https://www.faz.net/-gtl-yvxp

Andrea Petkovic beim Fed-Cup : Vom Nervenbündel zur Vorzeigefrau

  • -Aktualisiert am

Germany next Supertennisplayer: Andrea Petkovic Bild: dpa

Andrea hier, Andrea da. Das öffentlichen Interesse vor dem Duell gegen Amerika ist gewaltig. Doch von Petkovics Popularität profitiert auch der deutsche Tennissport insgesamt. Dank ihrer sportlichen Klasse soll das Fed-Cup-Team siegen.

          3 Min.

          Ihr Arbeitsplatz ist in diesen Tagen der rote Sand, aber vorkommen muss sich Andrea Petkovic wie auf einem roten Teppich: Andrea hier, Andrea da, bitte ein Wort zu diesem oder jenem Thema! Seit die Darmstädterin die beste deutsche Tennisspielerin ist, und vor allem seit sich auch hierzulande herumgesprochen hat, dass sie nicht nur erfolgreich ist, sondern auch gescheit und gewitzt, buhlen auch die buntesten Blätter um ein Gespräch.

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Dutzendfach werden der Dreiundzwanzigjährigen derzeit Fragen gestellt, die sie in den vergangenen beiden Jahren schon dutzendfach beantwortet hat: Ja, sie hat auf dem Gymnasium eine Klasse übersprungen. Ja, sie hat ein Einser-Abitur hingelegt. Ja, sie studiert Politikwissenschaft und hat ein Praktikum in der hessischen Staatskanzlei beim damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch absolviert. Ja, sie ist in festen Händen. Nein, mit dem „Petko-Dance“, den sie im vergangenen Sommer als Siegesritual erfunden hat, sei Schluss. Von einem Termin zum nächsten sei sie in den vergangenen Tage gehetzt, sagte Andrea Petkovic vor dem Fed-Cup-Relegationsspiel an diesem Wochenende in Stuttgart gegen das Team der Vereinigten Staaten: „Das ist eindeutig eine neue Situation für mich.“

          Nicht nur für sie. Auch Mitarbeiter des Deutschen Tennis Bundes, die noch nicht altgedient sind, zeigen sich überwältigt von dem öffentlichen Interesse, das sie nur vom Hörensagen kennen: aus Erzählungen der Altvorderen über die glorreichen Zeiten von Steffi Graf. Die wieder erwachte Aufmerksamkeit kommt dem Verband gerade recht, erlebt der Tennissport, wenn man den steigenden Verkaufszahlen von Schlägern und anderen Ausrüstungsgegenständen glauben darf, doch hierzulande wieder einen leichten Aufschwung. Was passt dazu besser als eine Ausnahmeerscheinung wie Andrea Petkovic, zumal vor dem Fed-Cup-Duell mit dem geschwächten Rekordsieger? „Mit Andrea als Leitfigur können wir um den Cup mitspielen“, sagt Teamchefin Barbara Rittner mittelfristig voraus.

          Nicht nur erfolgreich, sondern auch gescheit und gewitzt

          Die Erwartungen sind hoch an Andrea Petkovic

          In ihre Führungsrolle ist die schlagfertige Hessin flott hineingewachsen. 14 Monate hat es gedauert, bis sie sich von einem Nervenbündel zur Vorzeigefrau entwickelt hat. Im Februar 2010, als Andrea Petkovic das Fed-Cup-Team in Tschechien erstmals als Spitzenkraft anführte, hatte sie sich dermaßen unter Erfolgsdruck gesetzt, dass sie auf dem Platz kläglich versagte.

          Weil Andrea Petkovic aber nicht nur professionell an sich arbeitet, sondern auch schnell lernt, kamen bald die Erfolge: In den folgenden beiden Fed-Cup-Spielen wurde die Spitzenkraft zur sicheren Punktelieferantin, nun soll sie dazu beitragen, dass die deutschen Damen wieder in die Weltgruppe aufsteigen. „Ich will so gut vorbereitet wie möglich in den Fed Cup gehen“, sagte die Darmstädterin, deren öffentliche Terminhatz auch auf Barbara Rittners Geheiß vorerst beendet ist.

          Die Erwartungen sind hoch an Andrea Petkovic. Nach ihren herausragenden Auftritten der vergangenen Monate ist sie auf Platz 19 der Weltrangliste geklettert. Finale in Brisbane, Viertelfinale bei den Australian Open, zuletzt Halbfinale in Miami inklusive zweier Siege über die Weltranglistenerste Caroline Wozniacki sowie die achtplazierte Jelena Jankovic - diese Einzelergebnisse machen Hoffnung auf einen Mannschaftserfolg. Zumal die Amerikanerinnen in Stuttgart nicht mit den Williams-Schwestern, sondern mit zwei jungen Damen antreten.

          Mit Tourtrainer und Mentalcoach ins Zeug gelegt

          Die 19-jährige Melanie Oudin und die ein Jahr jüngere Christina McHale tragen die Bürde, die mit 17 Fed-Cup-Titeln dekorierten Amerikanerinnen vor dem Abstieg zu bewahren. Dass die deutsche Teamchefin die beiden Talente, obwohl in der Weltrangliste nur auf den Plätzen 81 und 82 notiert, für „gefährlich“ hält, ist keine große Übertreibung.

          Vor allem Petkovics Auftaktgegnerin Christina McHale, zuletzt beim stark besetzten WTA-Turnier in Charleston im Viertelfinale, hat einen Lauf. Und Melanie Oudin besiegte vor wenigen Wochen in Miami die Bad Oldesloerin Julia Görges, die neben Andrea Petkovic als zweite deutsche Einzelspielerin antritt und den Rummel um ihre Kollegin als leistungsfördernd ansieht: „Wir können davon profitieren. Sie tut viel dafür, dass Tennis wieder populär wird in Deutschland.“

          Obwohl Andrea Petkovic den Zuschauern beste Unterhaltung bieten will, legt sie sich auf dem Platz noch konzentrierter ins Zeug als zuvor. Mit ihrem Tourtrainer Petar Popovic hat sie an ihren Schwächen in der Defensive gearbeitet und ihre Beinarbeit verbessert, Mentalcoach Holger Fischer hat sie geistig fitter gemacht. Zwar weiß sie in diesen Tagen von Stuttgart, wo nach dem Fed-Cup-Spiel noch das hochklassige WTA-Turnier ansteht, dass alle Augen und Ohren auf sie gerichtet sein werden. Doch taucht sie auch gerne ein in den Kreis der Fed-Cup-Kolleginnen. „Da wird die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilt.“ Zumindest dort, wo es darauf ankommt: auf dem roten Sand.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          5:0 gegen Schalke : Die Bayern blasen zur Jagd auf Leipzig

          Die Münchner erteilen Schalke eine Lehrstunde und kommen Spitzenreiter Leipzig, der sein Spiel in Frankfurt verliert, nah. Die Bayern indes siegen imposant – auch weil der Torwart der Königsblauen zwei Mal patzt.
          Demonstranten in Leipzig

          Sechs Polizisten verletzt : Wieder Krawall in Leipzig

          Etwa 1300 Menschen demonstrieren in Leipzig gegen das Verbot einer linksextremen Online-Plattform. Zunächst bleibt der Protest friedlich, dann fliegen Steine. Die Polizei kesselt die Demonstranten ein, sechs Beamte werden verletzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.