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Andrea Petkovic : Geschenkte Chance

  • -Aktualisiert am

Weniger verbissen: Andrea Petkovic meldet sich in Miami eindrucksvoll zurück Bild: dpa

Tennisprofi Andrea Petkovic will nach vielen Verletzungen sorgsamer mit ihrem Körper umgehen. Mit neuer Lockerheit tritt sie in Miami auf - und erobert damit die Herzen der Zuschauer.

          3 Min.

          Miami. Amerikanische Hotels ohne Eismaschinen auf dem Flur sind nicht der Rede wert; selbst in der billigeren Preisklasse rumpeln die Würfel auch mitten in der Nacht durch den Schacht. Aber manchmal braucht man die Dinger ja zu wirklich sinnvollen Zwecken. So wie Andrea Petkovic dieser Tage.

          Ihr erster Gang morgens nach dem Aufstehen und ihr letzter abends vor dem Schlafengehen führt vom vierten in den zehnten Stock ihres Hotels, wo die Eismaschine steht. Ihrem vor zwei Monaten operierten Knie gehe es zwar gut, sagt sie, in der funktionellen Abteilung sei alles bestens, aber das Narbengewebe brauche noch Pflege. Dreimal am Tag 30 Minuten lang packt sie Eisbeutel aufs Knie, und mittlerweile hat sie sich an die Kältekur gewöhnt.

          Kaum zu fassen, wie schnell sich die Dinge innerhalb kurzer Zeit entwickelt haben. Vor zwei Wochen in Indian Wells hatte Andrea Petkovic zwar ein Spiel gewonnen, sich dann aber nicht für das Hauptfeld qualifiziert. Bei den Sony Open in Miami war sie dank einer Wildcard im Hauptfeld gelandet und gewann nach der Partie der ersten Runde auch die der zweiten, und das in sehenswerter Form.

          Ihre Freude nach dem 6:3, 4:1 gegen die immer wild entschlossene Marion Bartoli litt zwar ein wenig unter der Tatsache, dass die Französin im zweiten Satz wegen einer Zehenverletzung aufgeben musste. Aber grundsätzlich gab es keinen Grund, das Erreichte kleinzureden, denn vor allem im ersten Satz, in dem Bartoli noch nichts fehlte, spielte Petkovic auf einem Niveau mit der Elften der Weltrangliste. Hinterher meinte sie, sie habe schlau gespielt und versucht, alles umzusetzen, was ihr Coach Petar Popovic mit auf den Weg gegeben hatte.

          Gegnerin Marion Bartoli ist unterlegen und muss später aufgeben
          Gegnerin Marion Bartoli ist unterlegen und muss später aufgeben : Bild: AFP

          Aber was das Beste an der Geschichte ist: Irgendwie hat sie den Eindruck, nach der dritten Verletzung innerhalb von anderthalb Jahren manche Dinge besser zu machen und intensiver zu empfinden als zu ihrer besten Zeit als Mitglied der Top Ten anno 2011. Sie sagt, Popovic behaupte, dass sie sich besser bewege als jemals zuvor, und mittlerweile glaubt sie, dass er recht habe mit dieser Einschätzung.

          Sie selbst hat das Gefühl, zuletzt sei es ihr bei den French Open 2011 so gut gegangen. Nach Wimbledon hätten dann schon die Probleme mit dem inzwischen operierten Meniskus begonnen, danach folgten die Stressfraktur im Iliosakral-Gelenk, der Bänderriss im Sprunggelenk und der endgültige Riss im Meniskus.

          Immer wieder setzten Verletzungen Petkovic außer Gefecht
          Immer wieder setzten Verletzungen Petkovic außer Gefecht : Bild: dpa

          Aber auch weiter oben fühlen sich manche Dinge überraschend gut an. Schon beim Einspielen sehen ihr dieser Tage in Miami die Leute zu, und bei jedem Auftritt wird sie aufs wärmste begrüßt. Zweimal spielte sie auf dem so genannten Grand Stand, der zweitgrößten Arena bei den Sony Open, und beide Male gab es keinen Zweifel, wen die Leute siegen sehen wollten. „Ja, das ist der Hammer“, sagt sie. „Ich hab manchmal das Gefühl, nach meiner Verletzung sprechen mich mehr Leute an als vorher. Oder ich hab’s vorher vielleicht nicht gemerkt, weil ich so in meinem Tunnel war.“

          Möglich aber auch, dass sich die Leute daran erinnern, wie sie in Miami vor zwei Jahren gegen die damalige Nummer eins des Frauentennis, die Dänin Caroline Wozniacki, gewann und der Russin Maria Scharapowa im Halbfinale Paroli bot. Damals sagte sie: „Ich denke, das hier war der nächste Schritt für mich“ - nicht auszuschließen, dass diesmal aus anderen Gründen dasselbe gelten wird.

          Schmerzen und Bandagen waren ihr ständiger Begleiter
          Schmerzen und Bandagen waren ihr ständiger Begleiter : Bild: dpa

          Andrea Petkovic ist jedenfalls entschlossen, mit der geschenkten Chance des nun wieder schmerzfreien Körpers sorgsam umzugehen, manche Dinge nicht ganz so verbissen zu sehen und den Stress in Grenzen zu halten. Im Moment, sagt sie, sei jedes Spiel etwas Besonderes, und jeder Sieg mache sich in der Weltrangliste extrem bemerkbar.

          Platz 162, den sie im Moment besetzt, wird sie nach dem Turnier verlassen, denn aus dem vergangenen Jahr hat sie keine Punkte zu verteidigen. Wenn alles gutgeht, hofft sie bei einem der noch ausstehenden drei Grand-Slam-Turniere in diesem Jahr im Hauptfeld zu landen.

          Nun kann sie wieder lachen und versucht es mit neuer Lockerheit
          Nun kann sie wieder lachen und versucht es mit neuer Lockerheit : Bild: dapd

          Und auf dem weiteren Weg in Miami bietet sich eine ziemlich gute Chance. In Runde drei wird sie an diesem Samstag (16.00 Uhr MEZ) gegen Ajla Tomljanovic spielen, Nummer 242 der Welt. Deren Sieg über Julia Görges (7:6, 6:2) stand nicht im Drehbuch des Tages. Die junge Kroatin spielte gut, Görges eher nicht, auch gestört von einer leicht verdrehten Rückenmuskulatur.

          „Aber selbst mit so einer Sache sollte ich in der Lage sein, sie zu schlagen“, sagte Julia Görges hinterher. Ihre Erkenntnisse über die Gegnerin könnten nun aber zumindest Andrea Petkovic von Nutzen sein. Nach einem Tag Spielpause für Körper und Seele und weiteren Gängen zur Eismaschine.

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