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BMW Open in München : Mister Murray zum Hundertjährigen

  • -Aktualisiert am

Murray auf bayerischem Terrain: München als erste Alternative zu Monte Carlo Bild: dpa

Zum Jubiläum gönnt sich das Turnier in München einen Weltstar: Andy Murray erhofft sich gute Unterhaltung – und nach seinem Einzel an diesem Donnerstag wichtige Erkenntnisse über einen neuen Mann in der Trainerbox.

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          Die Vögel zwitscherten, im Hintergrund schimmerte das schöne, alte Klubhaus des Münchner Tennisclubs Iphitos im traditionellen Zartgelb, und als sei das nicht genug der Idylle, machte sich auf dem Trainingsplatz vor dem Klubhaus ein veritabler Weltstar warm. Tags zuvor war Andy Murray mit dem Flieger aus Barcelona in München gelandet, und wenn alles gutgeht, wird er bis Sonntag in der Stadt sein, bis nach dem Finale der 100. Internationalen Tennismeisterschaften von Bayern.

          Natürlich hat die Anwesenheit des Schotten mit diesem Jubiläum bei den BMW Open zu tun; wenn der Opa den 80. feiert, dann bringt man ja auch einen besonders schönen Blumenstrauß mit. Die Geschäftspartner des Turniers legten zusammen, und dessen sportlicher Leiter, Patrik Kühnen, aktivierte alte Verbindungen.

          „Das wäre natürlich ein bissel dämlich“

          Nach ersten Gesprächen am Rande der US Open in New York im vergangenen Jahr habe, wie Kühnen sagt, die Tür einen Spalt offen gestanden, am Ende habe aber sicher auch Murrays Hochzeit am 11. April eine in jeder Hinsicht glückliche Rolle gespielt. In den vergangenen Jahren war Murray in Monte Carlo in die europäische Sandplatzsaison gestartet, das ging diesmal wegen der Hochzeit nicht, und bei der Suche nach einer Alternative entschied er sich für bayerisches Terrain.

          Auf und neben dem Platz in München gefragt: Murrax (rechts) mit Tommy Haas und Michael Mronz

          Murray ist die Nummer drei der Welt, und man muss eine Weile in den Annalen blättern, um Spieler dieser Kategorie zu finden; bis zurück in die erste Hälfte der neunziger Jahre, als die Spitzenleute Edberg (89/90), Lendl (91), Stich (92/94), Becker (95) und Muster (96) hießen. Der Österreicher kam damals als Nummer zwei der Rangliste nach München, und er fühlte sich so wohl, dass er an einem spielfreien Nachmittag gern mal einen Abstecher an einen kleinen See im Englischen Garten machte.

          Murray hatte schon vor seiner Ankunft mitgeteilt, dass man ihm mit einem Besuch des Pokal-Halbfinals zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund am Dienstagabend eine Freude machen könne. Da trifft es sich gut, dass Manfred Dirrheimer, Chef eines Finanzdienstleisters und Turniersponsors, Logenbesitzer im Bayern-Stadion ist. Dirrheimer trug sein Scherflein zur Verpflichtung des Schotten bei, und dass er ein Mann ist, der Dinge gern auf den Punkt bringt, wurde vor ein paar Tagen wieder deutlich, als er über Murrays Verpflichtung sprach und am Ende sagte: „Wenn er gleich ausscheidet, wäre es natürlich ein bissel dämlich.“

          Nun weiß zwar niemand, wie sich die Hochzeitspause auf die Form des Stars ausgewirkt hat und wie der Übergang von der Trainingswoche in Barcelona zur Turnierwoche in München passen wird, aber Murray ist kein Typ für halbe Sachen. Er sagt, was er denkt, und er handelt nach seinen Überzeugungen, auch auf die Gefahr hin, missverstanden zu werden. In aller Konsequenz entschied er sich vor zehn Monaten, die frühere Wimbledonsiegerin Amélie Mauresmo als Coach und Nachfolgerin von Ivan Lendl zu verpflichten, und vehement verteidigte er die Französin, als es nach diversen Niederlagen Ende des Jahres hieß, sie sei in dieser Position vielleicht überfordert. Inzwischen sind die beiden längst ein gutes Gespann, aber dieses Gespann steht vor einer Erweiterung.

          Gute Spiele und nähere Erkenntnisse

          Kurz nach der Rückkehr von den Australian Open teilte Mauresmo Murray in einem Skype-Gespräch mit, sie erwarte ein Baby. Weil er sich darüber freute, wie glücklich sie war, vergaß er im ersten Moment, darüber nachzudenken, was das für ihn und das Team bedeuten würde; die Geburt des Kindes wird im August erwartet. Mauresmo war in der vergangenen Woche in Barcelona dabei, sie wird Murray auch demnächst bei den Turnieren in Madrid, Rom und Paris betreuen. In München wird nun aber zum ersten Mal jener Mann in der Trainerbox sitzen, der vor allem in den Wochen vor und nach der Geburt helfen soll, der Schwede Jonas Björkman.

          Die beiden kennen sich aus dessen aktiver Zeit, und Murray sagt, ihm habe schon immer gefallen, dass der Schwede einerseits ein entspannter, umgänglicher Typ, andererseits aber auch ein sehr konzentrierter Arbeiter sei. Nach wenigen gemeinsam verbrachten Tagen in Barcelona erhofft er sich von der Münchner Woche nicht nur gute Spiele, sondern auch nähere Erkenntnisse, wie die berufliche Partnerschaft funktioniert.

          Björkman stand jedenfalls im Sonnenschein mit dem Star des Turniers auf dem Trainingsplatz vor dem gelben Klubhaus. Bereits vor dem geplanten Ausflug zum FC Bayern erlebten sie die erste Probe aufs Exempel im Doppel, das Murray mit Jean-Julien Rojer 7:5, 6:2 gegen Raven Klaasen und Lukas Rosol erfolgreich bestritt. An diesem Donnerstag (13.20 Uhr) folgt gegen den Hamburger Mischa Zverev die Premiere im Einzel. Ihr Auftritt, Mister Murray.

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