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Handballprofi Andy Schmid : Der König der Löwen

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Einen Schritt voraus: Andy Schmid ist das Mastermind der Rhein-Neckar Löwen Bild: dpa

Mit Ruhe, Übersicht – und einer gehörigen Portion Genialität: Andy Schmid lässt bei den Rhein-Neckar Löwen in der Handball-Bundesliga die Meisterträume wachsen. Der Spielmacher brilliert auch mal auf ganz ungewohnten Positionen.

          Die Qualitäten des Andy Schmid sind hinlänglich bekannt. Seit zweieinhalb Jahren leitet das Mastermind der Rhein-Neckar Löwen die Angriffe seines Teams mit Ruhe, Übersicht und einer gehörigen Portion Genialität an. Das gelingt dem 32 Jahre alten Schweizer scheinbar mühelos – schwache oder auch nur mäßige Leistungen sind ihm fremd.

          Am Mittwoch, beim 32:25-Sieg in der Flensburger Arena, führte Schmid wie gewohnt Regie, entdeckte jedoch auch eine ihm bislang unbekannte Fähigkeit. Die Löwen spielten in Unterzahl, der eigene Torwart wurde in dieser 13. Minute vom Feld genommen, und Schmid trug das rote Leibchen des sechsten Feldspielers, als sie im Angriff den Ball verloren. Der Flensburger Rechtsaußen Lasse Svan schnappte sich die Kugel und eilte in Richtung Löwen-Tor. Dort war der zurückgeeilte Not-Torwart Schmid angekommen. Bei Svans Wurf drehte er sich erschrocken weg – und brachte den linken Arm an den Ball: Parade!

          Symbolische Szene

          Die Szene war symbolisch für das Spitzenspiel. Was die SG Flensburg-Handewitt auch probierte, die Löwen hatten die bessere Antwort. Von ihrem Trainer Nikolaj Jacobsen perfekt eingestellt, gewannen die Badener zum dritten Mal im hohen Norden und stehen mit nur zwei Minuspunkten glänzend da. Wer will dieser eingespielten, ausgeglichenen Mannschaft den Titel noch nehmen?

          Schmid ist ein ruhiger Vertreter; er grinste später, als er seine Tat beschreiben sollte. „Ich wollte mich nur schützen“, sagte er, „außerdem werde ich jetzt eine Woche im Training für meine komische Bewegung aufgezogen.“ Damit wird der Löwen-Kopf leben können. In Flensburg sahen er und sein Coach eine Halbzeit vom Feinsten, „die beste, seit ich hier Trainer bin“, wie Jacobsen später sagte.

          Zum ersten Mal in dieser Saison hatte er seinem Team eine 5:1-Deckung verordnet. In ihr verhedderte sich die SG so hilflos, dass es nach 19. Minuten 13:5 für die Löwen stand. Der sonst so starke Torwart Mattias Andersson nahm auf der Bank Platz, sein junger Vertreter Kevin Möller machte es kaum besser. „Uns hat natürlich die Torwartleistung gefehlt“, sagte später Trainer Ljubomir Vranjes.

          Auf den Knien hockend mit den Händen am Kopf verfolgte der kleine Coach die erfolglose Aufholjagd seiner Mannschaft in den letzten zehn Minuten; bis auf drei Tore kam die SG heran. Dass es nicht mehr wurde, lag für Vranjes auch an den Schiedsrichtern Fabian Baumgart und Sascha Wilk. Er sagte: „Mein Gefühl sagt mir, dass es heute nicht in Ordnung war, wie dieses Duo die Partie geleitet hat. Ein Spitzenspiel hat die besten Referees verdient, die beiden waren es heute nicht.“

          Durch nichts aufzuhalten: „Löwe“ Schmid setzt sich gegen zwei Berliner „Füchse“ durch

          Vranjes spielte auf das harte Einsteigen gegen seinen Linkshänder Holger Glandorf und den Körpereinsatz des 120 Kilogramm schweren Löwen-Kreisläufers Rafael Baena an. Beides blieb ungeahndet. Entscheidend waren andere Dinge - SG-Spielmacher Thomas Mogensen spielte schlecht, und Vranjes ließ sein Team in der besten Phase von der 45. Minute an zu lange im 4:2-Modus decken. Die sich ergebenden Lücken nutzte Andy Schmid für kluge Anspiele oder eigene Tore.

          Nach diesem überraschend deutlichen Sieg waren die Fragen hinterher noch das unangenehmste für die Löwen. „Es ist langweilig, ich weiß, aber wir schauen nicht auf die Minuspunkte oder die Tabelle“, sagte Schmid, „wir schauen nur auf das nächste Spiel, und das nächste.“ Zwei Mal scheiterten die Rhein-Neckar Löwen schon knapp im Kampf um die Meisterschaft, 2014 wegen der schlechteren Tordifferenz. Diese Saison wirken sie stabil genug, den ganzen Weg zu gehen.

          Unterwegs zum ersten großen Titel kann es nur helfen, dass Schmid sich im Januar wird ausruhen können, wenn alle anderen Stars in Polen um die Europameisterschaft spielen. Doch bis er als nichtqualifizierter Schweizer die EM vor dem Fernseher verfolgen kann, folgen noch sechs Spiele – unter anderem am Tag vor Heiligabend das beim THW Kiel.

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