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Marathon in Wien : Die halben Hahners sind Favorit

Erfolgserlebnis in Berlin: Anna Hahner startet mit guten Chancen in Wien Bild: Imago

Als Titelverteidigerin startet Anna Hahner an diesem Sonntag beim Marathon in Wien. Die Spätberufene muss in Österreich allerdings ohne ihre Schwester auskommen.

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          „So cool“ findet es Anna Hahner, mit der „F1“ an der Startlinie zu stehen, dass die quirlige Langstreckenläuferin vor lauter Begeisterung ihr ohnehin beachtliches Sprechtempo noch einmal erhöht. Das Kürzel „F1“ schmückt die Startnummer der schnellsten Frau des Vorjahres – und ist damit nachträgliche Auszeichnung für die 25-Jährige, die an diesem Sonntag beim Wien-Marathon als Titelverteidigerin auf die 42,195 Kilometer lange Strecke geht.

          Im vergangenen Jahr hatte Anna Hahner für eine große Überraschung gesorgt, als sie die führende Kenianerin Caroline Chepkwony kurz vor dem Ziel abfing und das Rennen in 2:28:59 Stunden gewann. Da sie beim Herbstmarathon in Berlin ihre Bestzeit sogar auf 2:26:44 steigerte, geht die Fuldaerin auch 2015 als Sieganwärterin ins Rennen. „Ich weiß, dass ich schnell bin“, sagt sie selbstbewusst. Schärfste Konkurrentin dürfte wieder Caroline Chepkwony sein.

          Mit trauriger Miene auf dem Sofa

          Anna Hahner ist Mitte März aus dem Höhen-Trainingslager in Äthiopien zurückgekommen und voll motiviert ins europäische Frühjahrslaufgeschehen eingestiegen. Den Dresdner Citylauf über zehn Kilometer gewann sie am 22. März in 33:58 Minuten. Doch der Tag endete mit einer Hiobsbotschaft: Ihre laufende Zwillingsschwester Lisa musste wegen starker Schmerzen nach acht Kilometer anhalten – Ermüdungsbruch im linken Wadenbein. „Wir bewegen uns eben im absoluten Grenzbereich“, erkannte Anna erschrocken und musste eingestehen, vor einem solchen Rückschlag nicht gefeit zu sein: „Wir treiben keinen Gesundheitssport, auch wenn wir sehr großen Wert auf Regeneration legen.“

          Auf ihrer Homepage sieht man die jüngere der beiden sonst stets fröhlichen Laufzwillinge nun mit trauriger Miene auf dem Sofa liegen, die Krücken griffbereit. „Statt schnell laufen, heißt es nun schnell gesund werden“, schreibt sie: „Wie lange das dauern wird, ist schwer vorherzusagen.“ Mindestens sechs Wochen werde sie ihr Bein nicht belasten dürfen und insgesamt „nicht viel machen können.“

          Dabei schien alles gerade blendend zu laufen. Ihr Höhentrainingslager hatten die beiden erstmals in Äthiopien aufgeschlagen, nachdem sie in den vergangenen vier Jahren jeweils Kenia als Ziel gewählt hatte. Fünfeinhalb Wochen trainierten sie auf 2750 Metern Meereshöhe. Die ostafrikanische Hochebene ist extrem fruchtbar und bietet bei 25 Grad Celsius Lufttemperatur beste Lauf-Bedingungen.

          „Der Höheneffekt“, sagt Anna Hahner, halte vielleicht nicht lange an: „dafür aber die Motivation.“ Die speist sich vor allem aus der Konzentration der Weltklasse dort: „Kenenisa Bekele zum Frühstück, Mo Farah zum Kaffeetrinken“, zählt sie auf: Zwanglose Kontakte und Fachgespräche mit den besten Langstreckenläufern der Welt – wie dem dreimaligen Olympiasieger aus Äthiopien und dem Laufidol aus Großbritannien – motivierten zu ein paar Extrarunden.

          Im Moment nicht gemeinsam unterwegs: Lisa Hahner (hinten) ist verletzt, Anna startet in Wien

          Wie es nach dem Wien-Marathon für die 1,64 Meter große Läuferin weiter geht, ist unklar. Entschieden hat sie sich dagegen schon, dass die WM im August in Peking keine Rolle spielt. „Wegen der hohen Luftverschmutzung macht es für mich keinen Sinn, dort zu starten“, sagt sie. Dagegen sei ihr Karriereziel schon definiert, seit die beiden Spätberufenen – sie laufen erst, seit sie 18 sind – mit der Leichtathletik anfingen: Olympia 2016 in Rio. Die Qualifikationszeit dürfte bei gut 2:28 Stunden liegen – ist also zumindest für Anna machbar. Dagegen muss sich Lisa, unabhängig von ihrem Beinbruch, noch etwas sputen, ihre Bestzeit liegt bei 2:30:17 Stunden.

          Eine läuft im Mittelpunkt

          Um ihr Ziel Olympia zu erreichen, haben sich die Hahners vor zwei Jahren der Laufgruppe von Renato Canova angeschlossen. Der 70 Jahre alte Italiener mit 50 Jahren Erfahrung betreut einen ganzen Stall exzellenter Läufer aus aller Herren Länder. „Der Plan muss zum Athleten passen, nicht umgekehrt“, ist einer seiner Leitsätze, der auch die Hahners überzeugte. Sie hatten ihn einfach angesprochen, „ob er uns trainieren will, sind dann nach Turin gefahren und haben dort eineinhalb Tage mit ihm geredet.“ Die Basis des Erfolgs wird nach Canovas Ansicht durch Fundamentaltraining mit hoher Intensität gelegt – womit er der Lehrmeinung widerspricht, dass viele lange, eher langsame Läufe maßgeblich seien.

          Zugleich legt er Wert auf Spezialtraining – so dürfen die Hahners etliche Einheiten auf dem Rennrad absolvieren. Der dritte Punkt ist eine gute Regeneration – auch wenn der Realitätscheck nun trotzdem in Lisas Verletzung endete. Sie wollte eigentlich eine Woche nach dem Wien-Marathon in Hannover starten. In Österreich war sie als feste Größe in Annas Unterstützerteam eingeplant. Die Hahners teilen sich üblicherweise ihre Auftritte, so dass jeweils eine im Mittelpunkt läuft, während ihr die andere im Hintergrund den Rücken frei hält. „Das kann ich jetzt vergessen“, meint Anna: „mir die Sachen hinterher tragen kann Lisa derzeit nicht.“

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