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Handball und die Corona-Krise : „Es gibt nicht nur Kids, die ein Messi-Trikot tragen“

  • -Aktualisiert am

Spielmacher Andy Schmid: Denkt auch an Handball Bild: dpa

Andy Schmid ist nicht nur ein exzellenter Handball-Spielmacher, sondern auch ein kluger Kopf, der sich nun um seinen Beruf sorgt. In der Debatte um den Neustart in der Corona-Krise soll seine Sportart nicht vergessen werden.

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          Am 8. März verloren die Rhein-Neckar Löwen 21:27 beim THW Kiel; der mutige Auftritt in der ersten Halbzeit unter dem neuen Trainer Martin Schwalb deutete an, was in dieser Saison noch möglich sein könnte. Kiel? Handball? „Das ist gefühlt zwei Jahre her“, sagt Andy Schmid, „ich habe seitdem kein einziges Mal an dieses Spiel gedacht. Alles hat sich verändert.“ Auch der Gedanke, ob die Löwen nicht mitten in einer Phase des Aufstiegs vom Coronavirus getroffen worden seien, sei ihm nie gekommen: „Das war keine Sekunde in meinem Kopf. Uns allen war relativ schnell klar, dass es nicht nur um uns geht, sondern um den ganzen Handball. Corona hat unseren ganzen Sport verändert.“

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          Schmid ist nicht nur ein exzellenter Spielmacher, sondern auch ein kluger Kopf, der sich nun um seinen Beruf sorgt. Wie geht es weiter? Wird die Bundesliga-Saison zu Ende gespielt oder abgebrochen? Was bringen Geisterspiele? Ist es realistisch, dass die Spielzeit 2020/21 eine relativ normale wird? „Wenn man die Zeitungen liest, wird man skeptisch“, sagt Schmid. „Aber ich hoffe weiterhin, dass wir noch spielen und die Saison sportlich austragen.“ Sollte die Saison abgebrochen werden, fürchtet Schmid Regressforderungen der Sponsoren, die ihre Leistungen nicht mehr erfüllt sehen.

          Aktuell fühlt sich der erfahrene Profi gut vertreten von der Liga-Vereinigung HBL: „Es gibt viele Informationen, eine gute Transparenz.“ Schmid glaubt, dass der „Heißhunger“ auf Profihandball nach der Pause groß sein werde, allerdings: „Wahrscheinlich ist nicht Handball das Erste, an das die Leute denken, sollte ihnen das Geld fehlen, weil sie arbeitslos geworden sind. Und das Gleiche gilt für die mittelständischen Unternehmen, die unsere Sportart unterstützen. Deswegen wünsche ich mir, dass bei allen Überlegungen, die derzeit über den Profifußball angestellt werden, die anderen Sportarten auch berücksichtigt werden. Es gibt nicht nur Kids, die ein Trikot von Messi oder Julian Brandt tragen. Viele haben auch eines mit den Namen von Eishockey- oder Handballspielern drauf.“

          Schmid hat eine Frau und zwei Kinder; der Spielmacher der Löwen war selbst zwei Wochen in häuslicher Quarantäne, weil mehrere Kollegen Mitte März positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. „Ich war 14 Tage drinnen und habe die Tage rückwärts gezählt. Aber wir haben doch eine Luxussituation mit Haus und Garten und keinen Existenzängsten. Da sind andere Menschen viel härter getroffen.“

          Inzwischen gibt es einen anderen Alltag für Schmid. Sein großer Sohn geht in die zweite Klasse, er hilft ihm morgens bei den Schulaufgaben. Es gibt ein virtuelles Training via Skype; Übungen vom Fitnesscoach. Nachmittags setzt er sich aufs Spinning-Rad. Natürlich fehlt der Ball, und es bleibt genug Zeit, sich Gedanken zu machen. Was macht der professionelle Handball, wenn es Corona-Fälle in der Bundesliga gibt? Vielleicht muss dann ein reduzierter Kader reichen, um weiterhin Spiele zu bestreiten. Hätte die HBL die Kapazitäten, ständig Spieler zu testen? Wie lange soll es Geisterspiele geben, vielleicht sogar bis Ende des Jahres?

          „Ich glaube nicht, dass so schnell wieder 6000 oder 8000 Leute in einer Halle sitzen“, sagt Schmid, der sich auch fragt: „Wie schnell kommen die Unternehmen wieder in die Spur, um den Handballvereinen als Sponsor helfen zu können?“ Er wäre jederzeit bereit, bei Geldgebern der Löwen direkt vorzusprechen und den treuen Financiers eine glaubhafte und ehrliche Vorstellung vom „Handball nach Corona“ zu geben. Im Verein seien solche Treffen schon angedacht, berichtet Schmid. Dass es bei allen Klubs nur über Gehaltsverzicht laufen werde, ist für ihn selbstverständlich. Reduzierte Kader, geringere Gehälter, kleinere Teams, und auch im Stab der Mannschaften werde es Einschnitte geben.

          Schmid ist 36 Jahre alt; sein Vertrag in Mannheim läuft noch bis einschließlich des 30. Juni 2022. Danach soll Schluss sein. Er will aber beim Handball bleiben. Er besitzt bereits die Trainer-B-Lizenz. Schmid sagt: „Der Gedanke, es als Trainer zu probieren, ist in den vergangenen Jahren gereift. Ich bin keiner, der Türen zuschlägt, und es wäre spannend zu sehen, ob ich dafür tauge, als Trainer zu arbeiten.“ Noch aber ist er voll und ganz Spieler – in der Hoffnung, bald wieder spielen zu dürfen.

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