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Behindertensportler des Jahres : Gala der klaren Worte

Seriensiegerin: Anna Schaffelhuber freut sich über ihre vierte Auszeichnung. Bild: dpa

Der Deutsche Behindertensportverband kürt seine Besten 2015. Doch die prominentesten Figuren sind nicht einmal anwesend. Das Problem ist hausgemacht.

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          Das darf man eine unglückliche Planung nennen - mindestens. Erst vor ein paar Wochen, Ende Oktober, hatten sich die deutschen Leichtathleten bestens in Szene gesetzt bei den paralympischen Weltmeisterschaften in Doha. Als aber am Samstagabend der Deutsche Behindertensportverband (DBS) in Köln seine Gala feierte und die Sportler des Jahres kürte, waren die prominentesten Figuren nicht einmal anwesend. Keine Vanessa Low, kein David Behre und auch kein Markus Rehm, der – wie schon im Vorjahr – einem Fernsehauftritt beim Turmspringen mit Stefan Raab den Vorzug gab.

          Christian Kamp
          (camp.), Sport

          Das (hausgemachte) Problem war: Die Nominierungsfrist für die Wahl endete schon vor der WM. Immerhin räumte Verbandschef Friedhelm Julius Beucher die Panne unumwunden ein. „Die Kritik ist berechtigt“, sagte er, das sei „eindeutig ein Verbandsfehler“ gewesen. Man hätte „die Bedingungen der Realität anpassen“ müssen. Das versäumt zu haben war gerade für Beucher, der mit viel Herzblut und Charme für die paralympische Sache zu werben pflegt, ein großes Ärgernis, über das intern noch zu sprechen sein wird.

          In Abwesenheit der Leichtathletik-Elite standen vor allem die alpinen Skifahrer im Rampenlicht. Bei den Männern wurde Georg Kreiter ausgezeichnet, der bei der WM im März zwei Titel gewonnen hatte. Während die Wahl für ihn eine Premiere war, wird sie für Anna Schaffelhuber zu einer schönen Gewohnheit: Bereits zum vierten Mal durfte sie die Trophäe aus Köln mitnehmen. Erst vor zwei Wochen war die fünfmalige Paralympics-Siegerin und aktuelle Doppel-Weltmeisterin mit dem Paralympic Sport Award ausgezeichnet und damit in den Status einer „Weltbehindertensportlerin“ erhoben worden. Deutsche Mannschaft des Jahres darf sich das Rollstuhlbasketball-Team der Damen nennen.

          Bei der Gala mit 400 geladenen Gästen war noch erstaunlich wenig von den Sommer-Paralympics im kommenden Jahr in Rio de Janeiro die Rede – und das, obwohl schon jetzt feststeht, dass die deutsche Mannschaft dort stärker vertreten sein wird als 2012 in London. Geprägt war der Abend noch vom Endspurt des Hamburger Olympia-Referendums. Beucher trug das „Feuer-und-Flamme“-Logo neben dem seines Verbandes am Revers und ließ keine Gelegenheit aus, die Bedeutung olympischer und paralympischer Spiele für Deutschland hervorzuheben.

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          In dieser Sache wurde der frühere Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses ebenso grundsätzlich wie politisch. Einmal, indem er Hamburg zur demokratischen Chance und auch Verpflichtung für all jene erklärte, die sich angesichts der Kandidaten für die Winterspiele - Peking und Almaty - über „Schurkenstaaten“ echauffiert hätten. Zum anderen sprach er Budapest, einem Bewerber für 2024, die moralische Eignung ab. Wer flüchtenden Menschen, die um Leib und Leben fürchteten, mit Stacheldraht und Tränengas begegne, könne kein „glaubwürdiger“ Gastgeber sein.

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