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Antje Buschschulte im Interview : „Egoismus und fehlende Konzentration“

  • Aktualisiert am

Buschschulte über den DSV: „Die Mängelliste ist lang” Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Sie ist die erfolgreichste deutsche Schwimmerin: Antje Buschschulte. Im FAZ.NET-Interview spricht sie über Mobbing, Mängel und Egoismus im deutschen Schwimmsport und ihre Pläne für Olympia 2008 in Peking.

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          Antje Buschschulte ist die zur Zeit erfolgreichste deutsche Schwimmerin. Die Rückenspezialistin gewann bei den Olympischen Spielen in Athen Bronze über 200 Meter Rücken und feierte 2003 einen WM-Titel über die halbe Distanz. Bei der WM im Sommer in Montreal gewann die 26jährige vier Medaillen. Im Augenblick erholt sich die Biologiestudentin von den Strapazen einer langen Saison im „Club der Besten“. Mit FAZ.NET sprach sie über Training an Bord eines Schiffes, den Streit um eine Woche Urlaub und ihr Verhältnis zum Schwimmverband.

          Eine Woche „Club der Besten“ auf der Aida Aura - heißt das für Sie sieben Tage Dolce Vita oder kommen Sie während der Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer auch zum Trainieren?

          Mit Schwimmen sieht es hier an Bord eher schlecht aus. Mit zwei Zügen bin ich durch den Pool am Sonnendeck durch. Doch darauf kommt es mir zum jetzigen Zeitpunkt auch gar nicht so an. Ich gehe aufs Laufband, setze mich auf das Rudergerät, mache ein paar Übungen mit Hanteln. Ein bißchen was geht immer. Nach der Weltmeisterschaft im Sommer habe ich zwei Wochen lang gar nix gemacht. Nur gefaulenzt, auf dem Sofa gelegen, Fernsehen geschaut, völlig abgeschaltet. Seit Montreal bin ich nur bei der Klubmeisterschaft bei meinem Heimatverein SC Magdeburg gestartet. Langsam kommt der Kreislauf aber wieder in Schwung. Bald trainiere ich wieder täglich und volle Pulle.

          Seit zehn Jahren die deutsche Nummer eins im Rückenschwimmen
          Seit zehn Jahren die deutsche Nummer eins im Rückenschwimmen : Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

          In diesem Jahr gibt es den traditionellen „Club der Besten“ und die Konkurrenzveranstaltung „Club der Champions“. Wie beurteilen Sie und die übrigen Medaillengewinner den Zwist, den kommende Woche die Sporthilfe und das Nationale Olympisches Komitee mit den beiden sich beharkenden Veranstaltern lösen wollen?

          Alle, die wir hier an Bord sind, wurden von Werner von Moltke, der 1984 die Idee zum „Club der Besten“ hatte, über die Geschichte ausführlich informiert. Er hat uns Briefe gezeigt und Schriftstücke vorgelesen, so daß man schon einen guten Einblick bekommen hat. Ich kann das Verhalten des Robinson Clubs nicht ganz verstehen: im Herbst 2004 haben sie Herrn von Moltke mitgeteilt, daß sie aus Kostengründen weniger Sportler einladen oder die Veranstaltung nur noch alle zwei Jahre organisieren möchten. Da hat er sich mit dem Aida Clubschiff einen neuen Partner gesucht - und kaum hatte er seine Idee realisiert, initiierte der Robinson Club ein Gegentreffen. Das macht schon einen komischen Eindruck.

          Halten Sie das Vorhaben, 2006 die besten Sportler möglicherweise an zwei Terminen im Frühjahr und Herbst zu einer Woche Urlaub einzuladen, damit beide Sponsoren ihr Gesicht wahren können und nicht verprellt werden, für vernünftig?

          Eigentlich ist der ganze Streit ja ziemlich skurril, wir reden ja über Einladungen zu einer Woche Urlaub. Darüber sollte man sich eigentlich nicht in die Haare bekommen. Ich denke, es dürfte nur einen Termin geben. Fakt ist, daß Werner von Moltke hinter der Vater des „Clubs der Besten“ ist, seine Ideen sollten auf jeden Fall respektiert werden. Unter uns Sportlern ist das ganze Theater jedenfalls ein großes Thema.

          Was spricht gegen ein paar Tage Amüsement für die erfolgreichen Teilnehmer an den Olympischen Winterspielen im April und eine Reise für Schwimmer, Leichtathleten oder Kanuten im September?

          Der ursprüngliche Gedanke war doch, ein Treffen ins Leben zu rufen, bei dem sich die Sportler aus den unterschiedlichsten Sportarten und Disziplinen ein bißchen kennen lernen: So nach dem Motto: Bobfahrer trifft Marathonläufer, Skispringer begegnet Schwimmerin. Damit wäre dann endgültig Schluß. Ich habe hier an Bord jedenfalls viele neue Leute getroffen, unter anderem eine Gruppe Moderner Fünfkämpfer. Wir haben uns richtig gut unterhalten und vereinbart künftig einmal gemeinsam zu trainieren: ich helfe ihnen beim Schwimmen, sie mir beim Reiten.

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