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Andrea Petkovic über Nowitzki : Er ist einfach so verdammt groß

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Hinterlässt bei anderen Menschen einen bleibenden Eindruck, so auch bei Andrea Petkovic, die gemeinsam mit ihm Tennis spielte: Dirk Nowitzki Bild: USA TODAY Sports

Dirk Nowitzki verkündet nach 20 Jahren in der NBA seinen Abschied. Tennis-Kollegin Andrea Petkovic über Nowitzkis Verdienste um das deutsch-amerikanische Verhältnis – und Schwächen auf dem Tennisplatz.

          Ich sitze auf Platz 4 auf der Rosenhöhe in Offenbach, vom Training geschafft und mit rotem Sand im Gesicht, als ich ihn kommen sehe. Verwuschelte, blonde Haare, zwei Tennisschläger unterm Arm, schlurfender Gang. Die Menschen starren. Kein subtiles Hinübersehen, Tuscheln und wieder Hinsehen. Ganz offensichtliches Starren, mit offenem Mund und glasigen Augen. Zugegeben, Dirk Nowitzki würde angestarrt werden, ob Superstar oder nicht. Er ist einfach so verdammt groß. Aber während Britney Spears mit Mütze und Sonnenbrille vermutlich davonkommen würde, ist Dirk einfach nicht zu übersehen. Wir sind zum Tennisspielen verabredet. Er ist aus Würzburg angebraust gekommen, um sich „Tipps für seine Rückhand abzuholen“, wie er sagt.

          Ich bin meistens ziemlich unbeeindruckt, wenn ich prominente Menschen treffe. Schließlich erlebe ich 15 Wochen im Jahr Roger Federer beim Kartenspielen am Nebentisch und Rafael Nadal oberkörperfrei beim Fußballspielen. Da verliert man jede Scheu. Aber jetzt bin ich irgendwie aufgeregt.

          Ich weiß nicht, ob die Deutschen begreifen, welch unglaubliche Imageleistung Dirk für unser Land in den Vereinigten Staaten vollbracht hat. Manch einer mag das für überflüssig halten. Aber für mich, die drei Mal im Jahr zum Tennisspielen rüber muss, macht es einen Unterschied. Die ersten Male in Amerika, in denen ich mich in ausweglosen Smalltalk-Situationen wiederfand – Taxifahrten, Aufzüge, Hotellobbys –, wurden oftmals seltsam. „Hey, wo kommst du her, süßer Akzent!“ „Aus Deutschland!“ „Cool! Was treibt Hitler so?“ Ähm . . . wie bitte?

          Andrea Petkovic, 31, ist Tennis-Profi, ihre höchste Weltranglistenposition war Platz 9.

          Mit den Jahren wandelte sich die Frage zum Glücke aller deutsch-amerikanischen Annäherungsversuche in Sachen Smalltalk zu: „Was hältst du von Dirk?“ Immer beim Vornamen genannt, der einzige Mann in den Vereinigten Staaten von Amerika mit Namen Dirk, und wie Dööörk ausgesprochen.

          Bei der Begrüßungsumarmung mit Dööörk muss ich mich auf die äußerste Spitze meiner Zehen vorwagen. Er ist so nett, so offen, so bescheiden, dass alle Aufregung im Nu verfliegt. Dirk ist ein guter Tennisspieler. Ich kann in meiner ganz normalen Geschwindigkeit mit ihm Bälle hin- und herkloppen. Die größten Probleme machen ihm Bälle, die auf den Körper gezielt sind. Er sieht dann aus, als könnte er den Abstand nicht richtig abschätzen. Der Tennisschläger als Fremdwerkzeug, ein verlängerter Arm, den Dirk in seinem Sport nicht braucht. Er lässt sich jedoch von keinem Fehler entmutigen. Eine leise Entschlossenheit umweht ihn, und ich stelle mir vor, dass er so seine gesamte Karriere bestritten hat. Unauffällig davon besessen, jedes Detail jeden Tag noch ein wenig besser zu machen.

          Was die Amis am meisten erwähnen übrigens, sind zwei Dinge, wenn es um Dirk geht. Er hat, nachdem er direkt am Anfang seiner NBA-Karriere zu den Dallas Mavericks gewechselt wurde, niemals seinen Verein verlassen. Und wie er reagiert hat, als die Mavericks mit Dirk als MVP das erste Mal die Meisterschaft gewannen. Er ging hinaus, überließ sich seinen Emotionen im Stillen und kehrte irgendwann wieder in die Halle zurück, als wäre nie was gewesen. Eine Art zu feiern, die irgendwie deutsch ist. Bescheiden, zurückhaltend. Aber vor allem sehr Dirk.

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