https://www.faz.net/-gtl-7q1x8

Andrea Petkovic : Zurück auf der Sonnenseite

  • -Aktualisiert am

Der Moment des großen Glücksgefühl: Andrea Petkovic schreit ihre Freude über den Einzug in das Halbfinale heraus Bild: REUTERS

Nach ihren vielen Verletzungen hat sich Andrea Petkovic stets zurück gekämpft. Nun steht sie zum ersten Mal im Halbfinale der French Open und ist wieder obenauf.

          3 Min.

          In der Kabine ging es nach dem Spiel fast so zu wie vor ein paar Wochen in Australien. Mitte Mai hatte die deutsche Mannschaft in Brisbane ausgelassen den Erfolg im Halbfinale des Fed Cup gefeiert, diesmal landeten die Damen auf getrennten Wegen in der gemeinsamen Umarmung. Andrea Petkovic stürmte vom Court Central herein, glücklich nach einem erstklassigen Auftritt und ihrem Sieg gegen Sara Errani (6:2, 6:2), mit dem sie das Halbfinale erreichte, Julia Görges und Anna-Lena Grönefeld brachten Siege vom Mixed-Halbfinale mit, und gemeinsam feierte Schwarz-Rot-Gold in den Katakomben des Stade Roland Garros.

          Im Mittelpunkt stand ohne Frage Andrea Petkovic. Die Art, wie sie die Partie gegen die Finalistin des Jahres 2011 dominierte, wie sie die Aufgabe nach fünf nervösen Minuten so entschlossen und scheinbar unbeirrt löste, war imposant. „Ich weiß selbst nicht, was heute los war“, meinte sie hinterher; normalerweise sagt man so etwas, wenn man verloren hat, in diesem Fall handelte es sich um das beste Gegenteil.

          Und das unter keineswegs leichten Bedingungen. Schon in der Nacht waren heftige Schauer über Paris niedergegangen, und zum geplanten Spielbeginn war an Tennis nicht zu denken. Aber Andrea Petkovic meinte hinterher, die Wartezeit sei vielleicht nicht schlecht für sie gewesen. Denn nachdem sie erfahren hatte, dass es noch eine Weile dauern würde, hatte sie sich zu einem kleinen Schläfchen in der Kabine niedergelegt, und danach flatterten die Nerven nicht mehr ganz so heftig wie zuvor.

          Als die Partie schließlich mit fast drei Stunden Verspätung begann, fühlte sie sich bereit für die Herausforderung und ließ sich auch nicht verwirren, als Sara Errani schon nach vier Minuten 2:0 führte. Es war für beide nicht leicht, den Ball zu kontrollieren, denn der Wind blies unfreundlich aus westlicher Richtung.

          Gestreckt wie ein Ausrufezeichen

          Doch nach diesen ersten vier Minuten und mit den ersten gelungenen Aufschlägen gewann die Darmstädterin schnell an Sicherheit, und bei jeder Gelegenheit attackierte sie nun auch die Aufschläge der Gegnerin. Tags zuvor im Training auf Platz 18 hatte Petkovics Vater Zoran als Spielpartner die Aufschläge der Italienerin imitiert, sehr zur Zufriedenheit von Coach Eric van Harpen, der rüber rief: „Hej, du bist die bessere Sara.“

          Das war, wie sich zeigten sollte, offenbar keine schlechte Vorbereitung. In den 63 Minuten der Partie brachte die Sara Errani schließlich nur ein einziges Aufschlagspiel durch - das allererste. Ansonsten hielt sie dem Druck nicht stand, den ihre Gegnerin mit ihren Returns und vor allem mit der Rückhand erzeugte. Nach dem Verlust des ersten Satzes verschwand Sara Errani kurz in der Kabine, sicher auch, um sich ein wenig zu sammeln, und draußen riss der Himmel auf. Die grauen Wolken zogen sich zurück, die Sonne kam vorbei, und es kam einem vor, als könne nichts mehr schiefgehen für Andrea Petkovic.

