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Tauchen unter Eisbergen

Interview von SEBASTIAN EDER, Fotos: TOBIAS FRIEDRICH

07.05.2019 · Apnoetaucherin Anna von Boetticher ist aufgebrochen, um im Eismeer von Grönland zur Ruhe zu kommen. Im Interview spricht sie über den Schicksalsschlag, der sie dazu animierte, die Gefahren und die erstaunlichen Erlebnisse unter Wasser.

Frau von Boetticher, mit Tauchen verbindet man eher tropische Reiseziele. Was hat Sie in diesem Frühjahr nach Tasiilaq geführt, eine 2000-Einwohner-Stadt in Ostgrönland, die das halbe Jahr im Eis eingeschlossen und nur mit dem Helikopter zu erreichen ist?

Ich bin in einem kleinen Dorf in Bayern mit Unmengen von Schnee aufgewachsen und wollte schon immer mal die Arktis oder Antarktis erleben. Es war ein traumatisches Erlebnis im vergangenen Herbst, das den letzten Ausschlag für die Reise gegeben hat: Meine Mutter ist im Urlaub in Griechenland ins Koma gefallen, und obwohl es keine Hoffnung mehr für sie gab und sie eine Patientenverfügung hatte, durfte man dort die Geräte nicht abstellen. Wir mussten ihr tagelang beim Sterben zuschauen. Danach ist bei uns das totale Chaos ausgebrochen. Ich habe mich irgendwann nur noch nach Stille gesehnt.

Dann sind Sie aufgebrochen?

Ja, zuerst bin ich auf einem Schiff durch die Antarktis gefahren. Das war wunderschön, aber mir war es noch zu weit weg von dem Erleben der Wildnis. Also habe ich die Reise nach Grönland gebucht. Dort habe ich mit fünf Tauchern in einem kleinen Holzhaus gewohnt, tagsüber waren wir bis zu sieben Stunden auf dem Eis. Als Apnoetaucherin hat mich natürlich auch die sportliche Herausforderung gereizt: Ich wollte wissen, ob ich es schaffe, ohne Pressluftflasche bei Wassertemperaturen von minus drei Grad unter einer geschlossenen Eisdecke zu tauchen. Zufällig war einer der anderen Gäste Tobias Friedrich, einer der besten Unterwasserfotografen der Welt.

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