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Kerber nach Aus in Bad Homburg : „Ich werde wieder hier sein!“

  • -Aktualisiert am

Verpasste das Halbfinale: Angelique Kerber in Bad Homburg Bild: dpa

Wimbledonsiegerin Angelique Kerber verabschiedet sich aus Bad Homburg mit einem Versprechen. Ob sie aber als Tennisspielerin zurückkehrt, lässt sie offen.

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          Wenn ein Tennisprofi ein Match verloren hat, packt er seine sieben Sachen, schultert die Sporttasche, winkt ein letztes Mal ins Publikum und zieht normalerweise still von dannen. Die Bühne gehört danach dem erfolgreichen Gegenüber, der sein Glück im Siegerinterview mit allen teilen darf.

          Thomas Klemm
          Sportredakteur.

          Auch Angelique Kerber war, wie es sich für eine Viertelfinal-Verliererin gehört, schon auf dem Weg vom Bad Homburger Centre Court, als sie sich unvermittelt umdrehte und das Mikrofon forderte. Deutschlands beste Tennisdame erklärte kurz ihre Niederlage gegen die Französin Alizé Cornet, bedankte sich ausgiebig beim Publikum und bei den fleißigen Helfern, die zum Gelingen des WTA-Turniers beigetragen haben. „Ich hoffe, wir sehen uns alle im nächsten Jahr wieder“, sagte Kerber unter Applaus.

          So manch einer deutete die Worte als Versprechen, dass die 34-Jährige ihre aktive Karriere nicht so schnell beenden und auch 2023 wieder im Kurpark aufschlagen wird. Könnte gut sein. Oder auch nicht.

          Kerber wird aus den Top 20 fallen

          Kerber ist seit der Premiere im vergangenen Jahr ja nicht nur Teilnehmerin, sondern auch Turnierbotschafterin der Bad Homburg Open. Als solche hatte sie am Donnerstag vor 3500 Zuschauern auf dem Centre Court ihre spontane Ansprache gehalten, und als solche wird sie sich 2023 wieder mit Herzblut ins Zeug legen. Und als Spielerin? „Ich werde hier sein“, antwortete die Kielerin ausweichend. Längst hat Kerber klargemacht, dass sie nicht vorhersagen könne, wann ihre Leidenschaft fürs Profitennis versiegen wird. Spielerische Auftritte wie bei ihrem so gut wie ausverkauften Heimturnier motivieren sie zum Weitermachen.

          Anders als bei der Premiere im Vorjahr, als Angelique Kerber bei ihrem eigenen Turnier den Titel gewann und auf den letzten Drücker nach Wimbledon reiste, kann sie sich diesmal einen Tag länger auf dem Londoner Rasen umtun. Sie beschäftige sich mit dem Turnier gedanklich erst, wenn sie in London angekommen sei, sagte Kerber unmittelbar nach ihrer 4:6, 6:2 und 1:6-Niederlage im Kurpark gegen Cornet: „Eigentlich hatte ich mir gewünscht, hier bis zum Ende zu spielen.“

          Am Freitag bot sich der Wimbledonsiegerin von 2018 schließlich ein Anlass, über das kommende Grand-Slam-Turnier nachzudenken. Nach der Auslosung erfuhr die an Position 15 gesetzte Kerber, dass sie es in der ersten Runde mit der Französin Kristina Mladenovic zu tun bekommt, die in der Weltrangliste exakt 100 Plätze hinter Kerber auf Rang 118 eingestuft wird. Im Achtelfinale könnte es zu einer Begegnung mit der Weltranglistendritten Ons Jabeur kommen. Die Tunesierin gewann am vergangenen Wochenende das Rasenturnier in Berlin.

          Durch ihren Halbfinaleinzug in Wimbledon 2021 gewann Angelique Kerber eine Menge Weltranglistenpunkte. Weil dieses Jahr beim Rasenklassiker keine neuen Punkte verteilt und die alten gestrichen werden, wird sie aus den Top 20 fallen. Punkte und Plätze interessieren die deutsche Nummer eins zwar nicht mehr; gleichwohl sind sie bei Turnieren entscheidend für die Auslosungen.

          Schüttler als Aushilfstrainer

          An Angelique Kerbers Seite zeigt sich ein Mann, der in der Region sportlich großgeworden ist und eine Weltkarriere hingelegt hat. Rainer Schüttler, immer noch Mitglied des TC Bad Homburg, spielte fürs Davis-Cup-Team, stand 2003 im Endspiel der Australian Open und betreut heute die deutschen Damen im Billie Jean King Cup (ehemals Fed Cup). Seit einigen Wochen wird der 46-Jährige im Fernsehen und bei anderen Gelegenheiten als Kerbers Coach bezeichnet, der er von November 2018 bis Juli 2019 offiziell schon mal war.

          Stimmt so nicht, sagt Schüttler: „Angie und ich sind sehr gut befreundet. Also habe ich ihr angeboten zu helfen, wenn sie Hilfe braucht.“ Ob drei Monate, sechs Monate oder nur noch kurz – „wir schauen, was geht“, sagt der Hesse, der schon gut damit beschäftigt ist, die Matches aller deutschen Tennisdamen am Ort zu verfolgen. Für seine Ausnahmespielerin hat Schüttler eine Empfehlung für die London-Reise: „Alles, was jetzt kommt, sollte sie mitnehmen und genießen. Sie spielt ja nicht mehr allzu oft Wimbledon.“ Auf ihrem Lieblingsbelag Rasen, sagt der Tenniscoach, sei Kerber alles zuzutrauen.

          Andreescu kampflos im Finale

          Die Kanadierin Bianca Andreescu hat beim Turnier in Bad Homburg kampflos das Endspiel erreicht. Die 22 Jährige profitierte von einer Verletzung der Rumänin Simona Halep, die wegen Nackenproblemen zum Halbfinale nicht antreten konnte. Andreescu trifft im Endspiel am Samstag auf Caroline Garcia, die sich im Halbfinal-Duell zweier Französinnen mit 7:6 (11:9), 3:6, 7:5 gegen Alizé Cornet durchsetzte. (ad./dpa)

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