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Angelique Kerber im Fed Cup : Zwischen Wolke sieben und Wolke vier

Vor den Augen von Trainerin Rittner gibt Angelique Kerber auch im Fed-Cup-Training alles Bild: dpa

Trotz des Rummels um ihre Person führt Angelique Kerber eine Woche nach ihrem Triumph bei den Australian Open das deutsche Fed-Cup-Team an. Ihr Auftritt gegen die unangenehmen Gegnerinnen aus der Schweiz bedeutet für sie ein kleines Wagnis.

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          Vielleicht ist es ein kleines Wagnis, aber hätte es eine andere Wahl gegeben? Angelique Kerber wird wie erwartet genau eine Woche nach ihrem Triumph bei den Australian Open und dem Sprung auf den zweiten Platz der Weltrangliste die deutsche Fed-Cup-Mannschaft in der Erstrundenpartie gegen die Schweiz anführen und an diesem Samstag in der Leipziger Messehalle das zweite Einzel des Tages gegen Timea Bacsinszky bestreiten. Zum Auftakt (Beginn 13 Uhr / live in Sat1) tritt die Darmstädterin Andrea Petkovic gegen die auf Rang elf der Weltrangliste zwölf Plätze besser plazierte Belinda Bencic an.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Am Sonntag treffen dann zunächst die Spitzenspielerin Angelique Kerber und Belinda Bencic aufeinander, gefolgt von der Partie von Andrea Petkovic gegen Timea Bacsinszky. Sollte erst im abschließenden Doppel die Entscheidung fallen, stünden Annika Beck und Anna-Lena Grönefeld vor einer schweren Aufgabe: Die Schweiz kann an der Seite von Viktorija Golubic mit der 35 Jahre alten Martina Hingis die Doppel-Weltranglistenerste (gemeinsam mit ihrer indischen Partnerin Sania Mirza) aufbieten.

          „Will auch Weltranglistenerste werden“

          Nach den Trainingseindrücken hat sich Teamchefin Barbara Rittner dazu entschieden, auf die Regenerationsfähigkeit ihrer Spitzenspielerin Angelique Kerber zu setzen, die nach den Australian Open und einem Medien- und PR-Rummel zunächst keine ruhige Minute hatte. Endgültig konzentrieren auf die schwere Aufgabe gegen die Schweiz kann sich die gebürtige Bremerin erst seit Donnerstag - am Mittwoch war sie nach einem ersten Training gleich noch einmal zu einem RTL-Fernsehtermin nach Köln geflogen. „Jetzt will ich auch Weltranglistenerste werden“, hatte sie dort gesagt - was für eine Spielerin, die plötzlich nur noch Serena Williams vor sich sieht, auf der einen Seite eine logische Konsequenz ist, andererseits für die sonst sehr zurückhaltene Angelique Kerber aber ganz erstaunlich forsch klingt.

          Für ihre Fed-Cup-Teamchefin wäre es eine heikle Angelegenheit gewesen, hätte sie der neuen deutschen Tennisheldin erst einmal etwas Schonung auferlegt, selbst wenn diese notwendig erschienen wäre. „Solange wir nicht gewinnen, habe ich so oder so die Schuld“, sagt Barbara Rittner, die diese Erfahrung schon im Halbfinale der vergangenen Saison gemacht hatte. Da waren Angelique Kerber und Andrea Petkovic nach Turnieren in Übersee übermüdet und verspätet in Russland eingetroffen, worauf Rittner ihren Eindrücken vor Ort vertraute und auf beide gegen ein ersatzgeschwächtes russisches Team zunächst verzichtete.

          Deutschland aber hatte dann nach dem ersten Tag 0:2 zurückgelegen, auch weil Sabine Lisicki einen Matchball nicht hatte nutzen können. Am Ende hatte das deutsche Team trotz deutlicher Einzelsiege von Kerber und Petkovic am zweiten Tag das Finale verpasst, weil das abschließende Doppel verlorengegangen war, und Rittner musste sich viele unangenehme Fragen gefallen lassen.

          Auch diesmal hängt die öffentliche Bewertung über die richtige Aufstellung ganz entscheidend vom Resultat ab. Ein wenig ist in der Wahrnehmung in Deutschland, wo viele nun einen Boom und eine rosige Zukunft für den Tennissport erwarten, nach dem Coup von Melbourne untergegangen, dass auf die deutschen Damen in Leipzig eine äußerst unangenehme Aufgabe wartet, die sich auch jederzeit als zu schwer herausstellen kann. Angelique Kerber hat ihre beiden vorherigen Partien gegen Belinda Bencic nämlich verloren und auch die einzige Begegnung mit Timea Bacsinszky (Weltranglistenplatz 15), die allerdings schon 2009 stattfand, nicht gewinnen können. Andrea Petkovic, auf Rang 23 die am niedrigsten eingestufte Akteurin der vier für die Einzel nominierten Spielerinnen, hat nur einmal gegen Timea Bacsinszky vor langer, langer Zeit gespielt - und 2008 bei einem Turnier an der australischen Gold Coast verloren.

          Das deutsche Fed-Cup-Team um Angelique Kerber, Andrea Petkovic, Annika Beck, Anna-Lena Grönefeld und Trainerin Barbara Rittner (v.r.n.l.)

          „Ich wäre ja wahnsinnig, wenn ich sie rausgelassen hätte. Das war keine Frage, es sei denn, sie hätte ihr Veto eingelegt. Aber ich wollte zumindest abwarten, wie sie trainiert und alles wegsteckt. Angelique ist sicherlich immer noch zwischen Wolke sieben und Wolke vier“, sagte Barbara Rittner am Freitag bei der Auslosung und der Verkündung der Mannschaftsaufstellung. Erschweren könnte Angelique Kerber, für die ein Verzicht auf den Fed Cup trotz aller zwangsläufig vorhandenen Müdigkeit nie in Frage kam, bei der von ihr ersehnten Rückkehr auf den Tennisplatz allerdings die Tatsache, dass sie mit ihrem Sieg in Melbourne nicht nur für die deutschen Kolleginnen eine „große Inspiration“ war. „Sie hat allen gezeigt, dass mit harter Arbeit alles möglich ist“, sagt Heinz Günthardt. Der ehemalige Trainer von Steffi Graf meinte damit aber vor allem seine Schweizer Spielerinnen. Den Deutschen wäre es recht, wenn es mit deren Erkenntnisgewinn aber noch etwas dauern würde.

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