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Anna-Lena Grönefeld : Der große Schritt von der Begabten zur Siegerin

  • -Aktualisiert am

Im Tief: Anna-Lena Grönefeld Bild: dpa

Alleine muß Anna-Lena Grönefeld die nächsten Schritte nach ihrem Erstrundenaus bei den US Open nicht gehen. Ihr gerade entlassener Trainer Font de Mora bleibt ihr als Manager treu. Ein Neuanfang für die deutsche Nummer eins im Tennis?

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          Am vergangenen Montag, als Anna-Lena Grönefeld in einem fensterlosen Raum über ihr Scheitern sprach und keinen Weg aus der sportlichen Krise wußte, da schien sie noch nicht zu ahnen, daß sie kurz darauf in die Selbständigkeit entlassen würde. Oder hatte die Nordhornerin bereits von sich aus den Entschluß gefaßt, sich nach drei Jahren von ihrem Trainer Rafael Font de Mora zu trennen, es aber partout nicht preisgeben wollen?

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Schuld an ihrer 6:2, 0:6, 4:6-Auftaktniederlage bei den US Open gegen die Französin Aravane Rezai hatte sich die beste und unbeständigste deutsche Tennisspielerin jedenfalls noch selbst zugeschrieben. Anna-Lena Grönefeld hatte sogar ihren Coach öffentlich verteidigt, weil er sie nach dem zweiten Satz aus disziplinarischen Gründen alleine auf dem Außenplatz zurückgelassen hatte. Die am Mittwoch in New York verkündete Trennung habe „mit dem schlechten sportlichen Abschneiden zu tun“, sagte George Pascal von Anna-Lena Grönefelds Vermarktungsagentur ITMS. Auch die weiteren Erklärungen blieben recht vage: Der eine habe jeweils die Erwartungen des anderen nicht erfüllt.

          Rittners Kritik

          Font de Mora war stets die treibende Kraft hinter dem Aufstieg der Einundzwanzigjährigen in die Weltspitze. Im Trainingscamp in Arizona und auf den Plätzen der Welt forderte er von ihr Einsatz und Einstellung bis zur Erschöpfung, er spornte sie an, wenn sie gut spielte, und er schrie sie an, wenn es schlecht lief. Seine Methoden stießen zwar vor allem bei Barbara Rittner, der deutschen Fed-Cup-Teamchefin, auf heftige Kritik, aber sie fruchteten: Anna-Lena Grönefeld gewann in diesem Jahr in Acapulco ihren ersten Titel auf der WTA-Tour, erreichte das Viertelfinale der French Open und kletterte in der Weltrangliste bis auf Platz 14.

          Glücklos: Anna-Lena Grönefeld
          Glücklos: Anna-Lena Grönefeld : Bild: dpa

          Doch dann begann die sportliche Krise, die im Erstrundenaus von New York und der Trennung vom Trainer gipfelte. Einen Streit habe es nicht gegeben, behauptete Pascal, über eine mögliche Trennung sei sogar bereits nach den German Open nachgedacht worden. Daß sie ausgerechnet während des letzten Grand-Slam-Turniers des Jahres vollzogen wird, bei dem die Deutsche noch im Doppel antritt, könnte die Leistung der nicht gerade als nervenstark bekannten Spielerin beeinflussen.

          De Mora bleibt ihr Manager

          Vor den German Open in Berlin war Anna-Lena Grönefeld zwischen die Fronten geraten, nachdem sich ihr Trainer und die Fed-Cup-Teamchefin im Frühjahr bei der 2:3-Niederlage gegen die Vereinigten Staaten gestritten hatten und Font de Mora zur unerwünschten Person erklärt wurde. Damals hatte die Nordhornerin ihren Trainer, der seine Arbeit seither nicht mehr angemessen gewürdigt sieht, verteidigt. Barbara Rittner befürchtet nun, daß ihre beste Spielerin in eine Krise geraten könnte, „weil sie das Gefühl hat, ohne ihn geht es nicht. Aber gleichzeitig ist es eine Riesenchance für sie, auf eigenen Füßen zu stehen.“

          Alleine muß Anna-Lena Grönefeld die nächsten Schritte aber nicht gehen. So ganz kann die Deutsche von dem Spanier nämlich nicht lassen, weil Font de Mora ihr Manager bleibt, sich weiterhin um ihre Sponsoren und ihre Turnierpläne kümmert - und einen Nachfolger für sich als Trainer sucht. Über mögliche Kandidaten sei allerdings noch nicht nachgedacht worden, sagte Vermarkter Pascal; auch ob Anna-Lena Grönefeld weiter in den Vereinigten Staaten trainieren wird oder doch wieder in Deutschland, ist noch nicht sicher. „Font de Mora hat sie unter die besten zwanzig gebracht, jetzt braucht sie einen zum Schritt unter die ersten zehn“, sagte Pascal.

          Ein Trainerwechsel ist der nächste Versuch, aus der hochbegabten Norddeutschen eine souveräne Siegertype zu machen. Weil sich Höhen und Tiefen in ihrem Spiel beständig abwechseln, hatte es Anna-Lena Grönefeld zuletzt mit einem Mentalcoach versucht. „Aber gefruchtet hat es bei mir nicht so sehr.“ Barbara Rittner jedenfalls hat jetzt die Hoffnung, daß ihre Fed-Cup-Spielerin nach der Trennung vom autoritären Font de Mora entdeckt, „daß Tennis auch Spaß machen kann“. Anna-Lena Grönefeld ist frei. Ob sie will oder nicht.

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