          Sie machte weiter, wie sie Ende des ersten Satzes aufgehört hatte, die andere legte nun zwar ein wenig zu und schaffte es, endlich mehr Länge ins Spiel zu bringen. Sie kam heran, aber immer, wenn es so aussah, als sei sie auf gleicher Höhe, schaltete die Deutsche in den nächst höheren Gang, und so landete sie zum ersten Mal in ihrer Karriere im Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers; dreimal hatte sie das in ihrem bisher erfolgreichsten Jahr, 2011, vergeblich versucht. Nachdem sie glücklich und erleichtert erkannt hatte, dass der letzte Ball von Sara Errani im hohen Bogen ins Aus geflogen war, stand sie einen kleinen Moment bis in die Fingerspitzen gestreckt wie ein Ausrufezeichen da - es war der passende Kommentar zum Spiel.

          Außenseiterin im Halbfinale

          Auch Bundestrainerin Barbara Rittner war höchst beeindruckt. „Andrea hat im bisher wichtigsten Spiel ihrer Karriere das perfekte Match gespielt“, schwärmte sie und freute sich gleich weiter mit Julia Görges und Anna-Lena Grönefeld, die nun im Finale des Mixed gegeneinander um den Titel spielen werden; Julia Görges mit dem Serben Nenad Zimonjic, Anna-Lena Grönefeld mit dem Holländer Jean-Julien Rojer.

          Für Andrea Petkovic geht es an diesem Donnerstag gleich weiter mit der nächsten Etappe in ihrer wechselvollen, von vielen brutalen Rückschlägen gestörten Karriere mit dem Spiel gegen Simona Halep. Keine Frage, die Rumänin wird als Favoritin in die Partie gehen, schließlich hat sie ein paar großartige Monate hinter sich, ist die Nummer vier der Welt und gehörte von Anfang an zu den chancenreichsten Kandidatinnen auf den Gewinn des Coupe Suzanne Lenglen.

          Aber das änderte für Andrea Petkovic nichts am Glück des Tages, obwohl es eine andere Form von Glück ist als vor ein paar Jahren. Jedes Mal kommt in solchen Momenten die Angst zurück, es könnte von einem Augenblick auf den anderen wieder alles vorbei sein; sie hat es oft genug erlebt.

          Weitere Themen

          Borussias neuer „Heiland“? Video-Seite öffnen

          Haaland vor Heimdebüt : Borussias neuer „Heiland“?

          Der junge Stürmer aus Norwegen wird von vielen BVB-Fans beim öffentlichen Training beobachtet – sein Debüt am Wochenende hat große Hoffnungen geweckt. Ist Erling Haaland der neue „Heiland“ für die Borussia?

          Topmeldungen

          Im Bahnhof der Stadt Hangzhou werden ankommende Passagiere aus Wuhan mit Infrarot-Thermometern untersucht.

          Coronavirus : China riegelt weitere Städte ab

          China meldet weitere Todesfälle. Auch die Zahl der Infizierten steigt deutlich auf über 800. Die Sicherheitsmaßnahmen im Land werden weiter verstärkt.
          Gefeiert wie ein Popstar: Heinz-Christian Strache am Donnerstagabend in Wien.

          Strache-Auftritt in Wien : „Hier steht das Original“

          Heinz-Christian Strache will in Österreich mit einer neuen „Bürgerbewegung“ in die Politik zurückkehren und seiner früheren Partei FPÖ das Leben schwer machen. Doch noch lässt er seine Anhänger zappeln – und vermeidet Festlegungen.
          Unser Newsletter-Autor: Carsten Knop

          F.A.Z.-Newsletter : Wetten, dass es so furchtbar schlecht nicht läuft?

          Auf dem Weltwirtschaftsforum ist am Freitag der Ausblick auf die Konjunktur ein Thema – Finanzminister Scholz spricht. Das und mehr steht heute im Newsletter für Deutschland, ein letztes Mal aus Davos, wo das Jahrestreffen endet.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.