daraufhin haben wir uns entschlossen, die Fans der kleineren Sportarten auf den digitalen Kanälen zufriedenzustellen. Die vier Olympiakanäle, die wir gemeinsam mit dem ZDF gebildet haben, waren sehr erfolgreich. Unserer Medienforschung haben 95 Prozent der Befragten gesagt, daß sie das Programm als modern, innovativ und gut empfunden hätten. Es ist falsch zu sagen, daß wir keine Rechte abgeben wollen.

          Sie wollten die Rechte ja nicht nur gut bezahlt haben, sondern sie haben selbst an den attraktivsten Sportarten festgehalten.

          Natürlich wollten wir diese teuren Rechte nicht verschenken; wir reden über Olympische Spiele. Diese Sublizensierung ist an unterschiedlichen Vorstellungen gescheitert. Es ist zudem undenkbar und nach den Verträgen auch unmöglich, daß man eine Top-Sportart herauslöst, etwa Schwimmen oder Leichtathletik; das will auch kein Fan. Olympia lebt von der Vielfalt. Deswegen kann man das Hauptangebot von ARD und ZDF nicht begrenzen.

          Haben Sie Pläne, auch in Zukunft sogenannte Randsportarten auf den Digitalkanälen unterzubringen?

          Wir haben eine klare Vorgabe für Sportsendungen auf diesen Kanälen: keine Kosten für neue Rechte, keine Extra-Produktionen. Wir sind allerdings gezwungen, stärker darüber nachzudenken, was wir mit den Rechten tun, die wir erworben haben, aber in den Hauptprogrammen nicht ausnutzen. Im kommenden Winter haben wir zum Beispiel die Eiskunstlauf-EM im Programm, die wir in der ARD erst in einer Zusammenfassung ab 0:15 Uhr ausstrahlen. Nun sprechen wir mit den Kollegen von den digitalen Kanälen darüber, ob nicht das Live-Angebot - es gibt ein produziertes Signal und alle unsere Kollegen sind vor Ort - schon am Nachmittag gesendet werden könnte. Gleichzeitig bieten wir aber weiterhin ungenutzte Übertragungsrechte anderen Sendern an.

          Produktionskosten sind heiß diskutiert worden. Verlangen ARD-Sender weiterhin Zuschüsse, wie etwa der Hessische Rundfunk bei bestimmten Veranstaltungen?

          Das Problem bei dieser Diskussion war, daß sich die Prioritäten verschoben hatten. Ich finde nicht, daß man Produktionsbeteiligungen generell ausschließen sollte. Sie können Sportübertragungen befördern. In vielen internationalen Verträgen ist die Lieferung eines fertigen Bildsignals sogar garantiert. Was aber nicht sein darf, ist, daß nur ins Programm kommt, wer dafür bezahlt.

          Man hatte teilweise den Eindruck, daß Veranstalter und Sponsoren sich ihren Platz im Programm kaufen konnten.

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