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Handballer Andy Schmid : Das Superhirn der Rhein-Neckar Löwen

  • -Aktualisiert am

Schon seit sechs Jahren für die Löwen am Ball: Andy Schmid Bild: dpa

Ohne Andy Schmid geht bei den Rhein-Neckar Löwen wenig. In seinem sechsten Mannheimer Jahr will der Spielmacher endlich Handballmeister werden.

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          Niemand muss Andy Schmid auf den 24. Mai 2014 ansprechen. Der Spielmacher der Rhein-Neckar Löwen kommt von alleine darauf. „Wir haben Gummersbach miterlebt“, sagt Schmid, „das steckt in jedem Kopf drin. Dieses Spiel und seine Folgen hat etwas ausgelöst. Da gibt es etwas, das muss ich auslöschen. Sonst trage ich es ein Leben lang mit mir herum.“ Handball-Deutschland hatte den Löwen damals schon zur Meisterschaft gratuliert. Dann gewannen sie am letzten Spieltag nur 40:35 beim VfL, während Kiel die Füchse Berlin 37:23 bezwang und nach 34 Spielen um zwei Tore besser dastand.

          Etwas auslöschen - Schmid steht in diesen Tagen kurz davor. Im vergangenen Jahr missglückte es zwar wieder, den ersten nationalen Titel zu erringen, weswegen die Löwen den Ruf als ewiger Zweiter weghaben. „Ich kann das nicht mehr hören“, sagt der 32 Jahre alte Schmid: „Aber es war auch ein Antrieb.“ Jetzt führen die Löwen mit einem Punkt vor Flensburg, und die Aufgaben an diesem Sonntag gegen Hannover und eine Woche später in Lübbecke sind lösbar. „Das Schwierigste ist, die Füße stillzuhalten“, sagt Schmid, „aber wir machen alles so wie zuletzt. Wenn wir ruhig bleiben, gewinnen wir und werden Meister.“

          „Krass, wie er Verantwortung übernimmt“

          Dass im Saisonfinale alle Kollegen und Fans wieder auf den Schweizer schauen, scheint Schmid nicht zu bekümmern. „Wenn es eng wird, ist er unser Anführer“, sagt Rückraumkollege Kim Ekdahl, „ich finde es krass, wie er dann die Verantwortung übernimmt.“ In den vergangenen beiden Partien hätten die Löwen beinahe wieder alles verspielt. Niederlage in Berlin. Enges Spiel in Wetzlar bis zur 50. Minute. Dann erzielte Schmid sieben der letzten neun Löwen-Tore. „Er hat die ganze Mannschaft auf seinen Rücken genommen“, sagt Trainer Nikolaj Jacobsen. Seit dem Sieg in Wetzlar glauben alle Löwen an die heißersehnte erste Meisterschaft. Nur eines darf nicht passieren: Dass sich Superhirn Schmid verletzt. Einen halbwegs gleichwertigen Vertreter hat der torgefährlichste Spielmacher der Liga nicht. Mag Uwe Gensheimer der Star und Teenie-Schwarm der Mannheimer sein, so ist Schmid der Chef auf dem Parkett.

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          Mit Druck von außen oder vom Trainer muss man ihm nicht kommen. Er sagt: „Ich habe in erster Linie große Anforderungen an mich selbst. Ich weiß, dass viel auf meinen Schultern lastet. Aber es bekümmert mich nicht. Mein größter Kritiker bin ich. Aber ich hatte sportlich auch schon unheimlich viel Glück - ich habe in meinen sechs Jahren bei den Löwen kein Spiel verpasst.“ Sehr ungewöhnlich, so unverletzt durch ein Handballerleben zu kommen.

          Das liegt auch daran, dass Schmid die Zeit im Januar zur Pflege nutzen kann. Als „psychisch ein Nachteil, physisch ein Vorteil“ beschreibt er den Umstand, dass die Schweiz so gut wie nie bei EM oder WM dabei ist: „Ich weiß, dass ich mich mit den Besten messen könnte, das schaffe ich mit der Schweiz aber nicht. So kann ich viel für den Körper tun, ausruhen.“ Schmid ist kein Muskelmann. Deswegen spielt er auch nicht in der Abwehr. Da darf er sich auf der Bank ausruhen.

          Die Löwen sind mit Kiel inzwischen auf Augenhöhe

          Vor sieben Jahren wechselte er aus Zürich nach Silkeborg in Dänemark. Dort als bester Spielmacher gekürt, köderten ihn die damals noch reichen Löwen unter Financier Jesper Nielsen mit einem üppigen Gehalt. Gerade hat Schmid seinen Vertrag bis 2020 verlängert, und es bleibt ein vieldiskutiertes Geheimnis der Szene, ob der Kontrakt noch so hoch dotiert ist wie zu Zeiten des protzenden Sponsors. Schmid schweigt dazu. Er fühlt sich mit der Familie in Verein und Umgebung „superwohl“ und sagt: „Wir sind seit drei Jahren auf Augenhöhe mit Kiel. Natürlich ist der THW ein Riesenverein, aber ich hatte keinen Grund, etwas anderes zu tun.“ Und sollte er nun den Gedanken an den 24. Mai 2014 auslöschen, wird ihn auch niemand mehr darauf ansprechen, dass man nur im Norden Handballtitel gewinnen kann - zumal Schmid mit einem Augenzwinkern einen gewichtigen Grund für den Südwesten anbringt: „Kann doch nicht schön sein, wenn es immer von oben auf einen herab tröpfelt, oder?“

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