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Andrea Petkovic : Willkommen in der schönen neuen Tenniswelt

„Im Endeffekt ein gutes Turnier” Bild: dpa

„Ich muss mich daran gewöhnen“, sagte Andrea Petkovic bei ihrem ersten Grand-Slam-Turnier, „dass ich den Spielern nicht wie ein Fan nachgucke, sondern dass ich selbst einer bin.“ Zwei Jahre hat sie sich gegeben, sich im Profizirkus zu beweisen.

          3 Min.

          Marcos Baghdatis betrat den großen Raum, der eigentlich hätte leer und ihm vorbehalten sein sollen, setzte sich auf einen Stuhl und lauschte. Der Zyprer, der im vergangenen Jahr im Melbourne-Endspiel stand, nahm an diesem Abend die Rolle des stillen Hinterbänklers ein und erwies damit jener jungen Darmstädterin seine Reverenz, die vorne auf dem Podium saß.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Andrea Petkovic ließ sich durch Baghdatis und dessen wartenden Anhang nicht stören, nicht jetzt, wo sie es bei ihrem ersten Grand-Slam-Turnier nicht nur ins Hauptfeld geschafft hatte, sondern für zehn eilends improvisierte Minuten auch bis in den Pressesaal von Roland Garros. „Marcos und ich kennen uns von Jugend-Turnieren“, erklärte die Neunzehnjährige. Sonst begegnen ihr auf der weitläufigen Pariser Anlage nicht allzu viele vertraute Gesichter. Willkommen in der schönen neuen Tenniswelt.

          „Die Chance habe ich vermasselt“

          Dass sie in der Lage ist, höher eingestufte Konkurrentinnen zu schlagen, hat Andrea Petkovic bei den French Open in der Qualifikation, bei ihrem 4:6-, 6:3-, 6:3-Auftaktsieg gegen die Slowakin Jarmila Gajdasova und am Mittwoch beinahe auch gegen die Weltranglisten-21. Marion Bartoli bewiesen.

          Chance genutzt, Chance verpasst
          Chance genutzt, Chance verpasst : Bild: dpa

          Aber nach einem perfekten ersten Satz, in dem die Darmstädterin taktisch klug und variabel spielte, die behäbige Französin in die Ecken jagte oder ans Netz lockte und in nur 17 Minuten 6:0 gewann, verlor sie erst die Geduld und dann die folgenden beiden Durchgänge 2:6 und 3:6. „Das Match war eine große Chance - aber die habe ich vermasselt“, sagte Andrea Petkovic. „Im zweiten Satz habe ich gar nicht verstanden, warum ich plötzlich hinten lag.“

          „Nicht wie ein Fan nachgucken“

          Auch abseits der Pariser Sandplätze, da muss sie erst noch das Staunen verlernen. Als sie an einem Regentag im Aufenthaltsraum der Spieler saß und sich umschaute, dachte sie plötzlich: „Oh, den Andy Roddick kenne ich doch aus dem Fernsehen!“ Ihren Umkleideraum teilte sich die Südhessin mit den Williams-Schwestern Venus und Serena, die in Florida leben und zusammen 13 Grand-Slam-Titel gewonnen haben. „Ich muss mich daran gewöhnen“, sagte Andrea Petkovic, „dass ich den Spielern nicht wie ein Fan nachgucke, sondern dass ich selbst einer bin.“

          Zwei Jahre hat sich Andrea Petkovic gegeben, um sich in dem manchmal rauhen Klima des Profizirkus zu beweisen. In dieser Zeit will sie, die sich stetig bis auf ihre derzeitige Position 150 hochgearbeitet hat, unter die besten fünfzig Tennisdamen der Welt vordringen; unter die Top 70 zu kommen ist ihr Etappenziel zum Saisonende. Könne sie sich nicht an ihr eigenes Ultimatum halten, dann werde sie nicht länger „rumgurken, dann mache ich etwas anderes“. Die allgemeine Hochschulreife hat Andrea Petkovic schließlich in der Tasche, fehlt nur noch die Platzreife, um sich auch gegen Spielerinnen aus der erweiterten Weltspitze durchzusetzen.

          Schnupperkurs auf der WTA-Tour

          Gegen die drei Jahre ältere Marion Bartoli, die nur den Aufschlag nicht beidhändig spielt, fehlte der Südhessin in den 87 Minuten erst die Abgeklärtheit und im dritten Satz auch die Kraft, um bei ihrem Roland-Garros-Debüt die Überraschung zu schaffen und in die dritte Runde einzuziehen. Bei aller Enttäuschung hielt sich die Hessin zugute, dass die French Open für sie „im Endeffekt ein gutes Turnier“ gewesen seien.

          Bei ihrem ersten großen Turnier haben Andrea Petkovic aber nicht nur die Konkurrentin und der eigene, von einer Blasenentzündung geplagte Körper zu schaffen gemacht, sondern auch das Wetter. „Eine Regenunterbrechung schlaucht mehr, als wenn man spielt“, sagte die Darmstädterin, die einen Tag länger als geplant auf ihren ersten Einsatz im Hauptfeld warten musste. Nachdem sie wegen der ständigen Regenschauer zwei Tage lang nicht hatte trainieren können, „hatte ich zunächst nicht so ein gutes Gefühl für die Bälle“.

          Sie spielt und staunt

          Dabei fühlt sich Andrea Petkovic seit ihrer Berufung in das deutsche Fed-Cup-Team stärker als zuvor. Seit den gemeinsamen Trainingseinheiten mit Teamchefin Barbara Rittner und dem 4:1-Sieg gegen Kroatien im April, zu dem die Darmstädterin im Doppel mit Tatjana Malek einen Punkt beisteuerte, sei sie „viel selbstbewusster auf dem Platz“. Nicht zuletzt ein Verdienst von Barbara Rittner, die sich ihrer auch in Paris annimmt, im Training wie im Ernstfall. „Sie ist immer positiv, glaubt an mich und kann mich sehr gut motivieren, wenn ich jammere“, sagt Andrea Petkovic, die auch am Mittwoch nach verpatzten Schlägen das Racket zu Boden schmiss.

          Aber noch steckt die Neunzehnjährige ja mitten in ihrem Schnupperkurs auf der WTA-Tour. Noch spielt und staunt Andrea Petkovic, bis sie abends, nach dem Sport und vor dem Zubettgehen, versucht, „an nichts zu denken“. Ist sie aber erst einmal eingeschlafen, wird sie gegen Träume von der schönen neuen Tenniswelt wenig ausrichten können.

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