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American Pharoah : Wie ein Hengst zur Geldmaschine wird

  • -Aktualisiert am

Victor Espinoza gewinnt mit American Pharoah die sogenannte Triple Crown Bild: AP

American Pharoah wird umschwärmt wie ein Rockstar. Der „lachende“ Hengst gewann in diesem Jahr die Triple Crown des Galoppsports. Der Erfolg des Pferdes zahlt sich für viele aus.

          3 Min.

          Er ist ein wertvolles Tier. Weshalb bei seiner Landung in einem speziellen Transportflugzeug am Mittwoch in Atlantic City auch vier Polizeiwagen bereitstanden, um ihn zu seinem Ziel zu begleiten: der Galopprennbahn von Monmouth Park in Oceanport in New Jersey, wo am Sonntag mit dem Haskell Invitational einer der Höhepunkte des Sommers ausgetragen wird. American Pharoah wurde schließlich aus einem großen Sattelschlepper ausgeladen, auf dem sein Name in riesigen Lettern stand. „Er ist ein Rockstar“, sagte Kelly John Breen, der den Vollblüter in seinem Stall in Monmouth Park als eine Art Herbergsvater versorgt.

          Breen hatte als Jockey vor ein paar Jahren die Belmont Stakes gewonnen und ist nicht so leicht zu beeindrucken. Doch bei American Pharoah hat alles eine andere Dimension. Der Dreijährige, der in seiner Rennkarriere achtmal am Start stand und siebenmal die Nase vorn hatte, hatte Anfang Juni das beinahe Unmögliche geschafft.

          Er hängte auf der Bahn im Belmont Park im New Yorker Stadtteil Queens die Konkurrenz um fünfeinhalb Längen ab und gewann das dritte Rennen der sogenannten Triple Crown - das sind die drei wichtigsten Rennen des Derby-Jahrgangs in den Vereinigten Staaten. „Es ist das, was jeder schaffen will“, sagte Breen über den Erfolg, auf den die amerikanische Turfwelt seit 1978 gewartet und gehofft hatte.

          American Pharoah ist ein Ausnahmepferd, gewissermaßen eine Geldanlage auf vier Beinen. Nachdem er vor zwei Jahren bei einer Auktion 300.000 Dollar erzielte, schnellte sein geschätzter Marktwert mit jedem Sieg immer weiter nach oben. Sicher ist nur so viel: der Preis für sein Erbgut. Der steht nämlich in einem Vertrag, den sein Besitzer Ahmed Zayat vor ein paar Monaten mit einem großen internationalen Züchter abschloss. Nach unbestätigten Berichten handelt es sich um 20 Millionen Dollar. Die Summe dürfte American Pharoah locker wieder einspielen. Für einen einzelnen Sprung von prominenten Hengsten werden dieser Tage in Amerika um die 150.000 Dollar aufgerufen.

          Auch Jockey Victor Espinoza verdient mit

          Zayat, ein aus Ägypten stammender Unternehmer mit einer schillernden Vergangenheit, zu der ein Konkurs und hohe Wettverluste gehören, ist daran jedes Mal mit 25 Prozent beteiligt und verdient auch noch auf andere Weise. So sicherte er sich vor kurzem die Markenrechte an dem Namen, der auf einen kuriosen Schreibfehler bei der Registrierung im Jockey Club zurückgeht. Sechs Varianten wurden bereits beim Patentamt in Washington eingereicht. Darunter: „American Pharoah Triple Crown“ und „American Pharoah Champion Racehorse“.

          Selbst Victor Espinoza verdient mit. Der Erfolgsjockey unterschrieb einen Exklusivvertrag mit einer Vermarktungsfirma, die seine Autogramme für gutes Geld unters Volk bringen will. Dabei wäre seine Einschätzung des Gefühls, ein derartiges Pferd zu reiten, eigentlich sehr viel wertvoller und ist - noch - kostenlos zu haben.

          Unwiderstehlich: Der Hengst fasziniert die Galoppsportwelt derzeit Bilderstrecke

          Der Mexikaner beschrieb neulich wieder begeistert „die Art, wie er galoppiert, wie er den Boden berührt“. American Pharoah, in dessen Erblinie sich solche Namen befinden wie Unbridled (Kentucky Derby-Sieger 1990), sei zwar ein schweres Pferd. „Aber seine Beine sind so leicht. Er ist wie ein Schwimmer. Wo die anderen kämpfen müssen, hat er einfach Spaß. Er lacht sie vermutlich aus, all die Pferde hinter ihm.“

          Der Spaß des Hengstes hat sich längst auf das interessierte Publikum übertragen. Die Zahl der Zuschauer nimmt zwar in den Vereinigten Staaten seit Jahren langsam, aber stetig ab. Unter anderem, weil Leute mit einem Hang zum Glücksspiel in die landesweit entstandene Casinolandschaft abwandern. Aber die Erfolge von American Pharoah und das Spektakel drum herum faszinieren dann doch. In Monmouth Park, wo die Preise für einen Sitzplatz auf der Tribüne normalerweise bei 34 Dollar liegen, wurden für die Tickets beim Weiterverkauf im Internet in dieser Woche 2000 Dollar verlangt.

          „Ich glaube, er wird noch schneller“

          Welche Erwartungen die Fans hegen, die am Sonntag zum Haskell Invitational pilgern, ist schwer zu sagen. Während sich andere Triple-Crown-Gewinner in der Vergangenheit in späteren Rennen schwertaten und vieles vom Glorienschein ihrer Erfolge einbüßten, sehen Fachleute für dieses Wochenende kein wirkliches Risiko. American Pharoah lieferte im Training in Kalifornien hervorragende Zeiten ab.

          Sein Trainer Bob Baffert sagte: „Ich glaube, er wird noch schneller.“ Der Hengst soll seine Form nach diesem Wochenende zumindest noch einmal - am 31. Oktober in Keeneland in Lexington/Kentucky - unter Beweis stellen, wenn der Breeders Cup Classic ansteht, bei dem es um ein Preisgeld von fünf Millionen Dollar geht.

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          Dass American Pharoah angesichts seiner zukünftigen Rolle als Cash-Maschine überhaupt noch an Rennen teilnimmt, ist das eigentliche Wunder. Es liegt an seinem Besitzer, der so viel Aufsehen wie möglich entfachen will. Angeblich aus purer Liebe zu Vollblütern. „Ich nehme die Verantwortung sehr ernst“, sagte Zayat neulich der „New York Times“.

          Bis zum Ende des Jahres in jedem Fall - dann nimmt American Pharoah endgültig Abschied von der Rennbahn und zieht in den Stall nach Kentucky um. Bis dahin schwebt über seinen Einsätzen das Risiko, dass er sich womöglich schwer verletzt und für die Zucht nicht mehr in Frage kommt. Zayat kann das allerdings gelassen sehen. Schließlich hat er das Geld für die entsprechenden Rechte an dem Pferd bereits kassiert.

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